Im Juni 2026 soll die Entgelttransparenzrichtlinie der Europäischen Union in nationales Recht umgesetzt werden. In Österreich gelten schon jetzt Gesetze, die eine weitgehende Gehaltstransparenz ermöglichen sollen. Die österreichische Wirtschaftskammer stellt klar: „Seit 1. März 2011 sind in Stelleninseraten verpflichtend Angaben zum Mindestentgelt zu machen. Diese Verpflichtung trifft
- Arbeitgeber:innen,
- private Arbeitsvermittler:innen und
- mit der Arbeitsvermittlung betraute juristische Personen öffentlichen Rechts.
Der persönliche Geltungsbereich des anzuwendenden Kollektivvertrags bestimmt die betroffenen Arbeitsplätze und das damit einhergehende Mindestentgelt.“ (Quelle). Darüber hinaus ist es seit 1.8.2013 auch für alle Unternehmen Pflicht Angaben zu Mindestentgelten zu machen, für die kein Kollektivvertrag oder eine andere lohngestaltende Vorschrift anwendbar sind. Es ist in diesem spezifischen Fall, der selten vorkommt, da die KV-Dichte in Österreich bei 98 Prozent dient, jenes Entgelt anzugeben, das als Mindestgrundlage für die Arbeitsvertragsverhandlungen dienen soll.
Würde diesem Gesetz zur Gänze Folge geleistet werden, müssten nahezu alle Stelleninserate mit einem Mindesgehalt versehen werden. Daher zog die „JOBBERIE“ die Frage einem Realitätscheck.
Zwei vergleichsweise Berufsbilder im Check
Die „JOBBERIE – Jobs und mehr“ hat sich zwei Berufsbilder angesehen, die Inserate in einer Metajobplattform auflisten lassen. Mit einem Scrapertool wurden die Inserate durchsucht.
Im Zentrum des Interesses stehen zwei gleichwertige Berufe: Einerseits wurde die KFZ-Technik ausgewählt, zum anderen der Bereich Frisör*in. Beide Berufe sind Lehrberufe, beide Berufe sind eindeutig umrissen (auch von der Berufsbezeichung) und beide Berufe liegen jeweils auf Platz 3 in der Lehrlingsberufswahl 2025. Die KFZ-Technikausbildung ist die drittbeliebteste Ausbildung bei Jungen, das Friseurhandwerk die drittbeliebteste Beruf bei Mädchen. Die Erhebungen stammen aus der WKO-Lehrlingsstatistik 2025 . Ferner sind beide Berufe klar tariflich geregelt. Hier gibt es keine Sonderverträge. Zudem verdienen Friseurr:innen in einem klassische Mädchen- und Frauenberuf deutlich weniger als KFZ-Techniker:innen, was dazu führen könnte, dass bei den Friseur:innen noch mehr Jobs ohne Gehalt ausgeschrieben werden.
| Mädchen | Burschen | ||||
| Lehrberuf | Lehrlinge | Anteil weibliche Lehrlinge insgesamt in % | Lehrberuf | Lehrlinge | Anteil männliche Lehrlinge insgesamt in % |
| Einzelhandel | 5.514 | 16,8 | Elektrotechnik | 9.030 | 12,9 |
| Bürokauffrau | 3.043 | 9,3 | Metalltechnik | 8.407 | 12,0 |
| Friseurin (Stylistin) | 1.979 | 6,0 | Kraftfahrzeugtechnik | 7.605 | 10,9 |
Man kann der Statistik auch entnehmen, dass deutlich mehr KFZ-Techniker:innen als Friseur:innen ausgebildet werden. Dies bestätigt auch die Anzahl der gefundenen Stellen, für die das Portal www.metajob.at als Datenlieferant dient. Der genutzte Datensatz ist insofern nicht ganz sauber, dass z.B. Doppel- oder Mehrfachnennung des selben Inserats möglich waren, auch wurde keine Gewichtung der ausschreibenden Unternehmen genommen und auch nicht zwischen Ausbildungsstelle oder Fachstelle unterschieden.
Die KFZ-Techniker:innen
Es wurden alle Datensätze unter dem Stichtwort KFZ-Technik aufgerufen. 584 Datensätze wurden vollständig verarbeitet. Hier die Zusammenfassung:
Ergebnisse nach Bundesland:
| # | Bundesland | Mit Gehalt | Ohne Gehalt | Gesamt | Transparenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Oberösterreich | 96 | 46 | 142 | 68% |
| 2 | Niederösterreich | 81 | 35 | 116 | 70% |
| 3 | Steiermark | 72 | 22 | 94 | 77% |
| 4 | Tirol | 33 | 32 | 65 | 51% |
| 5 | Wien | 49 | 11 | 60 | 82% |
| 6 | Salzburg | 35 | 12 | 47 | 74% |
| 7 | Kärnten | 23 | 3 | 26 | 88% |
| 8 | Vorarlberg | 13 | 11 | 24 | 54% |
| 9 | Burgenland | 6 | 6 | 12 | 50% |
| – | Unbekannt (AT allg.) | 2 | 0 | 2 | 100% |
| – | Österreich gesamt | 410 | 178 | 588* | 70% |
*Die Originaldatei enthält 584 Einträge — 4 Ausschreibungen umfassen mehrere Bundesländer gleichzeitig (z.B. „Asten, Klagenfurt, Steyr, Villach, Wels“) und wurden in jedem betroffenen Bundesland mitgezählt, daher Summe 588.
Dei folgende Grafik illustriert die Aufschlüsselung nach Bundesländern und Prozenten. Ein wirkliches Bundeslandgefälle lässt sich nicht beobachten. Im Burgendland wäre es 50/50, obwohl gerade einmal sechs Stellenangebote dem Burgenland zugewiesen wurden. Auch im Vorarlberg haben wir eine fast identische Anzahl an Inseraten mit oder ohne Gehaltsanhabe. Daher ist der Bundesländervergleich nicht für alle gelisteten Bundesländer aussagekräftig. Allerdings ist der Schnitt doch aussagekräftigt. In 30,3 Prozent der ausgeschriebenen Stellen fehlt die Angabe eines Mindestgehaltes vollkommen.

Die Friseur:innen
Es wurden deutlich weniger Stelleninserate ausgelesen als bei den KFZ-Techniker:innen. Das scheint nur natürlich: Denn wenn in einem Beruf deutlich weniger ausgebildet wird, sind auch weniger Fachkräfte vorhanden. Das spiegelt sich u.a. auch in der Anzahl der ausschriebenen Stellen wider.
Österreich (177 Jobs):
| # | Bundesland | Mit Gehalt | Ohne Gehalt | Gesamt | Transparenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Oberösterreich | 20 | 16 | 36 | 56% |
| 2 | Wien | 20 | 14 | 34 | 59% |
| 3 | Niederösterreich | 11 | 19 | 30 | 37% |
| 4 | Steiermark | 11 | 11 | 22 | 50% |
| 5 | Salzburg | 11 | 8 | 19 | 58% |
| 6 | Tirol | 8 | 6 | 14 | 57% |
| 7 | Kärnten | 5 | 5 | 10 | 50% |
| 8 | Vorarlberg | 4 | 4 | 8 | 50% |
| 9 | Burgenland | 2 | 2 | 4 | 50% |
| – | Österreich gesamt | 92 | 85 | 177 | 52% |
| – | Ausland (DE) | 4 | 9 | 13 | 31% |
Auch hier ist auffällig, dass im Burgenland und im Vorarlberg die wenigsten Stellenausgeschrieben sind. Weiters spannend im Vergleich zu den KFZ-Techniker:innen: Die Gehaltstransparenz ist bei Friseur:innen deutlich niedriger — nur 52 % der AT-Stellen haben eine Gehaltsangabe (vs. ~69 % bei KFZ). Niederösterreich fällt besonders auf mit nur 37 % Transparenz. Somit erhärtet sich der Verdacht, dass niedrige Kollektivverträge öfters kein Gehalt ausschreiben. Aber natürlich ist das Datenmaterial nur eine Momentaufnahme.
Die 13 Auslandsinserate (Deutschland) wurden separat erfasst und nicht in der Bundeslandauswertung gezählt.

Warum sind die Ergebnisse so ernüchternd…
Die KFZ-Techniker:innen düften etwa im österreichischen Schnitt liegen, der laut eines Beitrags auf der JOBBERIE 2023 bei ungefähr bei 70 Prozent lag. Bei den Friseur*innen liegt der Ausschreibungsgrad bei knapp 52 Prozent. Dies mag natürlich an den vergleichsweise niedrigen Mindestgehältern im KV liegen. Unternehmer*innen verweisen jedoch auch gerne auf Gehaltsschemen und individuelle Verhandlungen und wollen somit lieber keine Gehaltsangaben machen. Vornehmlich bei Führungspositioen etwa auf Vorstandsebene ist dies sogar zulässig.
Auch kommt es vor, dass vornehmlich deutsche Unternehmen für die in Österreich ausgeschriebenen Tochterunternehmen keine Entgeltangaben machen, weil das bis dato in Deutschland noch sehr oft so gelebt wird. Auch hier kommt es vor, dass jeglicher Hinweis auf das Entgelt fehlt. Liegt der Arbeitsplatz außerhalb Österreichs, gilt das österreichische GlBG nicht, sofern der Arbeitsort nicht im österreichischen Bundesgebiet liegt.
Mit 07. Juni 2026soll die Entgelttransparenzrichtlinie in Kraft treten. Das zuständige Ministerium arbeitet dem Einvernehmen nach an einem Gesetzesentwurf, der die EU-Richtlinie in ein nationales Gesetz umwandelt. Spannend wird sein, ob die Erfahrungen, die seit 2011 bwz. 2013 mit dem Gleichbehandlungsgesetz und Stellenausschreibungen gemacht wurden, in den neuen Gesetzesentwurf einfließen.

