Es ist Ende November und es fehlen nur mehr unsere „Worst of Stellenangebote“. Jeden Monat präsentiert die „JOBBERIE – Jobs und mehr“ echte Stellenanzeigen und Inserate aus dem Netz, die aus meiner Sicht optimierungsbedarf haben.
Wichtig
In der Rubrik „Worst of Stellenangebote“ geht es nicht darum, Unternehmen, HR-Kolleg*innen oder Personalberater*innen vorzuführen. Daher werden die Stellenangebote auch weitgehend anoymisiert.
Ziel von „Worst of Stellenangebote“ ist es – anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis- Wissen zu vermitteln, um bessere Stellenangebote zu schreiben. Los geht’s.
Platz 3: More of the same

Platz 3 geht an ein sehr spannendes Inserat. Die Anforderung „Exzellenz in nicht juristischen Bereichen“ ist verständlich und zielt eindeutig auf die Persönlichkeit von potenzielle:n Kandidat:innen – abgesehen davon handelt es nei einer derartigen Anforderung aus meiner Sicht um eine kulturelle Thematik, aber das ist nicht unser Thema.
• Individuelle Exzellenz in nicht juristischen Bereichen (beispielsweise (Profi )Sportvergangenheit, Militärdienst, branchenfremde Berufserfahrung, ehrenamtliche Tätigkeiten und dergleichen) ist gerne gesehen
Wir haben es hier mit dem sogenannten „Mini-Me-Effekt“ oder „Similar-to-me-Bias“ respektive einem „More-Of-the-Same-Bias“ zu tun. Mit anderen Worten es geht darum Eigenschaften zu klonen, die man selbst als erfolgsversprechend einschätzt – am Ende des Tages geht es um die Teamfägigkeit. Die Stellenbeschreibung zielt auf einen gewissen „Typ“ von Mitarbeiter:innen. Leistungskultur und Exzellenz stehen im Vordergrund.
In meiner Zeit in der Zeitarbeit habe ich oft folgende Stellenanforderung von unseren Auftraggeber:innen bekommen: „Habt’s noch so einen?“. Der Satz bezog sich auf eine*n bestimmte*n Mitarbeiter*in dessen Eigenschaften besonders geschätzt wurden. Da ging es (auch) um die formalen Qualifikationen, aber nicht nur. Die Auftraggeber:innen wollten also eine*n Mitarbeiter*in klonen – ein klassischer More-of-the-same-Bias.
Der Nachteil von „Mini-me-Effekt“ oder „More-of-the-same“-Bias wird erst langfristig erkennbar. Ein gewisser Uniformismus vereinfacht zunächst die Arbeit; auf lange Sicht führt Diversität jedoch zu einer stärkeren und flexibleren Organisation.
Platz 2: Die Überschrift ist zu wenig

Im nächsten Inserat haben wir es mit einem wahren Klassiker zu tun: die (geschlechts)diskriminierende Ausschreibung. Der Titel wird den Gleichbehandlungskriterien gerecht. In unserem Beispiel setzen die Personalist:innen sogar auf die „Unterstrich-Variante“, die alle Geschlechter miteinbezieht. Das ist eigentlich vorbildlich. Allerdings hört die Vorbildfunktion im Fließtext schon wieder auf. Die Verfasser:innen setzen konsequent auf das generische Maskulinum: „ein engagierter Mitarbeiter“. Solche Dinge passieren sehr oft, wenn nur die Überschrift ausgebessert wird und der Rest Copy & Paste von alten Stellenanzeigen übernommen wird. Einige denken auch, dass sie die gesetzliche Bestimmungen der Gleichbehandlung erfüllen, wenn sie die Überschrift „genderen“. Frei nach dem Motto: Steht ja da, datt muss reichen. Leider ist diese Ansicht nicht zutreffend.
Mitarbeiter_in im Kundendienst/ Disposition
Am Standort xxx wird ein engagierter Mitarbeiter im Kundendienst und in der Disposition gesucht
Kein Homeoffice, dafür echter Teamspirit und direkter Austausch mit Kollegen und Partnern
Ein weiterer kleiner Baustein findet sich unter den Benefits. Wir wissen, dass die Nachfrage nach Home Office sehr groß ist. Ich selbst habe bei aktiven Ansprachen mehr als einmal eine Absage erhalten, weil kein oder nur sehr wenig Home Office gegeben war. Noch einmal eine Zahl als Beleg. Die Zeitschrift Focus berichtete, dass 75 Prozent aller Befragten (Umfragesample: 1000 Personen) sich ein hybrides Arbeitsmodell (also teilweise von zu Hause aus arbeiten) wünschen. (Quelle).
Kein Home-Office anzubieten – auch wenn es technisch möglich wäre – ist aus diesem Grund eine strategische Entscheidung zu der man stehen muss und eine Ansage an den Bewerbungsmarkt. Die versteckte Abwertung von Home-Office durch „echter Teamspirit und direkter Austausch mit Kollegen und Partnern“, ist eine zweite Ansage, die ein bisschen an ein trotziges Kind erinnert…
Platz 1: Und wieder mal Hotellerie / Gastronomie!

Ich möchte nicht missverstanden werden. Hotellerie und Gastronomie sind Branchen, die ich mag. Ich habe selbst während meiner Ausbildung nebenbei als Schankkraft gearbeitet und möchte die Zeit als äußerst lehrreich einstufen. Allerdings finde ich es bedauerlich, dass man Inserate wie das Folgende noch immer findet:
Hotel *** in XYZ sucht Hausarbeiter, Zimmermädchen für 20 Std./ Woche
Ich verstehe schon, dass man nicht immer lange Inserate verfassen möchte – und in Zeiten in denen inbesondere Hotels Stelleninserate mit einem sehr langen Werbetext versehen, ist ein solches Kurzinserat mit Telefonnummer erfrischend, direkt und unkompliziert. Allerdings sollte man in Zeiten wie diesen zumindest eine zweite Zeile riskieren. Man könnte ja auch schreiben:
„Hotel *** in XYZ sucht eine:n Hausarbeiter:in und eine Reinigungskraft in Teilzeit (20 Stunden). Lohn: ab 2026 € auf Vollzeitbasis.“
Es ist nur ein kleines Detail. Das ausschreibende Hotel ist mit 4-Sternen eingestuft. Ob einzeilige Stelleninserate ohne Gehaltsangabe und diskriminierenden Bezeichnungen 4 Sterne würdigen, sei Ihrer persönlichen Bewertung überlassen…
Die Jobberie – Jobs und mehr freut sich auf weitere Hinweise, Kommentare, Reaktionen. Empfehlen Sie uns weiter und bleiben Sie uns gewogen.

