Kleines Lexikon für Stellenanzeigen

Tipps und Tricks

Stellenanzeigen oder Stellenausschreibungen dienen dazu, geeignete Bewerber:innen auf eine freie Stelle aufmerksam zu machen. Da jeder kommunikative Akt auch eine Selbstauskunft ist, verraten sie viel über das ausschreibende Unternehmen. Nicht immer ist der Gebrauch der Sprache präzise. Das beginnt schon mit Begriffen wie „Stelleninserat“ beziehungsweise „Stellenanzeige“ auf der einen Seite, und „Stellenangebot“ auf der anderen Seite.

Streng genommen ist die Stellenanzeige das Kommunikationsmittel zur Bewerber:innengewinnung, während ein Stellenangebot die tatsächliche Beschäftigungsmöglichkeit bzw. ein konkretes Vertragsangebot bezeichnet. In der Praxis werden beide Begriffe jedoch häufig synonym verwendet.

Aber auch der formale Aufwand, der für die Ausschreibung unternommen wurde, verrät einiges über die Unternehmenskultur. Ist die Stellenanzeige kurz und generalistisch gehalten und glänzt durch wenig konkrete Formulierungen wie „interessante Aufgaben“, „spannende Tätigkeiten“, „attraktives Gehalt“ oder „sofortiger Eintritt“, dann sind dies bereits erste Indizien dafür, dass man sich wenig Gedanken bei der Ausschreibung gemacht hat. Natürlich kommt es auf den Kontext an: Personalagenturen schreiben tendenziell generalistischer aus, um die Bewerber:innenresonanz zu erhöhen und somit den Bewerber:innenpool auszuweiten.

Auch vollständige Kontaktdaten, korrekte Firmen-E-Mail-Adressen und klare Ansprechpersonen sind zumindest bei Bewerbungen, die direkt ausgeschrieben werden, ein potenzieller Marker für eine seriöse Ausschreibung.

Cartoon Jobberie zum Thema Sprache der Stelleninserate

Generell gilt, dass Stelleninserate präzise ausformuliert sein sollten. Idealerweise werden nicht mehrere unterschiedliche Funktionen in einer einzigen Anzeige zusammengefasst. Die Formulierungen sind gut auf die Stelle und das Anforderungsprofil zugeschnitten, Allgemeinplätze und Füllwörter werden vermieden. Natürlich finden sich in den Stellenanzeigen – genauso wie bei den Dienstzeugnissen – marketingorientierte und euphemisierende Formulierungen, die Freiraum für Interpretationen bieten: Hier eine kleine Auswahl:

FormulierungMögliche Bedeutung
Abwechslungsreiche AufgabenRolle kann zwar klar definiert sein, jedoch besteht oft die Möglichkeit, dass fachfremde Tätigkeiten übernommen werden müssen.
Akzentfreies DeutschMöglicher Hinweis auf sprachliche Anforderungen; im Einzelfall kann die Formulierung diskriminierend wirken.
Allrounder*inKeine klare Rollenverteilung, unklare Zuständigkeiten, möglicherweise fehlende Spezialist*innen.
Angenehmes bzw. familiäres BetriebsklimaEin angenehmes Klima sollte selbstverständlich sein. „Familiär“ kann sowohl Zusammenhalt als auch mangelnde professionelle Distanz bedeuten.
Dynamisches UmfeldHäufig wechselnde Anforderungen, wenig Planungssicherheit.
Eigenverantwortliches ArbeitenViel Freiraum, teilweise aber auch wenig Struktur oder Einarbeitung.
Ein attraktives GehaltAttraktiv ist relativ; die tatsächliche Höhe sollte hinterfragt werden.
Flexible ArbeitszeitenKönnen echte Flexibilität bedeuten, aber auch Anpassung an betriebliche Erfordernisse.
Flache HierarchienKurze Entscheidungswege; im negativen Fall unklare Zuständigkeiten und viel Eigenorganisation.
Gratis Kaffee, gratis GetränkeKleiner Benefit, ersetzt jedoch keine marktgerechte Vergütung
Hands-on-MentalitätPraktische Mitarbeit wird erwartet; fachfremde Tätigkeiten sind möglich, eher „männlich“ konnotiert
Hohe EinsatzbereitschaftMöglicher Hinweis auf regelmäßige Mehrarbeit oder Belastungsspitzen, eher „männlich“ konnotiert
Hohe Leistungsbereitschaft / Extra MeileÜberdurchschnittliches Engagement wird erwartet; kann auf Überstundenkultur hindeuten, eher „männlich“ konnotiert
Kleines, eingespieltes TeamKurze Wege, aber möglicherweise schwierige Integration neuer Mitarbeitender.
Kreative PersönlichkeitEigenständige Problemlösung und Improvisationsfähigkeit werden erwartet.
Leistungsorientierte VergütungVariabler Gehaltsanteil, der an Ziele oder Ergebnisse gekoppelt ist.
Moderne BüroausstattungSollte Standard sein; konkrete Ausgestaltung hinterfragen.
ObstkorbKleiner Zusatznutzen, aber kein Ersatz für Gehalt oder Entwicklungsmöglichkeiten.
Schnelle AufstiegschancenHinweis auf Wachstum oder erhöhte Fluktuation.
SchnittstellenfunktionViele Stakeholder und unterschiedliche Erwartungshaltungen.
Startup-MentalitätDynamisches Umfeld, wenige Prozesse, hohe Flexibilität und oft hohe Arbeitsbelastung.
TeamfähigFähigkeit zur Zusammenarbeit; im negativen Extremfall wird starke Anpassungsbereitschaft erwartet.
Übliche SozialleistungenOft gesetzliche oder kollektivvertragliche Standards.
Überbezahlung möglich / geplant / angedachtSpielraum über dem Kollektivvertrag vorhanden, aber nicht garantiert.
Viele EntwicklungsmöglichkeitenKann auf Wachstum oder erhöhte Fluktuation hindeuten.
Zeitgemäße ArbeitsbedingungenUnklarer Begriff; konkrete Maßnahmen sollten hinterfragt werden.
Zielorientiert und durchsetzungsstarkWettbewerb und Ergebnisorientierung werden stark gewichtet.

Dies ist eine kleine Auswahl. Sollten Sie weitere Formulierungen kennen, posten Sie diese doch bitte unter den Beitrag. Die JOBBERIE – Jobs und mehr freut sich immer wieder über fachdienliche Hinweise.


Quellen:

  • Brandl, Julia. Die Macht der Worte. Austrian Management Revue. Vol. 5. 2015. Seite 103. > LINK
  • Arbeiterkammer Online. Die Stellenanzeige. > LINK
  • Codes in Stellenanzeigen entschlüsseln. Karriere.Haus der EWU GmbH. 27. Juni 2018. > LINK

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