Ende August: Der Schulbeginn naht und die meisten Sommerurlaube sind auch bereits vorbei. Zeit für unsere Rubrik „Worst of Stelleninserate“. Die JOBBERIE kürte auch im August 2026 drei Inserate, die eine erhöhte Aufmerksamkeit verdienen. Es handelt sich um drei Inserate, die aus unterschiedlichen Gründen Anschauungsmaterial für bessere Stelleninserate sind. Dabei geht es – wie bereits gewohnt – nicht darum irgendwelche Unternehmen an den Pranger zu stellen, sondern anhand von konkreten Beispielen Tipps für Ihre Inserate zu geben.

Das Unternehmen, das den dritten Platz belegt, sucht „eine Person, die engagiert und zuverlässig ist, immer den Überblick behält und ein Auge für Details sowie Spaß an der Arbeit hat.“ Der Originalsatz des Inserats war noch verschachtelter aufgebaut und arbeitete mit dem wunderbaren Pronomen „welche“. Das generiert natürlich Aufmerksamkeit – nicht unbedingt im positiven Sinne. Die Formulierung „wir suchen eine Person“ ist sehr unpersönlich und wirkt ungemein kühl. Des Weiteren sind so viele Anforderungen, die in einem Satz kulminieren, schwer zu verdauen. Hier wäre eine Unterteilung in einzelne Bulletpoints deutlich angenehmer für die Lesenden. Aber auch inhaltlich könnte sich manche Bewerber:in von den Anforderungen wenig angesprochen fühlen. Die Punkte im Einzeln:
„Immer den Überblick behalten“ klingt nach vielen parallelen Aufgaben, hoher Arbeitsbelastung oder ständig wechselnden Prioritäten. „Ein Auge für Details haben“ und gleichzeitig den „Überblick behalten„ schließen sich nicht zwangsläufig aus. Die Kombination kann jedoch darauf hindeuten, dass die Stelle sowohl strategisches Denken als auch administrative Genauigkeit verlangt. Das ist anspruchsvoll und manchmal ein Zeichen für ein sehr breites Aufgabenspektrum.
„Spaß an der Arbeit“ wird von vielen Bewerber:innen als Floskel wahrgenommen. Die Formulierung könnte die Frage aufwerfen: „Soll Leidenschaft fehlende Prozesse oder hohe Belastung ausgleichen?“
Zusammengefasst deutet die Passage auf ein hohes Arbeitspensum, geringe Strukturen und ein ausuferndes Aufgabenfeld hin, zumal sich auch das Gesamtpaket mit den üblichen Weiterbildungsangeboten und der Gehaltsangabe eher überschaubar präsentiert.

Als hätten wir nicht bereits in der Ausgabe 12/2025 darüber gesprochen, dass „Bezahlung laut Kollektivvertrag“ keine Option für eine zulässige Gehaltsangabe ist. In der August-Ausgabe 2026 von „Worst of Stelleninserate“ taucht das Thema in einer neuen Variante auf: „Die Bezahlung erfolgt nach dem österreichischen Kollektivvertrag“.
Noch einmal zum Genießen: „dem österreichischen Kollektivvertrag“
Dem ausschreibenden Unternehmen sei zugutegehalten, dass man aufgrund der Standortnähe zum EU-Ausland offenbar darauf hinweisen wollte, dass ausländische Mitarbeitende nach österreichischem Arbeitsrecht angestellt werden.
Allerdings suggeriert die Formulierung „dem österreichischen Kollektivvertrag“, dass es einen einzigen Kollektivvertrag für alle Branchen gäbe.Das ist jedoch nicht der Fall. In Österreich gelten laut Arbeitsministerium über 800 Kollektivverträge. Die kollektivvertragliche Absicherung der Arbeitnehmer:innen liegt bei weit über 90 Prozent. Diese hohe Abdeckung ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass ein gesetzlicher Mindestlohn bislang nicht eingeführt wurde.
Von einem „österreichischen Kollektivvertrag“ zu sprechen, ist daher nicht bloß eine Vereinfachung, sondern sachlich falsch. Das Thema Generalkollektivvertrag wird die JOBBERIE in einem der nächsten Beiträge näher beleuchten.

Ausbildung für „echte Männer“
Die Baubranche gilt nach wie vor als Männerdomäne, Frauen sind auf Baustellen noch immer stark unterrepräsentiert.„Laut AMS lag der Frauenanteil im Bauwesen 2025 bei 13,3 Prozent. Das entspricht rechnerisch rund 36.600 Frauen, allerdings sind hier auch weibliche Büroangestellte, Bauleiter:innen, Planer:innen und Architekt:innen mit eingerechnet. Den eigenen Nachwuchs auszubilden ist gar nicht so leicht. Nicht umsonst suchen viele Bauunternehmen ganze Partien, die meist aus dem benachbarten Ausland nach Österreich kommen. Wenn also ein österreichisches Unternehmen im Jahre 2026 mit dem Slogan „XXX ist ein Beruf für echte Männer“ um Lehrlinge wirbt, dann werden junge Menschen mit einer ausgrenzend wirkenden Beschreibung gegenüber Personen, die nicht in dieses Rollenbild passen, konfrontiert.
Die Frage, die natürlich auf der Hand liegt: „Wer von ‚echten Männern‘ spricht, impliziert zwangsläufig auch die Existenz ‚unechter Männer‘. Genau daran zeigt sich die Problematik solcher Botschaften.“ Genau deshalb geht Platz 1 unserer August-Ausgabe an das Inserat, das mit dem Slogan „XXX ist ein Beruf für echte Männer“ um Nachwuchs wirbt.

