Gesundheit am Arbeitsplatz: Warum viele Beschäftigte nicht glauben, bis zur Pension durchhalten zu können

Gesundheit am Arbeitsplatz: Warum viele Beschäftigte nicht glauben, bis zur Pension durchhalten zu können

Die Diskussionen um ein höheres Pensionsantrittsalter und der viel diskutierte Fachkräftemangel in einigen Branchen beschäftigen Unternehmen und Politik in ganz Österreich. Gleichzeitig zeigt eine relativ aktuelle IFES-Studie, die im Juni 2026 im Auftrag der GPA veröffentlicht wurde, ein oft unterschätztes Problem: Viele Arbeitnehmer:innen bezweifeln, dass sie ihren aktuellen Job bis zum Pensionsantritt ausüben können. Gesundheitliche Belastungen, Personalmangel und steigender Arbeitsdruck gefährden zunehmend die langfristige Beschäftigungsfähigkeit.

Arbeiten bis zur Pension: Für viele Beschäftigte keine Selbstverständlichkeit mehr

Die politische Debatte dreht sich häufig um ein höheres Pensionsantrittsalter. Die entscheidendere Frage lautet jedoch: Können Arbeitnehmer:innen unter den heutigen Arbeitsbedingungen überhaupt gesund bis zur Pension arbeiten?

Die Ergebnisse der IFES-Studie zeigen, dass viele Beschäftigte daran zweifeln direkt aus dem aktuellen Job in die Pension zu wechseln. Das reguläre Pensionsantrittsalter liegt bei 65 Jahren (Männer). Bei Frauen ist es ein wenig niedriger. Bis ins Jahr 2033 soll es auch bei Frauen kontinuierlich auf 65 Jahre angepasst werden. Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen oder dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen sehen ihre Chancen deutlich geringer, ihre aktuelle Tätigkeit bis zum Pensionsantritt fortführen zu können.

Chronische Erkrankungen nehmen zu: Gesundheit wird zum Karrierethema

Rund drei von zehn Arbeitnehmer:innen leben laut Studie mit einer dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung oder einer chronischen Erkrankung. Damit wird Gesundheit zu einem der wichtigsten Faktoren für die langfristige Erwerbsfähigkeit. Besonders relevant ist dabei, dass gesundheitliche Probleme nicht erst im höheren Alter entstehen. Viele Belastungen entwickeln sich über Jahre hinweg und werden durch ungünstige Arbeitsbedingungen verstärkt. Was stimmt ist, dass bei der Gruppe der über 50-Jährigen der Anteil auf 38 Prozent steigt, während in allen anderen Alterskohorten, der Anteil jener Personen, die über dauerhafte gesundheitliche Probleme klagen bei etwas plus / minus 30 Prozent liegt.

Der Schluss liegt nahe, dass wesentlich mehr Arbeiter:innen als Angestellte mit dauerhaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Dies ist jedoch nicht der Fall. 33 Prozent der Arbeiter:innen und 30 Prozent der Angestellten geben an, über dauerhafte gesundheitliche Probleme zu verfügen.

Aktionswoche: Gesundheit am Arbeitsplatz. Studie im Auftrag der GPA. WIEN, JUNI 2026. DR.IN EVA ZEGLOVITS

Belastungen von Arbeiter:innen und Angestellten sehr unterschiedlich.

Arbeiter:innen sind überdurchschnittlich häufig körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dazu zählen:

  • schwere Hebetätigkeiten
  • einseitige Bewegungsabläufe
  • Schichtarbeit
  • Arbeiten unter schwierigen Umweltbedingungen

Diese Belastungen führen häufig bereits in jüngeren Jahren zu gesundheitlichen Einschränkungen und erschweren das Arbeiten bis zur Pension. Psychische Belastungen nehmen bei Angestellten zu. Angestellte berichten häufiger von:

  • hohem Leistungsdruck
  • ständiger Erreichbarkeit
  • steigender Komplexität der Aufgaben
  • mentaler Überlastung

Arbeitsbelastung und Zeitdruck gefährden die Gesundheit

Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und subjektivem Gesundheitszustand.

Zu den größten Belastungsfaktoren zählen:

  • hoher Zeitdruck
  • steigende Arbeitsverdichtung
  • Personalmangel
  • mangelnde Erholungsphasen
  • unfaire Verteilung von Aufgaben
  • psychische Belastungen

Wer dauerhaft unter diesen Bedingungen arbeitet, trägt ein deutlich höheres Risiko für gesundheitliche Probleme und längere Krankenstände. Zusätzlich spielen weitere Faktoren wie Hitze und Lärm eine nicht unwesentliche Rolle. Die genannten Faktoren stehen bisweilen in einem kausalen Zusammenhang. Personalmangel hat natürlich Einfluss auf die Arbeitsverdichtung und den Zeitdruck der Belegschaft. Anders formuliert: Wo Stellen unbesetzt bleiben, müssen bestehende Teams zusätzliche Aufgaben übernehmen. Die Folgen sind:

  • steigende Arbeitsbelastung
  • mehr Überstunden
  • zunehmender Stress
  • höhere gesundheitliche Risiken
  • sinkende Motivation

Man könnte es auch auf die einfache Formel bringen: Der Fachkräftemangel wird damit selbst zu einem Gesundheitsrisiko für die vorhandene Belegschaft.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Mehr als Obstkorb und Fitnessangebot

Viele Unternehmen investieren mittlerweile in Gesundheitsprogramme. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass nachhaltige Gesundheitsförderung deutlich weiter gehen muss. Entscheidend ist dabei, dass Gesundheitsförderung Teil der Unternehmenskultur wird und nicht nur als Einzelmaßnahme verstanden wird. Auch individualisierte Angebote sind wichtig, denn so unterschiedlich die Mitarbeiter:innen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Bedürfnisse.

Wirksame direkte gesundheitsbezogene Maßnahmen sind vor allem:

  • ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Bewegungs- und Präventionsprogramme
  • psychologische Unterstützungsangebote
  • gesundheitsorientierte Führung
  • Maßnahmen zur Stressreduktion
  • flexible Arbeitszeitmodelle

Bis zur Pension arbeiten: Was Beschäftigte wirklich brauchen

Beschäftigte, die ein Durchhalten bis zur Pension für unwahrscheinlich halten, nennen vor allem strukturelle Verbesserungen als Lösung. Die Verantwortung liegt nicht bei den Beschäftigten, dass sie selbst für ihre Gesundheit sorgen (ausgewogenes Essen, Sport treiben, regelmäßige Gesundheitschecks). Die Verantwortung liegt eben nicht allein bei den Beschäftigten selbst, sondern ebenso bei Unternehmen und Führungskräften.

Besonders häufig werden gefordert:

  • ausreichend Personal
  • Reduktion der Arbeitsbelastung
  • bessere Arbeitsorganisation
  • längere Erholungszeiten
  • gesundheitsgerechte Arbeitsplätze
  • stärkere Unterstützung durch Arbeitgeber:innen

Gesunde Mitarbeiter:innen sind definitiv ein Wettbewerbsvorteil

Die Ergebnisse der IFES-Studie verdeutlichen: Gesundheit am Arbeitsplatz ist längst kein Sozialthema mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Wer Beschäftigte langfristig halten möchte, muss Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Arbeiten bis zur Pension ermöglichen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und alternden Belegschaften werden Unternehmen erfolgreich sein, die Gesundheit, Prävention und nachhaltige Arbeitsbedingungen als strategische Aufgabe verstehen.


Quellen

  • IFES – Institut für empirische Sozialforschung: Aktionswoche Gesundheit am Arbeitsplatz, Studie im Auftrag der GPA, Wien 2026. Befragung von 1.003 Arbeitnehmer:innen in Österreich, Erhebungszeitraum 22.04.2026 bis 12.05.2026. Studienleitung: Dr. Eva Zeglovits (IFES). LINK zum Paper.

Transparenzhinweis:

Artikel und Grafik wurden mit KI-Unterstützung erstellt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert