Was LinkedIn-Daten seit 2020 über eure Kandidat:innen verraten – und wie ihr das beim Sourcing nutzt

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Was LinkedIn-Daten seit 2020 über eure Kandidat:innen verraten – und wie ihr das beim Sourcing nutzt

Der LinkedIn Recruiter ist Ihr wichtigstes Tool? Auf der Suche nach passenden Kandidat:innen in der Direktansprache durchsuchen Sie täglich Profile. Sie setzen Filter, formulieren Suchanfragen und vergleichen Kandidat:innen miteinander. Aber ehrlich: Wie oft basieren Ihre Suchkriterien noch auf dem, was vor drei Jahren gefragt war?

LinkedIn veröffentlicht jedes Jahr, welche Skills am schnellsten wachsen – also welche Fähigkeiten Kandidat:innen aktuell aufbauen und in ihren Profilen ausweisen. Wer diese Daten nutzt, hat beim Active Sourcing einen echten Vorteil. Denn wer versteht, wie sich der Markt entwickelt, findet nicht nur die Kandidat:innen von heute, sondern erkennt auch, welche Profile morgen relevant sein werden. Letztlich werden Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten eingestellt – und oft wegen ihrer Persönlichkeit wieder entlassen. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, was sechs Jahre LinkedIn-Daten über Ihre Zielkandidat:innen verraten.

2020: Soft Skills waren schon damals der blinde Fleck

Kurz bevor die Pandemie alles veränderte, war das Bild eindeutig: Die gefragtesten Skills waren keine technischen. Kreativität, Überzeugungskraft, Kollaboration, Anpassungsfähigkeit – und neu auf der Liste: emotionale Intelligenz.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Viele Recruiter:innen suchen bis heute primär nach Titeln und Hard Skills. Das ist nachvollziehbar – schließlich müssen Aufgaben fachlich beherrscht werden. Doch schon 2020 war klar: Kandidat:innen, die tatsächlich eingestellt wurden, überzeugten oft durch ihre Soft Skills.

Wenn Sie heute Profile analysieren, fragen Sie sich: Suchen Sie aktiv nach Hinweisen auf diese Fähigkeiten? Sie finden sie in Projektbeschreibungen, Empfehlungen oder in der Art, wie jemand seinen Werdegang darstellt.

Der einzige überraschende Hard Skill in den Top-Rankings war 2020 übrigens Blockchain auf Platz 1 – ein Hype, der zeigte, wie schnell sich Anforderungen verändern können. Wer damals ausschließlich danach filterte, sitzt heute oft auf einer leeren Pipeline. Blockchain war das Buzzword der Stunde – nicht zuletzt durch den aufkommenden Kryptowährungsboom.

2020–2021: Pandemie – und plötzlich zählt Anpassungsfähigkeit

Die Pandemie kam angekündigt – und traf den Arbeitsmarkt dennoch mit voller Wucht. Kurzarbeit wurde in Österreich zu einem zentralen Instrument, um Mitarbeitende zu halten. Gleichzeitig wechselten immer mehr Menschen die Branche. In bestimmten Bereichen kam es sogar zu einem Boom: Digitalisierung, E-Commerce, Logistik, Business Development, Finanz- und Kommunikationslösungen wuchsen rasant.

Wer in diesen Bereichen suchte, konkurrierte plötzlich mit nahezu allen.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Kandidat:innen, die in dieser Phase erfolgreich waren, haben eines bewiesen – sie konnten sich neu erfinden, oft ohne Sicherheitsnetz. Brüche im Lebenslauf aus dieser Zeit sind daher kein Warnsignal, sondern häufig ein Qualitätsmerkmal. Wer 2020/21 einen Branchen- oder Berufswechsel vollzogen und dennoch Ergebnisse geliefert hat, hat unter realem Druck Anpassungsfähigkeit gezeigt.

Gleichzeitig rückten durch das Ende der Pandemie und den Krieg in der Ukraine neue Themen in den Fokus: Energiesicherheit wurde zentral, die Abhängigkeit Europas von russischem Gas deutlich – und die Green Economy gewann erneut an Dynamik.

2022: Green Skills – die unsichtbare Kompetenz

2022 veröffentlichte LinkedIn erstmals den Global Green Skills Report – mit einem klaren Signal: Weniger als 1 % aller Neueinstellungen entfiel auf klassische Green Jobs, während relevante Fähigkeiten wie Sustainable Design oder Renewable Energy zweistellig wuchsen.

Der entscheidende Punkt: Die meisten Green Jobs sind keine klassischen Umweltberufe. Nachhaltigkeitskompetenzen finden sich in Rollen wie Projektmanagement, Sales Engineering, Facility Management oder Data Analytics. LinkedIn spricht hier vom „Greening Potential“.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Green Skills verstecken sich oft in unerwarteten Profilen. Bauingenieur:innen mit Kenntnissen in Erosionsschutz oder Vertriebsprofis mit Erfahrung im Sustainable Design sind häufig nicht unter klassischen „Green Job“-Suchbegriffen zu finden – und bleiben deshalb unsichtbar.

Gleichzeitig wurde ein strukturelles Problem deutlich: Die Nachfrage nach Green Skills wuchs schneller als das Angebot. Der Markt war bereits angespannt – und wurde enger. ESG-Kompetenzen gewannen durch regulatorische Entwicklungen zusätzlich an Bedeutung, auch wenn sich etwa das Lieferkettengesetz 2025 etwas relativierte.

Hinzu kam ein Diversity-Thema: Unter den sogenannten Green Talents standen 2021 etwa 62 Frauen 100 Männern gegenüber – eine Lücke, die sich seit Jahren kaum verändert hat. Für Recruiter:innen bedeutet das: aktiv suchen statt auf Bewerbungen warten.

Ende 2022 markierte zudem einen weiteren Wendepunkt: Mit ChatGPT und weiteren LLMs begann eine neue Ära, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.

2023: Der Markt entdeckt, was Maschinen nicht können

Mit dem Aufstieg von KI wurde auch die Diskussion um Automatisierung lauter – und der Markt reagierte klar: Strategisches Denken, Kommunikation und Vorstellungskraft rückten in den Fokus.

Mitarbeitende mussten sich schnell an die neuen Möglichkeiten anpassen, die durch generative KI entstanden.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Wenn Sie Kandidat:innen für komplexe, unsichere oder dynamische Rollen suchen, achten Sie auf indirekte Signale. Begriffe wie „cross-functional“, „change management“, „built from scratch“ oder „stakeholder alignment“ zeigen, dass jemand strategisch arbeitet – auch wenn diese Fähigkeiten nicht explizit gelistet sind.

2024: Die seltene Kombination

Der KI-Boom rückte neue Anforderungen in den Vordergrund: Kommunikation (Platz 1), Leadership (Platz 3) und analytische Fähigkeiten gewannen gleichzeitig an Bedeutung.

LinkedIn machte deutlich: „People Skills“ wurden zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil, während KI immer mehr Routineaufgaben übernahm.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Die am schwersten zu findenden Kandidat:innen vereinen zwei Dimensionen: Führungsstärke und datengetriebenes Arbeiten. Diese Kombination ist selten – und meist nicht explizit in Profilen gekennzeichnet.

Erfolgreiche Suche erfordert daher Kombinationen: Führungsverantwortung plus nachweisbare Arbeit mit KPIs, Dashboards oder Reports. Diese Profile sind besonders wertvoll – und selten aktiv auf Jobsuche.

2025: KI im Profil – aber differenzieren

2025 wurde KI-Literacy zur meistgesuchten Fähigkeit. Gleichzeitig entstand ein neues Problem: Plötzlich hatte „jeder“ KI im Profil.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Verlassen Sie sich nicht auf Schlagworte. Entscheidend ist die Tiefe: Nutzt jemand KI oberflächlich („ChatGPT für Texte“) oder entwickelt er konkrete Lösungen („LLM-basierte Automatisierung im Vertrieb“)?

Stellen Sie gezielte Fragen in der Ansprache: Welche Tools werden täglich genutzt – und wofür? Die Antworten sind meist sehr aufschlussreich.

2026: Der härteste Markt bislang

Die aktuellen Skill-Trends zeigen: Gesucht wird keine einzelne Fähigkeit, sondern eine Kombination aus Prompt Engineering, AI Business Strategy, Cross-functional Collaboration sowie Risk & Compliance.

Das Profil: strategisches KI-Verständnis, Führungskompetenz und regulatorisches Bewusstsein.

Diese Kandidat:innen sind selten, meist nicht aktiv suchend und stark umkämpft. Auf Wienerisch: Um sie herrscht ein echtes Gerangel.

Was das fürs Sourcing bedeutet: Warten Sie nicht auf akute Vakanzen. Bauen Sie frühzeitig Pipelines auf. Identifizieren Sie Kandidat:innen, die sich aktiv weiterentwickeln, Inhalte teilen, Weiterbildungen absolvieren oder in Fachgruppen engagieren.

Die Kandidat:innen von morgen sind schon heute sichtbar – sie entwickeln sich gerade.


Das Muster über alle Jahre hinweg

Unabhängig vom Jahr zeigt sich ein klares Muster: Die gefragtesten Kandidat:innen kombinieren menschliche Stärken mit technischem Verständnis.

  • 2020: Kreativität + Technologie
  • 2022: Green Skills in unerwarteten Rollen
  • 2024: Leadership + Analytics
  • 2026: Führung + KI-Kompetenz + Kommunikation

Wer beim Active Sourcing nur nach einzelnen Skills sucht, findet Durchschnitt. Wer gezielt nach Kombinationen sucht – und tiefer in Profile eintaucht – findet die Kandidat:innen, die alle anderen ebenfalls suchen.

Deshalb: Gehen Sie in den Deep Dive. Stellen Sie Fragen, lernen Sie Ihre Kandidat:innen kennen, achten Sie auf Weiterbildungen, Positionierungen und Entwicklungslinien.


Quellenverzeichnis

  • LinkedIn Learning. „The Top Skills Companies Need Most in 2020.“ Deanna Pate, Januar 2020.
  • LinkedIn Corporate Communications. „Get hired this year: 2021’s fastest-growing jobs, and the skills you need to get them.“ Januar 2021.
  • LinkedIn Economic Graph. „An Action Plan for Climate Change – LinkedIn’s Global Green Skills Report.“ 2022.
  • LinkedIn News. „Skills to get you hired in 2023.“ Jennifer Ryan, 2023.
  • LinkedIn Learning. „The Most In-Demand Skills for 2024.“ Dan Brodnitz, Februar 2024.
  • LinkedIn Talent Blog. „Skills on the Rise in 2025.“ Jen Dewar, März 2025.
  • LinkedIn Corporate Communications. „Skills on the Rise: The Fastest-Growing Skills in 2026.“ Februar 2026.

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