Arbeit auf Weltniveau: 48 junge Fachkräfte aus Österreich kämpfen bei der Berufs-WM in Shanghai um Gold

Österreichteam Worldskills 2026

Von Bäckerin bis Betonbauer: Beim größten Berufswettbewerb der Welt zeigt Team Austria, was Lehre und Fachausbildung leisten.

Es ist eine Weltmeisterschaft, bei der niemand einen Ball tritt oder für Höchstgeschwindigkeiten auf einer Aschenbahn sorgt. Hier werden Fliesen verlegt, Roboter programmiert, Torten kreiert und Wände verputzt. Vom 22. bis 27. September 2026 findet in Shanghai die 48. Berufs-WM „WorldSkills“ statt. Österreich schickt 48 junge Fachkräfte und damit das größte Team Europas zur WM. Weltweit ist es die siebtgrößte Delegation, größer sind nur die Teams aus China, Brasilien, Taiwan, Südkorea, Japan und Indien.

Seit 1958 ist Österreich Mitglied von WorldSkills International (WSI) und nimmt seit 1961 mit einem österreichischen Team bei den internationalen Berufsweltmeisterschaften teil.

Die WM der Berufe: Eckdaten

  • Ort: National Exhibition and Convention Center (NECC), Shanghai, einer der größten Messekomplexe der Welt (rund 500.000 m² Gesamtfläche, davon sind 100.000 m2 Outdoorflächen).
  • Termine: Eröffnungsfeier am 22. September um 14 Uhr, Wettbewerbe von 23. bis 26. September, Schlussfeier mit Medaillenvergabe am Sonntag, 27. September, ab 13 Uhr österreichischer Zeit. Beide Feiern werden live gestreamt.
  • Teilnehmer:innenfeld: mehr als 1.500 junge Fachkräfte aus 73 Ländern.
  • Disziplinen: 64 Berufe in sechs Kategorien, darunter Fertigung und Ingenieurwesen, IKT, Bau, Verkehr und Logistik, Kreative Kunst und Mode sowie soziale und personale Dienstleistungen. Sieben Bewerbe sind neu: Softwaretest, Intelligente Sicherheitstechnik, Schienenfahrzeugtechnik, Unbemannte Flugsysteme, Interaktives digitales Mediendesign, Zahnersatzherstellung und Retail Sales.
  • Ablauf: reine Praxisaufgaben ohne theoretische Prüfung, täglich rund sechs Stunden Arbeit unter realen Bedingungen.
  • Alter: In den meisten Bewerben dürfen die Teilnehmenden im Wettbewerbsjahr nicht älter als 22 werden, in einzelnen Disziplinen gilt eine Grenze von 25. Jede Person darf nur einmal bei den WorldSkills antreten und nur in einem Bewerb.
  • Für Besucher:innen: Der Eintritt zu den Wettbewerbsbereichen und den „Try-a-Skill“-Stationen ist frei. Die WorldSkills Expo (23.–26.9., rund 50.000 m²) bietet Mitmachstationen und Workshops. Die parallel stattfindende WorldSkills Conference (23.–25.9.) diskutiert Berufsbildung und die Zukunft der Arbeit.

Team Austria in Zahlen

Österreich tritt in 42 Berufen an, davon 36 Einzel- und 6 Teambewerbe. Alle Teams kommen aus den österreichischen Bundesländern, aufgeteilt nach der Zuordnung von SkillsAustria (Zahlen laut Teamtabelle):

BundeslandTeilnehmende
Niederösterreich9
Steiermark9
Vorarlberg8
Oberösterreich8
Wien6
Kärnten3
Salzburg2
Tirol2
Burgenland1

Das Team wird von 42 nationalen Expert:innen begleitet, Trainerinnen und Trainern aus Berufsschulen und Betrieben. Sie arbeiten ehrenamtlich. Die Expert:innen trainieren und coachen die Teilnehmer:innen sowohl in der Vorbereitung als auch während der Wettbewerbe.

Qualifiziert haben sich die Teilnehmenden über die Staatsmeisterschaften der Berufe (AustrianSkills) und nationale Auswahlverfahren. Zur Vorbereitung gab es Teamseminare, internationale Trainings und Testwettbewerbe. Die offizielle Verabschiedung fand Ende August 2026 in der WKÖ statt.

Die sechs Teambewerbe sind Betonbau, Autonomous Mobile Robotics, Robot System Integration, Gartengestaltung, Mechatronik und Digitale Produktionstechnik.

Wer in Shanghai antritt

Nach Wohn-Bundesland, mit Beruf bzw. Disziplin

  • Niederösterreich: Julian Gintner und Michael Pomassl (Betonbau), Jonas Baltuska (Optoelectronics), Christoph Schöndorfer (Elektronik), Christian Hiesberger (KFZ-Technik), Paul Meisterhofer (Bautischler), Benedikt Pritz (Schienenfahrzeugtechnik), Marcel Riener (Sanitär- und Heizungstechnik), Valentina Otzelberger (Konditorin)
  • Steiermark: Gabriel Aldrian und Kristijan Hrdzic (Robot System Integration), Konstantin Hauser und Marwin Kremser (Autonomous Mobile Robotic), Paul Bürki (Grafik Design), Julia Kaufmann (Mode Technologie), Jennifer Lueger (Bäckerin), Anna Tritscher (Retail Sales), Paul Zadravec (Speditionskaufmann)
  • Vorarlberg: René Bitschnau (Chemielabortechnik), Sandro Flatz (Maschinenbau CAD), Keanu Frick (Maschinenbautechnik / Industrietechnik), Janick Gehrer (Anlagenelektrik), Deniz Mutun (CNC Fräsen), Luca Ladler (Maler), Elena Mathis (Hotelrezeption), Simon Österle (Schweißen)
  • Oberösterreich: Andreas Landl (Fliesenleger), Fabian Spitzer (CNC Drehen), Hannes Sortsch (Koch), Sarah Schöftner (Restaurant Service), Jonas Danninger (Kälte- und Klimatechnik), Luca Reitböck (Zimmerer/Holzbau), Marcel Ortner und Simon Weiß (Gartengestaltung)
  • Wien: Felix Wollmann (Web Development), Abdulkadir Özen (Digital Construction), Tarik Begeta (IT Netzwerk- und Systemadministration), Raphael Beutel und Oliver Pape (Digitale Produktionstechnik), Jonas Leitner (Stuckateur und Trockenbau)
  • Kärnten: David Seidl und Paul Wohlesser (Mechatronik), Noah Trettenbrein (Hochbau/Maurer)
  • Salzburg: Julia Gschwandtner (Floristik), Bernhard Moser (Land- und Baumaschinentechnik)
  • Tirol: Angelina Rainer (Friseurin), Vincent Track (Verfahrens- und Prozesstechnik)
  • Burgenland: Elias Stephian (Möbeltischler)

Team Österreich 2026 vor dem Ablflug zu den World Skills in Shanghai. Credit: Skills Austria

Wo die Medaillenhoffnungen liegen

SkillsAustria und die WKO haben vorab herausgearbeitet, in welchen Berufen Österreich Erfolgsserien fortsetzen will und wo lange Durststrecken zu Ende gehen könnten.

Serien, die halten sollen

  • Betonbau: Seit 2015 gewann Österreich jeden WorldSkills- und EuroSkills-Bewerb im Betonbau, acht Großereignisse, acht Goldmedaillen. Diesmal gehen Julian Gintner und Michael Pomassl an den Start.
  • Floristik: Gold 2019, 2022 und 2024. Julia Gschwandtner kann den vierten Titel in Folge holen.
  • Malerei: Seit 2010 gab es bei jedem internationalen Großbewerb einen Podestplatz, insgesamt 15 Medaillen bei 20 Auftritten. Bei den letzten drei WorldSkills gab es Gold. Es tritt Luca Ladler an.
  • Fliesenleger: Die letzten vier internationalen Großbewerbe (WS 2022, ES 2023, WS 2024, ES 2025) gewann Österreich. Andreas Landl soll die Serie verlängern.
  • Hochbau: Seit 23 Jahren holte Österreich bei jeder Berufs-WM mindestens ein „Medallion for Excellence“. Noah Trettenbrein ist der erste Kärntner in diesem Bewerb.

Durststrecken, die enden könnten

  • Mode-Technologie: Seit mehr als 40 Jahren gab es kein WorldSkills-Gold, obwohl bei den EuroSkills 2021 und 2023 Gold geholt wurde. Julia Kaufmann will das ändern.
  • Friseur: Der letzte WorldSkills-Titel liegt im Jahr 1997. Angelina Rainer soll Österreich erstmals seit 1997 wieder eine WorldSkills-Medaille im Frisur-Bewerb bringen.
  • Restaurant Service: Die letzte WorldSkills-Goldmedaille für Oberösterreich stammt ebenfalls von 1997. Sarah Schöftner will die Pause beenden.
  • CNC-Drehen: Eine oberösterreichische Medaille gab es bisher nicht. Fabian Spitzer will das ändern.

Premieren und neue Berufe

Jennifer Lueger ist die erste steirische Bäckerin bei den WorldSkills. Das Vorarlberger Team ist mit acht Startenden das größte seit 23 Jahren. Österreich tritt in den Bereichen Schienenfahrzeugtechnik (Benedikt Pritz) und Retail Sales (Anna Tritscher) in zwei der neu zugelassenen Disziplinen an.

Österreichs Bilanz seit 1961

Seit dem ersten Start 1961 waren 689 Österreicherinnen und Österreicher in 649 Einzel- und Teambewerben im Einsatz.

Österreich zählt seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Nationen der Berufs-WM. Seit 1961 gewann Team Austria 237 Medaillen und stellte mehrfach die beste Nation des Bewerbs. Detailliert aufgeschlüsselt holten die österreichischen Teilnehmenden: 237 Medaillen (90 Gold, 69 Silber, 78 Bronze) und 251 „Medallions for Excellence“.

Österreich war mehrfach beste Nation der Welt (Amsterdam 1991, Lyon 1995, St. Gallen 1997, Montreal 1999) und dreimal beste EU-Nation (Leipzig 2013, São Paulo 2015, Kasan 2019). Bei der letzten WM 2024 in Lyon wurde Österreich Sechster im Nationenranking.

Rückenwind aus Politik und Kultur

Laut APA/OTS-Aussendung vom 18. September lobte Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Vorbildwirkung der jungen Fachkräfte. Bundeskanzler Christian Stocker verwies auf die Rekordgröße des Teams. Auch Paul Pizzera und DJ Ötzi schickten Motivationsbotschaften. SkillsAustria-Präsident Josef Herk sagte: „Hinter diesem Team steht ein ganzes Land.“

Warum das für die Arbeitswelt zählt

Für SkillsAustria geht es um mehr als Medaillen. Genannt werden Fachkräftesicherung, das Image von Lehre und beruflicher Ausbildung und die Motivation für Jugendliche. Laut SkillsAustria erreichte der Werbewert der Berufswettbewerbe 2023 mit 21,6 Millionen Euro einen Höchstwert (+66 % zum Vorjahr).

So können Sie zuschauen

Für Österreich geht es in Shanghai nicht nur um Medaillen. Die WorldSkills gelten weltweit als Schaufenster beruflicher Exzellenz und als Bühne für jene Fachkräfte, die die Wirtschaft der Zukunft mitgestalten werden. Die Eröffnungsfeier und die Medaillenvergabe werden im Livestream gezeigt.

  • 22.9., 14 Uhr: Eröffnungsfeier (Livestream)
  • 23.–26.9.: Wettbewerbe
  • 27.9., ab 13 Uhr: Schlussfeier mit Medaillenvergabe (Livestream)

Quellen

  • SkillsAustria: WorldSkills 2026 Shanghai (Infoseite, Teamliste, Expert:innen, Zeitplan), skillsaustria.at/wettbewerbe/events/worldskills-2026-shanghai
  • APA/OTS: „Vom Bundespräsidenten und Kanzler bis zum Popstar: Österreich steht hinter euch“ (18.9.2026), ots.at
  • APA/OTS: Teamvorstellung „Das ist Österreichs Nationalteam der Berufe für Shanghai“ (1.9.2026) und Aussendung vom 10.9.2026
  • Ö3/ORF: „Team Österreich nach Shanghai abgehoben“ (17.9.2026), oe3.orf.at
  • MeinBezirk: „Österreich entsendet größtes Team Europas“ (8.6.2026)
  • WKO/SkillsAustria: „Gold-Rausch oder Medaillen-Fluch?“ (13.9.2026)
  • SkillsAustria: Verabschiedung Team Austria (21.8.2026)
  • Shanghai Municipal Government: „What you need to know“ (22.7.2026)
  • Regionale Berichte zu Teilnehmenden (Waldviertel, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg)
  • Fotos zu Skills Austria / Österreichisches Team: https://www.flickr.com/photos/skillsaustria/albums/with/72177720335221077
  • Podcast: https://www.nolimits-podcast.at/

Transparenz

SkillsAustria wird von der WKÖ, den neun Wirtschaftskammern in den Bundesländern sowie den
Fachorganisationen der Sparten Gewerbe und Handwerk, Industrie, Tourismus und Freizeitwirtschaft,
Information und Consulting, Handel sowie Transport und Verkehr finanziert. Mitfinanziert werden die
Tätigkeiten von Seiten des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie des
Bundesministeriums für Bildung. Premium-Partner von SkillsAustria ist die BAWAG Group. Unterstützt
wird das SkillsAustria-Team zusätzlich von Giesswein Walkwaren AG, Workwear STRAUSS, Schütze
Schuhe, Würth und dem Fachverband Personenberatung und Personenbetreuung. Dieser Beitrag wurde unter Einsatz von KI-gestützten Recherche- und Redaktionstools erstellt und journalistisch geprüft.

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