(Update 01. Mai 2026) – Der 1. Mai hat in Österreich eine lange und wechselvolle Geschichte. Ursprünglich war dieser Tag im Mittelalter ein kirchlicher Feiertag und ein traditionelles Frühlingsfest. Auch heute noch gibt es vor allem im ländlichen Raum zahlreiche Maifeiern. Bei diesen Feiern wird der Maibaum aufgestellt. Er soll darauf hinweisen, dass die fruchtbare Zeit des Jahres begonnen hat. Er soll seine segensbringende Wirkung auf Mensch, Vieh, Häuser und Felder ausbreiten.
Tag der Arbeit – historisch
1. Mai 1890 in Österreich: Zum ersten Mal fanden in Österreich große Demonstrationen für bessere Arbeitsbedingungen statt, inspiriert vom Beschluss der Zweiten Internationale in Paris 1889. In Wien demonstrierten damals Zehntausende friedlich für die Rechte der Arbeiter*innen. 1890 mussten sich Arbeiter*innen noch freinehmen, um an den Demonstrationen teilnehmen zu können, was zu Konflikten am Arbeitsplatz führte.
Adelheid Popp schrieb in „Jugend einer Arbeiterin“:
Am 1. Mai, als ich in meinem Sonntagskleid zur Fabrik ging, sah ich schon Tausende von Menschen mit dem Maizeichen geschmückt in die Versammlungen eilen. Auch mein Bruder und sein Freund gehörten zu den Glücklichen, die feiern durften.
Ich weiß nicht, welchen Schmerz ich mit jenem vergleichen könnte, der den ganzen 1. Mai nicht von mir wich. Wie wartete ich immer, daß die Sozialdemokraten kommen und uns im Sturme aus der Fabrik holen würden! Ich freute mich darauf, die anderen fürchteten sich. Die Holzläden vor den Fenstern durften den ganzen Tag nicht geöffnet werden, damit man nicht mit Steinen die Fenster einschlagen könnte. Bei der nächsten Lohnauszahlung bekam jeder Arbeiter, jede Arbeiterin ein gedrucktes Formular, auf dem zu lesen war: „ In Anerkennung für die Pflichttreue meines Personals am 1. Mai erhält jeder Arbeiter zwei Gulden, jede Arbeiterin einen Gulden Belohnung.“ Ich trug meinen Gulden, den ich dem Unternehmer am liebsten vor die Füße geworfen hätte, in die Redaktion für den „ Fonds der Gemaßregelten vom 1. Mai“ (Quelle)
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der 1. Mai 1919 in der Ersten Republik per Gesetz zum „allgemeinen Ruhe- und Festtag“ erklärt und ist seit 1949 als Staatsfeiertag gesetzlich verankert. Während des Austrofaschismus und der NS-Zeit wurde der Tag politisch umgedeutet oder abgeschafft, aber nach 1945 wieder als Tag der Arbeit eingeführt und ist bis heute ein Symboltag der Arbeitnehmer*innen.
Forderungen in der Vergangenheit
Die zentralen Forderungen der ersten Mai-Demonstrationen waren:
- Verkürzung der Arbeitszeit (insbesondere der Achtstundentag)
- Bessere Arbeitsbedingungen
- Höhere Löhne
- Politische und soziale Rechte für Arbeiter*innen, wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit
Im Laufe der Jahrzehnte kamen weitere Anliegen hinzu, wie das Frauenwahlrecht, soziale Absicherung, Mitbestimmung im Betrieb und der Ausbau des Sozialstaats.
Aktuelle Forderungen
Die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften und der Arbeitnehmer*innenorganisationen am 1. Mai 2025 in Österreich konzentrieren sich auf:
- Nachhaltige Lohn- und Gehaltserhöhungen, um die Kaufkraft zu sichern (z.B. 2,65 % bis 3 % mehr Lohn in verschiedenen Branchen. Derzeit werden ja wieder einige Kollektivverträge verhandelt.
- Verbesserungen bei der Altersvorsorge und den Pensionskassen
- Leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche und Weiterführung der Freizeitoption
- Maßnahmen gegen die Teuerung (Inflation), leistbares Wohnen (Mietpreisdeckel), eine gerechte Steuerpolitik und soziale Sicherheit
- Teilweise wird auch die 4-Tage-Woche (bei vollem Lohnausgleich) gefordert.
- Aber auch Belange des Umweltschutzes finden immer mehr Beachtung.
Wenn man die Forderungen zum 1. Mai 2026 in Österreich auf einen Satz bringt, dann lautete er: mehr Lohn, weniger Teuerung, mehr soziale Absicherung und weniger Kürzungen.
In den letzten Jahr(zehnt)en ist der Demonstrationscharakter und die politische Note des „1. Mai“ weniger geworden. Die Bedeutung als Kampftag hat definitiv abgenommen, doch aktuelle soziale und wirtschaftliche Herausforderungen verleihen dem Tag weiterhin Relevanz.
30. April – Tag der Arbeitslosen
Es gibt zwar keinen offiziell anerkannten oder international etablierten „Tag der Arbeitslosen“ im gleichen Sinne wie den Tag der Arbeit am 1. Mai. Allerdings begehen etliche Organisationen in Österreich am 30. April den „Tag der Arbeitslosen“. Er soll auf die Situation und Bedürfnisse von arbeitssuchenden Menschen aufmerksam machen. Eine der ersten Organisationen, die den „Tag der Arbeitslosen“ ausriefen, waren die „Grünen“ zu Beginn der 2000er Jahre.
Heute sind es mehrere Vereine, Organisationen und Parteien, die sich am „Tag der Arbeitslosen“ dem Themenkomplex Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarktpolitik, Armut und Solidarität widmen. Ziel ist, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Vorurteile zu überwinden, Einblicke in die Lebensrealität von erwerbs-arbeitslosen Menschen zu geben und auch politische Forderungen zu stellen.
30. April – Tag der Arbeitgeber*innen
Die Wirtschaftskammer Kärnten hat sogar eine eigene Webseite eingerichtet, um den „Tag der Arbeitgeber“ zu begehen. Die Initiatoren, insbesondere die Wirtschaftskammer, wollen damit hervorheben, dass ohne Arbeitgeber*innen keine Arbeitsplätze, kein Wohlstand und letztlich auch kein arbeitsfreier „Tag der Arbeit“ möglich wären. Es handelt sich um eine Marketingaktion der Arbeitgeber*innenverbände um ein Gegengewicht zu den Aktionstagen „Tag der Arbeitslosen“ und dem „Tag der Arbeit“ zu setzen. Die WK rief am 30. April 2013 zum „Tag der Arbeitgeber“ zum ersten Mal auf. (Quelle)
Auch die Industriellenvereinigung schließt sich dem „Tag der Arbeitgeber“ an. In einer Presseaussendung der IV heißt es:
„Anlässlich des „Tags der Arbeitgeber“ am 30. April unterstreicht die Industriellenvereinigung (IV) die zentrale Rolle der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber für Wohlstand, Innovation und sozialen Zusammenhalt in Österreich. „Sie tragen tagtäglich eine große Verantwortung für rund 4,2 Millionen Beschäftigte – für die wirtschaftliche Stärke in unserem Land und die Zukunftschancen in unserer Gesellschaft“, so Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung.“ (Quelle)
Stichwort Marketing: Stepstone setzt auf den „Tag des Arbeitgeberwechsels“
Auf den ersten Blick wirkt die Kampagne „Tag des Arbeitgeberwechsels“ rund um den 1. Mai 2025 etwas aufgesetzt. Laut Presseaussendung setzte die Kampagne auf eine klare Botschaft:
„Wer unzufrieden ist, sich jeden Tag zur Arbeit schleppt oder nur noch Dienst nach Vorschrift macht, sollte wissen – es muss nicht so bleiben. Mit passenden Headlines wie „Zeit für deinen nächsten Boss Move”, „Auch Arbeitstiere haben Menschenrechte”, „Morgen sieht die Geld schon ganz anders aus”, oder – passend am Maifeiertag „Tag der Arbeitgeberwechsel”, ermutigt die Kampagne dazu, Routinen zu hinterfragen und macht klar: Ein Jobwechsel kann der erste Schritt zu mehr Motivation, besseren Arbeitsbedingungen und echter beruflicher Erfüllung sein.“ (Quelle)


Eine Petition: Initiative Österreich 2040 – 10 % Flattax auf Überstunden
Pünktlich zum 01. Mai 2026 wird zu einer Petition einer Initiative Österreich 2040 aufgerufen. Gefordert wir eine 10-%-FlatTax auf Überstunden. Die Presseaussendung wurde am 29.04.2026 veröffentlicht, richtet sich an die österreichische Bundesregierung und bewirbt eine Petition, die ab 01.05.2026 unterstützt werden kann. LINK
Was gefordert wird
Die Initiative fordert eine FlatTax von 10 Prozent auf Überstunden, gültig für bis zu 20 Überstunden pro Monat; die Zuschläge innerhalb dieses Rahmens sollen steuerfrei sein. Auf der Petitionsseite wird das als „Die einfache, klare und faire Lösung“ beschrieben und mit dem Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ verbunden. Laut Aussendung soll die Reform Mehrarbeit wieder attraktiver machen, weil hohe Abgaben derzeit zusätzliche Leistung bremsen. Die Initiator*innen argumentieren, dass Vollzeitbeschäftigte ihren Beitrag zum Sozialstaat geleistet hätten und für darüber hinausgehende Arbeit mehr behalten dürfen sollten.
Wer dahintersteht
Hinter der Initiative steht die „Familienbetriebe – Initiative für Österreich GmbH“ mit Sitz in Wien; im Impressum werden Richard Mauerlechner und Thomas Perdolt als Geschäftsführer genannt. Alle handelnden Personen sind im Umfeld des „Weekend-Magazins“ zu finden. Zudem will man weg von der „Teilzeitrepublik“, Rechsbereinigung und einen modernen gesetzlichen Rahmen, Billigimporte sollen besteuert werden und es wird eine verstärkte Finanzbildung gefordert. Auch propagiert die Initiative einen Austrian Familiy Business Summit am 25. Juni 2026 in Linz. Ähnliche Themen finden wir stark bei der Wirtschaftskammer, der Agenda Austria und ähnlichen Playern.
Kontext zur aktuellen Rechtslage
Die Forderung geht deutlich über die bereits beschlossene Regelung für 2026 hinaus: Zuschläge für bis zu 15 Überstunden pro Monat und maximal 170 Euro im Jahr 2026 steuerfrei bleiben. Ab 2027 soll diese Begünstigung laut den aktuellen Plänen wieder auf 10 Überstunden pro Monat und maximal 120 Euro sinken.
Der „Tag der Arbeit“ wird mittlerweile von mehr als einer Seite beansprucht und als Aktionstag genutzt, um Interessenspolitik zu machen. Aber was bedeutet der „Tag der Arbeit“ für Sie? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar.

