Was kostet eine Bewerbung? Wer kommt dafür auf? Tipps und Hinweise

tipps und tricks beim recruiting und bewerbung. kosten für bewerbungen

Ältere Bewerber*innen wissen, dass Bewerbungen ins Geld gehen können: Mappe kaufen, Foto machen lassen, ausdrucken und per Post verschicken. Wer nicht mit digitalen Bewerbungsprozessen aufgewachsen ist, weiß: Das konnte teuer werden. Digital Natives sind es gewohnt, dass Bewerbungen oft kostenlos sind – schließlich bewirbt man sich um einen Job, um Geld zu verdienen und nicht, um welches auszugeben.

Die Realität sieht allerdings oft anders aus: Schon vom ersten Anschreiben bis zum persönlichen Vorstellungsgespräch können für Bewerbende spürbare Kosten entstehen. Die JOBBERIE – Jobs und mehr hat mögliche Kosten zusammengestellt und informiert darüber, wer welche Kosten übernehmen kann oder muss.

1. Kosten bei der Jobsuche und Bewerbungsvorbereitung

Schon bevor man überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, können Kosten entstehen.

Bewerbungsunterlagen: Das Erstellen professioneller Bewerbungsunterlagen – also Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugniskopien – verursacht zumindest Druck- und Papierkosten, wenn die Unterlagen postalisch versendet werden. Wer die Hilfe einer Bewerbungsberatung in Anspruch nimmt oder professionelle Fotos anfertigen lässt, investiert unter Umständen deutlich mehr. Auch Bewerbungen, die zu Hause vollständig am Computer erstellt werden, sind nicht völlig kostenlos, denn auch Software kann Geld kosten.

Internetnutzung und Plattformen: Die Jobsuche über Online-Stellenbörsen oder Karriereplattformen ist häufig kostenlos. Manche Premium-Dienste oder Karrierenetzwerke verlangen jedoch für erweiterte Sichtbarkeit oder besondere Funktionen Gebühren. Wer bei LinkedIn, XING oder ähnlichen Portalen einen Premium-Account nutzt, um Bewerbungen besser zu platzieren oder direkt mit Headhunter*innen in Kontakt zu kommen, muss dafür unter Umständen bezahlen.

Weiterbildung und Qualifikationen: Wer für eine Bewerbung noch Zertifikate nachholt oder Sprachkurse absolviert, investiert Zeit und Geld – auch wenn das langfristig sinnvoll sein kann. Auch autodidaktische Fortbildung kostet zumindest Zeit und Ausdauer. Gute Fachliteratur und anerkannte Weiterbildungen sind häufig mit Kosten verbunden.

2. Kosten beim Vorstellungsgespräch

Der rechtlich interessanteste Kostenblock betrifft das persönliche Vorstellungsgespräch. Als Vorstellungskosten gelten typischerweise Fahrt- und gegebenenfalls Übernachtungskosten, die im Zusammenhang mit einer Bewerbung entstehen.

Wann trägt der Arbeitgeber die Kosten?
Laut österreichischer Rechtslage und der dazu dargestellten Praxis gilt: Werden Bewerbende ausdrücklich zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen, kann grundsätzlich ein Anspruch auf Ersatz der notwendigen Kosten bestehen, sofern dieser Anspruch nicht vorab ausgeschlossen wurde. Die WKO weist darauf hin, dass es keine ausdrückliche gesetzliche Regelung gibt, die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs aber einen Ersatzanspruch bei ausdrücklicher Einladung anerkennt.

Wann besteht kein Anspruch?
Kein Anspruch auf Kostenersatz besteht typischerweise dann, wenn sich Bewerbende ohne vorherige Einladung vorstellen, etwa aufgrund einer Annonce, eines Inserats oder auf einer Messe. Auch bei Video-Interviews fallen keine klassischen Vorstellungskosten wie Reise- oder Übernachtungskosten an.

Kann der Arbeitgeber den Ersatz ausschließen?
Ja. Der Arbeitgeber kann den Ersatz der Vorstellungskosten ganz oder teilweise vorab ausschließen, etwa bereits im Inserat oder in der Einladung. Bewerbende sollten daher sowohl das Stelleninserat als auch die Einladung sorgfältig lesen. Steht dort ein klarer Kostenausschluss, besteht in der Regel kein Anspruch auf Erstattung.

3. Vermittlungskosten

Ein weiteres Thema sind die Kosten privater Arbeitsvermittler*innen, Personalberater*innen oder Agenturen. In Österreich ist die Vermittlung für Arbeitnehmer*innen und Bewerber*innen grundsätzlich kostenlos; entgeltlich ist sie nur gegenüber den Betrieben. Das bedeutet: Wenn eine private Vermittlungsagentur von Arbeitsuchenden Geld verlangt, ist das in regulären Fällen nicht zulässig.

Ausnahmen gibt es nur in einem eng begrenzten Bereich, etwa bei erfolgreicher Vermittlung von Künstler*innen sowie von Sportler*innen. Private Arbeitsvermittler*innen unterliegen zudem behördlicher Kontrolle; bei Verstößen sind Verwaltungsstrafen möglich. Wer für eine reguläre Stellenvermittlung zur Kasse gebeten wird, sollte dies – zumindest in Österreich – dokumentieren und zur Anzeige bringen.

Kosten beim Vorstellungsgespräch, besser vorher abklären

4. Praktische Tipps

Kosten vorab klären: Wenn ein Gespräch mit langer Anreise oder Übernachtung verbunden ist, sollte man vorab freundlich fragen, ob und in welchem Umfang Kosten ersetzt werden. Das ist professionell und üblich.

Einladung aufbewahren: Die Einladung zum Vorstellungsgespräch sollte aufbewahrt werden, weil daraus hervorgehen kann, ob ausdrücklich eingeladen wurde und ob ein Kostenausschluss erwähnt ist.

Belege sammeln: Fahrkarten, Tankbelege und Hotelrechnungen sollten aufgehoben werden, damit ein möglicher Anspruch belegt werden kann.

Vorsicht bei unseriösen Angeboten: Wenn eine Vermittlungsagentur für reguläre Vermittlungsleistungen Geld verlangt, ist das ein Warnsignal.

AMS nutzen: Das Arbeitsmarktservice (AMS) bietet für arbeitssuchend gemeldete Personen eine sogenannte Vorstellungsbeihilfe an. LINK

Bewerbungskosten von der Steuer absetzen: Bewerbungskosten gelten unter bestimmten Bedingungen als Werbungskosten. (LINK)


Fazit

Eine Bewerbung ist nie ganz kostenlos – aber das Recht schützt Bewerber*innen in bestimmten Situationen. Wer ausdrücklich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat grundsätzlich Anspruch auf Ersatz der anfallenden Fahrt- und Übernachtungskosten, sofern der/die Arbeitgeber*in diesen Anspruch nicht vorab schriftlich ausgeschlossen hat. Aber klären Sie es vorher ab, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Zudem ist die Arbeitsvermittlung durch Agenturen für Arbeitnehmer*innen per Gesetz für Bewerbende kostenlos.


Quellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert