Die Arbeitswelt in Österreich befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – und vor allem die Generation Z sowie Millennials treiben diesen aktiv voran. Die Deloitte Global Gen Z and Millennial Survey 2026 zeigt, dass junge Menschen Job und Ausbildung heute deutlich bewusster, strategischer und langfristiger denken als frühere Generationen. Anstelle klassischer Karrierepfade mit klarer Aufstiegslogik rücken Stabilität, persönliche Entwicklung und Sinn stärker in den Fokus.
Mit dem Global Gen Z & Millennial Survey erhebt Deloitte die Stimmungslage junger Menschen im Arbeitskontext. In diesem Jahr wurden über 22.500 Personen aus 44 Ländern befragt – darunter auch 300 Angehörige der Gen Z (Jahrgänge 1995 bis 2007) und 200 Millennials (Jahrgänge 1983 bis 1994) aus Österreich.

Ein Blick auf die Bildungswege macht deutlich, dass sich das Verständnis von Ausbildung verbreitert hat. Zwar spielt akademische Bildung nach wie vor eine wichtige Rolle – etwa 44 % der Gen Z in Österreich verfügen bereits über einen Universitätsabschluss – doch gleichzeitig setzen viele bewusst auf praxisorientierte Alternativen. Rund 42 % verfolgen oder haben eine berufliche Ausbildung wie eine Lehre abgeschlossen. Auch bei Millennials zeigt sich dieses gemischte Bild: Hochschul- und Berufsbildung stehen nebeneinander und werden gleichermaßen als valide Wege wahrgenommen. Das unterstreicht die anhaltende Stärke des dualen Ausbildungssystems und zeigt, dass Karriere längst nicht mehr ausschließlich über akademische Titel definiert wird. In einem Punkt unterscheiden sich Millenials und Gen Z stark: Jene, die noch studieren, werden bei den Gen Z auf 20 Prozent eingestuft und bei dem Millenials lediglich auf 4 Prozent. Das hat eine Alterskomponente: Millennials sind einfach älter. Sie wurden ca. zwischen 1981–1996 geboren, während jene der Generation Z zirka zwischen 1997 und 2012 geboren werden.
Finanzielle Unsicherheit ein Thema mit Auswirkungen
Trotz guter Integration in den Arbeitsmarkt – rund zwei Drittel der Gen Z und fast drei Viertel der Millennials arbeiten Vollzeit – ist finanzielle Unsicherheit ein zentrales Thema. Mehr als die Hälfte der jungen Generation in Österreich gibt an, wichtige Lebensentscheidungen aufgrund ihrer finanziellen Situation aufzuschieben. Diese Unsicherheit beeinflusst auch berufliche Entscheidungen: Jobwechsel, Weiterbildung oder langfristige Karriereplanung werden stärker abgewogen, Risiken eher vermieden. Arbeit wird somit nicht nur als Einkommensquelle gesehen, sondern auch als Stabilitätsfaktor in einem unsicheren Umfeld.
„Die angespannte finanzielle Lage beeinflusst längst nicht mehr nur den Alltag, sondern zunehmend auch zentrale Zukunftsentscheidungen. Rund jeder zweite junge Mensch in Österreich verschiebt wichtige Schritte in der Lebensplanung und lebt von Monat zu Monat – Weiterbildung, berufliche Entwicklung oder die Familienplanung werden auf die lange Bank geschoben“, erklärt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich. (Quelle)
Diese Entwicklung spiegelt sich klar in den Karrierezielen wider. Während frühere Generationen häufig auf schnellen Aufstieg und Status fokussiert waren, legen junge Arbeitnehmer:innen heute eher Wert auf Work-Life-Balance, Jobsicherheit und kontinuierliche Weiterbildung. Für Millennials kommt zusätzlich die finanzielle Unabhängigkeit als zentrales Ziel hinzu. Karriere wird damit weniger als Wettlauf verstanden, sondern als individuell gestaltbarer Prozess, der sich an persönlichen Lebensumständen orientiert.
Führungspositionen werden weniger wichtig
Auch das Thema Führung zeigt die beschriebene veränderte Haltung. Zwar können sich viele grundsätzlich vorstellen, später eine Führungsrolle zu übernehmen – etwa 68 % der Gen Z und 57 % der Millennials äußern entsprechendes Interesse – doch nur ein sehr kleiner Anteil betrachtet dies als primäres Karriereziel. Mit 10% der Gen Z und 8% der Millenials sehen Führung als primäres Karriereziel an.
Führung wird kritisch hinterfragt und mit möglichen Belastungen wie Stress oder hoher Verantwortung abgewogen. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen neue Anreize schaffen müssen, etwa durch bessere Unterstützung, klare Entwicklungspfade oder flexiblere Führungsmodelle.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist die veränderte Sicht auf Karriereverläufe. Lineare Aufstiege verlieren an Bedeutung, stattdessen setzen viele auf kontinuierlichen, aber moderaten Fortschritt. Auffällig ist die Bereitschaft, auch unkonventionelle Wege zu gehen: Viele würden bewusst einen Schritt zurück machen oder die Branche wechseln, um langfristig besser passende Rollen zu finden. Karriere wird damit zu einem dynamischen Prozess, der stärker von individuellen Zielen als von äußeren Erwartungen geprägt ist.
Weiterbildung als wichtiges Thema
Parallel dazu gewinnt das Thema Weiterbildung massiv an Bedeutung. Die Mehrheit der Befragten sieht kontinuierliches Lernen als entscheidenden Bestandteil ihrer Karriere. Besonders im Bereich neuer Technologien zeigt sich eine hohe Offenheit: Ein großer Teil der Gen Z und Millennials nutzt bereits künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag und fühlt sich im Umgang damit kompetent. Gleichzeitig bleibt ein deutlicher Bedarf an strukturierter Weiterbildung, da viele Organisationen noch nicht ausreichend in Trainings oder Integration von KI investieren. Neben technischen Fähigkeiten sind es vor allem soziale Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit oder Empathie, die als entscheidend für die Zukunft gelten.
KI ist gekommen um zu bleiben
65% der Gen Zs und 59% der Millennials in Österreich nutzen LLM / KI jeden Tag in der Arbeit. Dabei haben LLM und KI einen noch stärkeren positiven Einfluss auf den persönlichen Alltag der Gen Z und der Millenials. 77% der GenZ sehen einen positiven oder sehr positiven Einfluss von KI auf ihr persönliches Leben (beim Berufsleben sind es 71%). Bei den Millenials sinkt hier die Zustimmung geringfügig. 68% sehen einen positiven oder sehr positiven Einfluss auf das persönliche Leben (66% Berufsleben)
„AI-Tools sind bei den jungen Generationen zum täglichen Begleiter geworden, sei es privat oder im Beruf. Zwei Drittel geben an, bereits jetzt AI im Job effektiv einsetzen zu können – jeder Vierte sucht aktiv nach Weiterbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich. Die jungen Generationen blicken damit aktiv nach vorne und sehen kontinuierliche Weiterentwicklung als Grundvoraussetzung für ihren beruflichen Erfolg“, so Elisa Aichinger. (Quelle)
Insgesamt zeigt die Studie ein klares Bild: Junge Generationen in Österreich gestalten Arbeit und Ausbildung neu. Sie setzen weniger auf schnelle Erfolge und mehr auf nachhaltige, stabile und sinnvolle Karrierewege. Ausbildung wird vielfältiger, Karrieren verlaufen nicht mehr linear, und kontinuierliches Lernen wird zur Grundvoraussetzung. Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, flexiblere Modelle zu schaffen, die diesen veränderten Erwartungen gerecht werden.
Quelle:
Deloitte (2026): Deloitte Global Gen Z and Millennial Survey 2026 – Country Profile Austria

