„Ich bin früh dran – wie immer“ – nicht nur am „Leave-The-Office-Earlier-Day“*

2 Juni - "Leave-The-Office-Earlier-Day"

Ein Interview, das so oder so ähnlich stattgefunden haben könnte mit Frau Aurora Feierabend, Österreichs fiktiver führender Expertin für frühzeitigen Arbeitsschluss.

Anlässlich des „Mach-früher-Feierabend-Tags“ („“Leave-The-Offfice-Earlier-Day“) am 2. Juni trafen wir Frau Aurora Feierabend in ihrem Büro – das sie, wie zu erwarten war, bereits halb verlassen hatte.


Redaktion: Frau Feierabend, schön, dass wir Sie noch antreffen!

Frau Feierabend: Noch. Betonung auf noch. Aber ich gebe Ihnen zehn Minuten. Vielleicht fünfzehn, wenn Sie interessant sind.

Redaktion: Ihr Name ist ja… bemerkenswert. Aurora Feierabend. Hat Ihre Mutter da eine Vorahnung bezüglich ihrer aktuellen Expert*innenrolle gehabt?

Frau Feierabend: Sie war Unternehmensberaterin und sagte immer: „Nur wer früh geht, hat mehr Zeit.“ Das hat mich geprägt. Den Vornamen hat Papa beigesteuert – Aurora, die Göttin der Morgenröte. Seine Logik: Wer früh aufsteht, sieht öfter den Sonnenaufgang. Und gelegentlich auch den Sonnenuntergang, aber das ist eine andere Geschichte.

Redaktion: Am 2. Juni ist der „Leave the Office Earlier Day“. Was bedeutet Ihnen dieser Tag?

Frau Feierabend: Er ist sozusagen mein Namenstag, mein Geburtstag und mein Lieblingsfeiertag in einem. Apropos Geburtstag: Die amerikanische Ratgeber-Autorin und Produktivitätstrainerin Laura Stack, die diesen Tag 2004 in ihrem Buch „Leave the Office Earlier“ vorstellte, hat tatsächlich ihren eigenen Geburtstag als Datum gewählt. Seit 2005 wird er in den USA auch tatsächlich begangen – von denen, die sich trauen, wie es so schön heißt. Ich finde das vorbildlich. Ich hätte dasselbe getan, aber mein Geburtstag ist der 31. Februar.

Redaktion: Den gibt es nicht.

Frau Feierabend: Seien Sie doch nicht so kleinlich

Aurora Feierabend zum Interview mit der Jobberie

Redaktion: Und was ist eigentlich Laura Stacks Grundthese?

Frau Feierabend: Eine bestechend ehrliche: Sie geht davon aus, dass Angestellte viel lieber woanders wären und etwas anderes täten – und daher unkonzentriert und weniger produktiv arbeiten. Die Aussicht auf einen frühen Feierabend soll so motivierend wirken, dass dieselbe Arbeit in einem kürzeren Zeitraum erledigt werden kann. Es ist im Grunde das Prinzip Karotte vor dem Esel – nur dass die Karotte diesmal der eigene Nachmittag ist.

Redaktion: Klingt fast zu einfach.

Frau Feierabend: Die besten Ideen tun das immer. Und wer kennt das nicht: Die letzten zwei Stunden vor Feierabend fühlen sich an wie vier. Die Minutenanzeige des Laptops schreitet so langsam voran, dass man an der eigenen Wahrnehmung zweifelt. Stack sagt: Gebt den Menschen einen Grund, früher fertig zu sein – und sie werden es sein.

Redaktion: Warum ist früher Feierabend kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit?

Frau Feierabend: Weil die Zahlen eine klare Sprache sprechen – auch wenn viele Chefetagen offenbar kein Wörterbuch besitzen. Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden in Millionen lag 2023 bei 7.254 und 2024 sogar bei 7.265. Mit anderen Worten die geleisteten Arbeitsstunden in Österreich steigen von Jahr zu Jahr und die Arbeitsproduktivität, je geleisteter Arbeitsstunde, sinkt um 1,4 beziehungsweise 0,8. Das sagt die Statistik Austria.

Redaktion: Aber Chefs sehen doch gerne, wenn jemand lange im Büro sitzt…

Frau Feierabend: Ja, und Tauben sehen gerne Brotkrumen. Das macht beides nicht zur guten Strategie. Wer lange sitzt, wird nicht besser – er wird nur flacher. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Redaktion: Was ist mit dem Homeoffice – hat das die Situation nicht verbessert?

Frau Feierabend: (lacht) Verbessert! Das ist gut. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben wurden nicht aufgeweicht – sie wurden schlicht abgeschafft. Die Mental Health Foundation hat errechnet, dass Menschen im Homeoffice im Schnitt 28 zusätzliche Stunden pro Monat arbeiteten. Das Homeoffice hat uns nicht befreit – es hat uns nur den Weg ins Büro gespart, damit wir die gewonnene Zeit sofort wieder verarbeiten können.

Redaktion: Das ist düster.

Frau Feierabend: Das ist die Wahrheit. In den Jahren 2018/19 – also noch vor der Pandemie – waren Stress und Depression bereits für 44 Prozent aller arbeitsbedingten Erkrankungen verantwortlich, und 54 Prozent der krankheitsbedingten Fehltage gingen auf dieses Konto. Seit der Pandemie ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen um 49 Prozent gestiegen – verglichen mit 2017–2019. Besonders betroffen: Frauen mit Pflegeverantwortung. Wir überarbeiten uns buchstäblich krank – und dann wundern wir uns, dass der Krankenstand hoch ist. Ich nenne das: konsequent.

Redaktion: Was sind Ihre konkreten Tipps für einen früheren Feierabend?

Frau Feierabend: Erstens: E-Mails nicht ständig checken. Zweimal pro Woche für nicht dringende Mails reicht – montags und donnerstags zum Beispiel. Zweitens: Standardantworten vorbereiten. Drittens: Kolleginnen und Kollegen freundlich darauf hinweisen, dass man weniger Mails wünscht. Man kann sie, wie eine Expertin es formulierte, „ein wenig erziehen“ – mit Augenzwinkern, versteht sich. Viertens: Einen Helpdesk für wiederkehrende Anfragen einrichten. Und fünftens –

Redaktion: Ja?

Frau Feierabend: – früher nach Hause gehen. Das ist der einfachste Tipp und gleichzeitig der schwerste. Wer pünktlich geht, arbeitet am nächsten Tag motivierter, kreativer und produktiver. Schwedische Studien zum Sechs-statt-Acht-Stunden-Tag haben das belegt. Manche dieser Projekte wurden leider eingestellt – weil geringe Mehrkosten in den Chefetagen keine Akzeptanz fanden. Innovation darf offenbar nichts kosten. Aber Burnout schon, der ist dann irgendwie gratis.

Redaktion: Einige Länder gehen bereits weiter – Stichwort Vier-Tage-Woche?

Frau Feierabend: Es gibt Länder, die das ernsthaft prüfen oder teilweise umsetzen. Japan beispielsweise. Hier hat die Regierung 2025 in Tokio ein Programm zur 4-Tage-Woche für Beschäftigte im öffentlichen Dienst eingeführt. Und Unternehmen wie Innocent Drinks setzen auf Wohlbefinden als Unternehmenskultur – etwa mit wöchentlichen Anlaufstellen, bei denen Mitarbeitende Unterstützung für private wie berufliche Probleme bekommen. Weil man irgendwann begriffen hat: Wer einen ganzen Menschen beschäftigt, sollte sich auch für den ganzen Menschen interessieren.

Frau Feierabend: Schalten Sie um 17:00 Uhr den Rechner aus. Oder früher. Nicht weil Sie faul sind – sondern weil Sie klug sind. Die Besten kommen spät und gehen früh. Warum? Weil sie sich auf den Tag freuen. Weil sie ein Leben neben der Arbeit haben. Weil sie morgens in Ruhe ihren Kaffee trinken und abends in Ruhe zum Sport gehen können – ohne schlechtes Gewissen.

Redaktion: Vielen Dank, Frau Feierabend!

Frau Feierabend: Gern! Und jetzt entschuldigen Sie mich – ich muss früher gehen. Wie immer.

(Frau Aurora Feierabend verließ das Gebäude um 14:47 Uhr. Sie wirkte dabei vollkommen unschuldig.)


Quellen

  1. Frauke Kempner / SRH Fernhochschule: „Nichts wie raus: Die besten Tipps zum Mach-früher-Feierabend-Tag!“, idw Informationsdienst Wissenschaft, 30. Mai 2022
  2. Andreas Weck: „Früher Feierabend, bessere Leistung: Was Top-Mitarbeiter anders machen“, t3n, ursprünglich 27. Januar 2023, aktualisiert 5. April 2026
  3. Nicholas Clarke, Professor of Organisational Behaviour & HRM, Kent Business School: „Why ‚National Leave the Office Early Day‘ (2 June) matters“, University of Kent News Centre, 1. Juni 2021
  4. Philipp Kienzl. Raus aus dem Büro, heute ist Mach-früher-Feierabend-Tag. Die Zeit. 2. Juni 2016

*Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. (Claude.ai und Leonardo.ai), Redaktion: jobberie – jobs und mehr

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