Worst of Stelleninserate Juni 2026: Vorarlberger Fische und der Hobbykoch

Worst of Stelleninserate

Auch wenn die Temperaturen für Juni schon sehr heiß sind und Hitze sowie die Fußballweltmeisterschaft in Österreich für einen ruhigeren Betrieb sorgen, kann der Juni nicht ohne eine weitere Ausgabe der beliebten Serie: „Worst of Stelleninserate“ enden. Auch im Juni lässt es sich die JOBBERIE nicht nehmen, Tipps und Tricks für bessere Stelleninserate zu präsentieren.

Zugegeben: Der Titel der Rubrik ist pointiert, vielleicht eine Spur zu reißerisch, aber es geht um etwas Wichtiges. „Worst of Stelleninserate“ soll anhand von konkreten Beispielen aus realen österreichischen Stellenanzeigen illustrieren, wie Fehler vermieden und der Inhalt ihrer Anzeige verbessert werden kann. Wie immer beginnen wir mit Platz 3.

Worst of Stelleninserate Platz 3

Platz 3: Vorarlberger Fische

Die Stellenanzeigenreise beginnt im Juni 2026 im westlichsten Bundesland Österreichs. Eine lokale Fischzucht sucht eine:n Mitarbeiter:in für die Aufzucht von Fischen. Das Inserat ist gut geschrieben, ausführlich und klar. Die Gmail-Adresse als Kontaktmöglichkeit ist verschmerzbar, da bei kleinen Unternehmen ohne eigene Webseite immer wieder auf solche E-Mail-Adressen setzen und ihre gesamte Kommunikation über ein und dieselbe Adresse abwickeln. Das ist nicht optimal. Eine eigene E-Mail-Adresse für den Bewerbungsprozess ist daher eine nachdrückliche Empfehlung, damit keine Bewerbungen verloren gehen, das Absagemanagement sauber gehalten werden kann u.v.m.

Die Angabe des Nettogehalts – mehr dazu unter dem Link – ist eher unüblich, jedoch nicht unzulässig. Zudem werden die Aufgaben und das Profil gut besprochen und klar dargestellt. Allerdings ist das Inserat so geschrieben, dass – trotz eines Hinweises auf unterschiedliche Geschlechter – vor dem Auge der Bewerber:innen das klare Bild eines männlichen Mitarbeiters entsteht. „Zuverlässigkeit“ in Kombination mit „körperliche Fitness“ und „Tatkraft“ sind Charakterisierungen, die insgesamt deutlich männlich konnotiert sind. Diesen Befund liefert nicht nur mein persönliches Sprachgefühl, sondern auch der Genderdecoder der TUM. Er ist ein hilfreiches Tool, wenn Stelleninserate möglichst geschlechtsneutral ausgeschrieben werden sollen – und damit ist nicht nur das Gendern der Positionsbezeichnung gemeint.

Ein weiteres spannendes Indiz: Offenbar rechnet der Dienstgeber nicht mit Bewerber:innen aus Österreich. Der direkte Hinweis auf EU-Bürger:innen mit „Deutschkenntnissen“, die „für die Verständigung im Arbeitsalltag“ reichen ist überaus klar und deutlich. Er bestätigt, dass das Unternehmen ein sehr klares Bild von den gesuchten Mitarbeitenden hat.

Zusammengefasst: Das Inserat hat keine direkten Fehler. Es ist sogar sehr gut geschrieben, da sich das Bild, das der:die Dienstgeber:in von seinem zukünftigen Mitarbeiter hat, klar im Inserat manifestiert. Das ist etwas, das wir in vielen generischen Inseraten nicht im Ansatz finden. Gesucht wird eine Person: Männlich, EU-Ausland – wahrscheinlich Südosteuropa – für die Position angemessene Deutschkenntnisse, kräftig, naturliebend, wetterfest. Es ist ein wunderbares Beispiel, dass es alles andere als gleichgültig ist, welche charakterisierenden Beiwörter genutzt werden. Gerade Adjektive, Attribute und Adverben zeigen sehr deutlich, an welches Geschlecht bei der Erstellung des Inserats gedacht wurde.

Worst of Stellensinerate platz 2

Platz 2: Der Platztransporteur

Wir bleiben beim Thema Diversität. Oder besser gesagt: vermeintlicher Diversität. Das zweite Inserat setzt in der Überschrift auf das generische Maskulinum und benutzt die männliche Form „Platztransporeur“ ohne Gendermarkierung. In der ersten Zeile bezieht sich das Inserat auf zwei Geschlechter (männlich, weiblich). Das Originalzitat lautet: „Die Platztransporteurin bzw. der Platztransporteur ist für die innerbetrieblichen Materialbewegungen verantwortlich“.

Die Methode, in der Überschrift eine männliche Bezeichnung zu wählen und die geschlechtsspezifischen Bezeichnungen im Text zu verstecken oder sehr klein als (m/d/w) irgendwo am Rand zu platzieren, ist ein beliebter Trick um zu kaschieren, dass das Inserat sich explizit – wie in diesem Fall – an männliche Bewerber richtet. Bei Zeitarbeitsfirmen findet man dies immer wieder, aber auch bei KMUs.

Personaldienstleister:innen und/oder Personalberatungen sollten auf Inserate, die versteckte Hinweise auf das zu besetzende Geschlecht geben, verzichten. Gerade Unternehmen, deren Geschäftsmodell die Personalbereitstellung oder die Rekrutierung von passgenauen Kandidat:innen ist, sollte besonders sorgfältig Inserate verfassen. Schließlich ist genau das ihre Expertise. In unserer Facebookgruppe begegnen uns immer wieder Inserate von Zeitarbeitsfirmen, die in diese Richtung arbeiten. Das ist schädlich für die Branche und für alle, die mit Personal zu tun haben. Aus diesem Grund ist die JOBBERIE in der eigenen Facebookgruppe streng, was die inhaltliche Gestaltung von Inseraten durch Personalberatungen oder Zeitarbeitsfirmen betrifft.

Worst of Stelleninserate Platz 1

Platz 1: Der Hobbykoch

Der erste Platz geht zum wiederholten Mal an einen gastronomischen Betrieb. Die Reise führt uns diesmal ins schöne Niederösterreich südlich von Wien. Ein Lokal in einem Weinort sucht „zur Verstärkung des Teams in der Küche eine Küchenhilfe & Hobbykoch.“ Voraussetzung sei „Spaß und Freude am Kochen, bei flexibler und stundenweiser Arbeitseinteilung“. Der gesamte Inseratstext war auf einem Zettel, der in der Auslage des Gasthauses hing, zu lesen.

Weitere Informationen zur Stelle fehlten: Weder Angaben zum Dienstverhältnis, noch zum Aufgabengebietm weder ein Mindestgehalt, noch Anforderungen oder ein Aufgabengebiet. Diskriminierend ist das Inserat ebenfalls, da nur von einem Hobbykoch die Rede ist. Ein Hinweis auf eine mögliche Hobbyköchin fehlt zur Gänze.

Abgesehen von diesen Fakten: Welche Eigenschaften und Qualifikationen bringt ein Hobbykoch, der Spaß und Freude an der Arbeit hat, für das Unternehmen mit? Reicht es, dass er fertige Speisen auftauen und problemlos die Mikrowelle bedienen kann? Muss er Teller anrichten können oder sollen einfache Gerichte aus der Wiener Küche zubereitet werden? Reicht es, dass man eine Brettljause und einen Aufstrich anrichten kann? Fragen über Fragen.

Und schließlich: Man könnte ja auch Quereinsteiger:in mit Kochkenntnissen im Bereich XY schreiben. Das wäre präziser und würde vielleicht zu einem besseren Ergebnis führen. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass besagtes Gasthaus so verzweifelt auf der Suche nach einer Hilfskraft in der Küche ist, dass die Anforderungen mittlerweile auf den Standard eines „Hobbykochs“ gesunken sind…Und das soll nicht abwertend gegenüber all jenen sein, die gerne zu Hause kochen. Aber Hobbyköche sind selten in der Lage mehrere Speisen im A-la-carte-Betrieb zu bewältigen und in einer größeren Küche zu arbeiten. Auch fehlt meistens die notwendige Hygieneschulung etc.

Welche Dinge sind Ihnen in Stelleninseraten aufgefallen? Welche sollten unbedingt in dieser Rubrik besprochen werden? Oder haben Sie allgemeine Fragen zur Erstellung von Stelleninseraten? Die JOBBERIE freut sich schon auf Ihre Hinweise und Fragen…


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