Wien – Pride Biz Austria setzt mit zwei bedeutenden Initiativen ein starkes Zeichen für LGBTIQ+ Inklusion in der Arbeitswelt: Die Auszeichnung herausragender Role Models und die Präsentation einer umfassenden Studie zum Diversity Management in Wiener Unternehmen.
Pride Biz Pioneers 2026: Sechs Persönlichkeiten ausgezeichnet
Am 28. Jänner 2026 verlieh Pride Biz Austria zum zweiten Mal die Auszeichnung „Pride Biz Pioneers“ bei karriere.at. Mit dieser Ehrung werden Menschen gewürdigt, die sich zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit für LGBTIQ+ Sichtbarkeit, Gleichstellung und eine offene Unternehmenskultur einsetzen.
Nach einer Nominierungsphase im Herbst 2025, bei der sowohl Eigen- als auch Fremdnominierungen möglich waren, wählte eine interdisziplinäre Jury aus Mitfrauen* der Queer Business Women* und Mitgliedern der Austrian Gay Professionals die Preisträger:innen aus. Die Jury vereinte Expertise aus Beratung, Human Resources, Psychologie sowie Diversity, Equity & Inclusion.
Die Preisträger:innen 2026
- Anna Geiger (Innovation Lead bei iC consulenten) – Leader LGBTIQ+ Role Model
- Anna Glawogger (Elektrotechnikerin bei ÖBB-Immobilienmanagement) – Outstanding LGBTIQ+ Professional
- Karol Dziwiński (Transfer Pricing Manager bei Siemens Energy) – Outstanding LGBTIQ+ Professional
- Ivan Mangalino (IT Event & Social Media Coordinator bei EBCONT) – Outstanding LGBTIQ+ Professional
- Annamaria De Franco-Bodner (Portfolio Head Regulatory Affairs bei Sandoz) – LGBTIQ+ Ally
- Ken Goigner (Fellow bei Teach for Austria) – LGBTIQ+ Visibility & Social Impact Award
„Gerade in Zeiten, in denen Diversität zunehmend infrage gestellt wird, braucht es Menschen, die Haltung zeigen – sichtbar oder auch im Hintergrund“, betont Lukas Burian, Präsident von Pride Biz Austria.
Die Ausgezeichneten haben nun die Möglichkeit, sich für die europäischen „EPBN-WISE Role Models“ zu bewerben, die im Mai 2026 in Prag vergeben werden.

von links nach rechts: Lukas Burian, Johannes Wirgler, Marcel Kremmer, Annamaria De Franco Bodner, Karol Dziwiński, Ivan Mangalino, Ken Goigner, Anna Geiger, Manfred Wondrak, Anna Glawogger, Chiara Riolfi, Elena Neumann, John Broger, Astrid G. Weinwurm-Wilhelm
Fotograf:in: Viktoria Morgenstern. Fotocredit: Pride Biz Austria. Ort:karriere.at, Wien
Realität am Arbeitsplatz: Nur ein Viertel der queeren Community ist geoutet
„Der Standard“ widmete der Thematik im vergangenen Sommer einen längeren Beitrag und bestätigte, dass die Herausforderungen für LGBTIQ+ Personen in der Arbeitswelt real und weitreichend sind. Laut Angaben der Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW) ist nur rund ein Viertel der queeren Community am Arbeitsplatz geoutet. Die restlichen drei Viertel können oft schon auf alltägliche Fragen wie „Mit wem hast du das Wochenende verbracht?“ nicht ehrlich antworten.
„Heterosexuelle Menschen machen sich nie Gedanken darüber, ob sie von ihrem Privatleben, ihrer Familie, ihrer Frau oder Mann erzählen können. Ganz implizit outen sie sich täglich“, erklärt in diesem Zusammenhang Astrid Weinwurm-Wilhelm, Präsidentin der Queer Business Women. Diese Diskrepanz führe zu einem Mangel an sozialem Zusammenhalt: „Es fehlt dieser soziale Kit, der für die gute Interaktion, für die gute Zusammenarbeit notwendig ist.“
Besonders Transpersonen sind betroffen: Sie kündigen oder werden oft vor oder während ihrer Transition entlassen und finden erst nach langer Arbeitssuche wieder einen Job. Sandra Konstatzky, Leiterin der GAW, betont, dass dem Arbeitsmarkt dadurch wichtige Fachkräfte verloren gehen.
Rechtliche Lücken und politische Forderungen
Während am Arbeitsplatz Diskriminierungsschutz besteht, fehlt dieser im Privatbereich – etwa beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen in Restaurants, Hotels oder beim Frisör. Das sogenannte „Levelling-Up“, der Schutz im Privatbereich, gilt seit Jahrzehnten als eine der größten Forderungen der LGBTIQ+-Community und ist in den meisten EU-Staaten bereits gegeben.
Sorge bereiten auch internationale Entwicklungen: „Viele Unternehmen und Konzerne haben ihre Diversity-Programme stark zurückgefahren, gerade im Bereich LGBTIQ“, kritisiert Stefan Grampelhuber von den Austrian Gay Professionals. Dies führe bei vielen Arbeitnehmern zu Verunsicherung.

Fotograf:in: Viktoria Morgenstern. Fotocredit: Pride Biz Austria. Ort:karriere.at, Wien
Studie zeigt: 38 % der Wiener Unternehmen sind LGBTIQ+ freundlich
In diesem Kontext präsentierte Pride Biz Austria die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer Wien und der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten durchgeführt wurde. Das Forschungsinstitut KMU Forschung Austria und das Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung erhoben den Status quo zum Thema „Diversity Management in der Dimension LGBTIQ in Wiener Unternehmen“.
Weitere Details
Engagement vorhanden, aber ausbaufähig: Rund 60 % der Wiener Unternehmen setzen sich für Vielfalt ein – doch nur 38 % adressieren explizit die Zielgruppe LGBTIQ+. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es in Österreich schätzungsweise 200.000 bis 300.000 LGBTIQ+ Beschäftigte gibt.
Top-Down-Strukturen entscheidend: In LGBTIQ+-freundlichen Unternehmen liegt die Verantwortung häufig bei Geschäftsführung und HR, flankiert durch Maßnahmen wie inklusive Kommunikation, Sensibilisierung und Selbstidentifikationsmöglichkeiten (Self-ID).
Hohe Akzeptanz, aber Ressourcenlücken: Viele Betriebe zeigen Bereitschaft für LGBTIQ+-Inklusion, stoßen aber bei Know-how, Ressourcen und Messbarkeit an Grenzen. „Transparente Datenerhebung ist die Voraussetzung für wirksames Diversity Management“, erklärt Lukas Burian. „Nur wenige Unternehmen erfassen systematisch, welche Maßnahmen sie im Bereich LGBTIQ+ Diversity ergreifen oder welche Wirkung diese entfalten.“
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Die Studie gibt klare Empfehlungen:
- Führung und Belegschaft einbinden: Erfolgreiches Diversity Management braucht Rückhalt von oben und Zustimmung von unten.
- Strukturelle Verankerung stärken: Klare Ziele, Zuständigkeiten und Ressourcen sichern nachhaltige Wirkung.
- Inklusive Maßnahmen gezielt einsetzen: Self-ID, geschlechtsneutrale Gestaltung, Sensibilisierung und klare Kommunikation sind entscheidend.
„Unsere Studie zeigt ganz klar: Für viele Unternehmen sind LGBTIQ+ Themen immer noch kein strategisches Must-have“, so Astrid G. Weinwurm-Wilhelm, Vizepräsidentin von Pride Biz Austria. „Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass dort, wo Vielfalt wirklich gelebt wird, alle profitieren – Mitarbeitende genauso wie die Unternehmen selbst.“
Die Vorteile sind wissenschaftlich belegt: „Wir wissen aus Studien, dass divers zusammengesetzte Teams innovativere und kreativere Lösungen bringen“, betont Weinwurm-Wilhelm. Zudem werde ein diversitätsorientiertes Arbeitsumfeld mittlerweile auch von der Mehrheitsgesellschaft erwartet – „auch ein gut ausgebildeter junger heterosexueller Mann, der Teil der Mehrheitsgesellschaft ist, erwartet ein diversitätsorientiertes Arbeitsumfeld“, so Stefan Grampelhuber.
Die Bedeutung von Allyship
Umso wichtiger sei das „Allyship“, die Unterstützung durch Verbündete aus der Mehrheitsgesellschaft. „Dass die dahinterstehen und sagen, es ist wichtig, dass du das leben kannst im Job, so wie du bist“, erklärt Grampelhuber. Veranstaltungen wie die Pride seien wichtig, doch: „Im Juni etwas zu machen ist schon wichtig. Ausschließlich im Juni etwas zu machen ist Pinkwashing. Das Logo umfärben mit Regenbogenfarben ist nicht mehr ausreichend.“
Über Pride Biz Austria
Pride Biz Austria engagiert sich für LGBTIQ+ Menschen in Wirtschafts- und Arbeitswelt. Der Verband fungiert als erste Anlaufstelle zu diesen Themen für Unternehmen, Organisationen und Politik.
Weitere Informationen: https://pridebiz.at/
Quellen
- Pride Biz Austria: „Pride Biz Austria zeichnet erneut LGBTIQ+ „Pioneers“ der Arbeitswelt aus“ (OTS-Pressemitteilung, 28. Jänner 2026)
- Pride Biz Austria: „Pride Biz Austria-Studie: So fördern Wiener Unternehmen erfolgreich Vielfalt“ (OTS-Pressemitteilung)
- Der Standard: „Queer am Arbeitsplatz: Nur rund ein Viertel geoutet“ (APA, 9. Juni 2025)

