News rund um den Arbeitsmarkt, das Recruiting, die Bewerbung und andere Themen

Was Recruiter/innen vom FC Admira Wacker Mödling lernen können

admira_cartoonNach der Saison ist vor der Saison. Die kleine Abwandlung des Satzes “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” ist ein willkommener Anlass um einen Rückblick auf die Saison 2015/2016 zu werfen. Als Fan des SK Rapid ist es für mich besonders spannend, gerade einen Blick auf jenen Verein zu werfen, der den Grün-Weißen aus Hütteldorf Freud und Leid zu gleichen Teilen bereitet. Fußballfreunde und Mitleidende werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass  vor der Saison 2015/16 der FC Admira Wacker Mödling als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt wurde.

“Vor allem, wenn man wie die Admira als vermeintlicher Fix-Absteiger in die Saison gestartet ist und schlussendlich das internationale Ticket löste.” (Laola.at)

Es kam anders – und zwar als alle Beteiligten, Expert/innen und Zaungäste dachten. Die “Admira” wie der Verein aus der Südstadt genannt wird, erreichte nicht nur das CUP-Finale, in dem man gegen Red Bull zwar deutlich verlor, sondern auch den heilsbringenden 4. Platz in der Bundesliga, der die Schwarz-Roten dazu berechtigt in der Saison 2016/2017 auf der europäischen Fußballbühne ihr Glück zu versuchen. Eines ist gewiss: Die Admira wird auch 2016/17 mit einer auf vielen Positionen neu zusammen gestellten Mannschaft agieren (müssen), da Admira-Spieler sehr oft Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen wecken. Zwei Spieler sind bereits zu “meinen” Grün-Weißen gewechselt (Schösswendter, der selbst bereits Rapid-Vergangenheit hat, aber erst bei der Admira den Durchbruch erzielte und Malicsek, ein hochveranlagter Spieler aus der Akademie der Schwarz-Roten)

Warum ist die Admira ein gutes Beispiel für viele Personalabteilungen?

Es wäre jetzt zu einfach etwas von Sepp Herbergers “11 Freunde müsst ihr sein” daher zu faseln. Aber dennoch ist die Teamzusammensetzung bei der Admira ein wichtiger Schritt, vielleicht noch wichtiger als bei den anderen Vereinen. Der ehemaliger Cheftrainer und aktuelle Nachwuchstrainer beim SK Rapid Walter Knaller brachte die Widersprüchlichkeit der Situation in einem Interview, das er in der Rückrunde der Saison 2014/2015 gab, als die Admira noch gegen den Abstieg spielte, auf den Punkt:

“Wenn wir unser Spiel weiterentwickeln, dann schaffen wir den Klassenerhalt und können vielleicht auch den ein oder anderen Spieler (Anm: the)  noch holen”, will sich Knaller mit dem Abstiegskampf alleine nicht begnügen. Ein Vorstoß in der Tabelle wäre auch im Hinblick auf die Zukunft wichtig. “Wir brauchen eine gewisse Ruhe, dass wir unsere Talente auch immer wieder einbauen können. Für die ist es schon wichtig, dass es nicht in jedem Spiel um alles geht”, erläuterte Knaller. (Vienna Online).

Eine solche Aufgabenstellung ist schwierig. Als Trainer brauche ich Spieler, die mit der Belastung eines Abstiegskampfs umgehen können, die gleichzeitig jedoch auch nach vorne schauen. Ein solcher Kader braucht ein gutes Gleichgewicht aus unbekümmerten Jungspunden, erfahrenen Spielern, die nichts mehr aus den Schuhen hauen kann und einigen Spielern, die genau wissen, dass ihnen eine zweite Chance gegeben wurde und diese zu nutzen suchen.  Genau diese Mischung verfolgt die Admira. Dazu kommt die Tatsache, dass “Admira”-Spieler normalerweise Begehrlichkeiten bei den anderen Vereinen wechseln – viele wechseln von der Admira zu Rapid, teilweise auch zu Sturm oder einem anderen Verein. Die Herausforderung besteht also sehr stark darin, Spieler zu halten und nicht sofort abzugeben, nicht jedes Jahr gegen den Abstieg zu spielen und trotzdem Spieler zu entwickeln. Diese Herausforderung haben natürlich auch andere österreichische Vereine, aber für die Admira gilt dies wohl überdeutlich. Es handelt sich also um einen Verein, bei dem es intern nicht wirklich ruhig und beschaulich zugehen wird. Dennoch ist man relativ erfolgreich.

Realistische Ziele miteinander verbinden

In die Recruiting-Sprache übersetzt könnte man Knallers Zitat umformulieren in: “Realistische Ziele zu stecken und die Personalentwicklung mit anderen Zielen verknüpfen.” Im konkreten Fall der Admira: Mit dem Abstiegskampf wenig zu tun haben, um so das Personal in Ruhe entwickeln zu können. Dazu braucht man jedoch wieder das entsprechende Personal mit dem diese Ziele umsetzbar sind.

(Personal)Ziele miteinander zu verknüpfen sollte eigentlich im Interesse eines jeden Unternehmens sein. Trotzdem handel es sich um einen interessanten Gedanken, da in vielen Unternehmen die Entwicklung des Personals nicht wirklich als Ziel ausgegeben wird. Die Admira greift prinzipiell nicht nach den Sternen. Sie bezeichnet sich selbst als “Ausbildungsverein” und definiert dies als Ziel. Auch wenn das Wort “Ausbildungsverein” verpönt ist; für die Admira wäre er ein wirklicher USP. Denn mit der guten Ausbildung wechseln Spieler – wechselnde Spieler bringen Geld für den Verein – wichtiges Geld, das der Verein nur sehr schwer über die Zuschauerzahlen oder die regelmäßige Teilnahme an internationalen Bewerben generieren könnte. Ein Blick in einen anderen Sportbereich zeigt, wie man die Ziele “Erfolg” und “sehr gute Nachwuchsarbeit” miteinander verbinden kann. Der amtierende Handballmeister 2016, die “Fivers” aus Wien-Margareten, sind fast schon berühmt, ja sogar berüchtigt für ihre Nachwuchsarbeit und ersetzen Stammspieler meist mit Nachwuchsspielern. Mich wundert es immer wieder, dass das Modell des sehr erfolgreichen Handballvereins nicht von allen anderen kopiert wird.

Neben der Entwicklung der Spieler besteht das zweite Ziel darin, nichts mit dem Abstieg zu tun haben zu wollen, vielleicht sogar einen internationalen Startplatz zu sichern, um so mehr Planungssicherheit zu bekommen. Gelingt dies nicht, ist es klar, dass die größten Talente Jahr für Jahr den Verein verlassen – und ich denke, dass die Verantwortlichen diesen Umstand in ihre Planungen miteinbeziehen. Die Admira lebt also das, was viele Branchen kritisieren: Fluktuation. Natürlich ist es jedes Jahr schwierig, wenn die größten Talente zu anderen Vereinen wechseln, vorne mitzuspielen und internationale Startplätze zu ergattern. Aber das klare Bekenntnis ein Ausbildungsverein zu sein, in Verbindung mit der Vorgabe, so schnell wie möglich die berühmten 40 Punkte zu haben, die vor einem Abstieg schützen, sind sinnvoll kombinierte Ziele, die das “himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt” des österreichischen Fußballs bewusst konterkarieren und davor schützen sich vom Umfeld irre machen zu lassen, wenn es einmal nicht so läuft oder wenn man wie heuer um einen Europa-Cup-Startplatz spielt. Anders formuliert: Man hat aus der Not eine Tugend gemacht und geht ein Problem offensiv an. Das wird auch so kommuniziert und genau das ist eine Stärke der Admira.

Spieler / Personal holen, das bei anderen Unternehmen in “Ungnade” gefallen ist und mit eigenen Talenten kombinieren

Auch dieser Punkt zieht sich durch die Philosophie bei der Admira durch. Einerseits wechseln – wie bereits betont – laufend Spieler der Admira zu größeren Vereinen, andererseits spielen etliche Spieler, die bei “größeren” Vereinen nur zweite Wahl waren, bei der Admira: Lukas Grozurek und Dominik Stangl (Rapid), Srdjan Spiridinovic (Austria), Christoph Knasmüller (Bayern) sind jetzt einmal zu nennen. Hinzu kommen Spieler wie der Stohn von Ivo Vastic, der die Bürde eines großen Namens trägt. Neben diesen “Desperados” und einigen “alten Haudegen” gibt es jene, die aus der eigenen Akademie entwickelt wurden und in der “ersten Mannschaft” die Gelegenheit bekommen aufzuzeigen und sich weiter zu entwickeln. Fehler machen scheint bei der Admira ausdrücklich erlaubt zu sein. Das ureigene Vertrauen in den eigenen Nachwuchs ist sicherlich einer der wichtigen Punkte in der Personalplanung der Admira. Wenn bei anderen Vereinen der Aufstieg von Eigenbauspielern immer wieder gerne in die mediale Auslage gestellt wird, so wird er bei der Admira im wahrsten Sinne des Wortes gelebt.

Die Akademie als Prunkstück – dem eigenen Nachwuchs Zeit geben

Im Winter 2015/2016 wurden zwei Spieler aus der AKA hochgezogen. Mit Anfang Juli folgten vier weitere. Das macht insgesamt 6 Spieler, die im Jahr 2016 von der Akademie den Sprung in den Profikader schafften. Das nennt man Nachwuchsarbeit. Und es ist ein Zeichen für Kontinuität. Mit dem 01. Juli 2014 wurden ebenfalls 6 Spieler aus der Akademie hochgezogen. Einige von ihnen wurden richtige Stammspieler wie Markus Wostry, der sicher zu den Entdeckungen der Saison gehörte und auf immerhin 35 Bundesligaspiele in der Saison 2015/2016 kam.

Kontinuität statt holprige Wechsel

Auch wenn der Trainer der Admira, Oliver Lederer, immer Probleme mit seiner Uefa-Lizenz hatte, um als offzieller Cheftrainer an der Seitenlinie des Spielfelds offiziell  zu arbeiten, war dies kein Grund den jungen Trainer abzuservieren. Ganz im Gegenteil: sowohl Walter Knaller als auch Ernst Baumeister fungierten als Trainer zusammen mit Lederer. Nach Erlangung der offiziellen Lizenz konnte Baumeister als Sportdirektor eine neue Funktion übernehmen. Ähnlich wurde mit René Schicker verfahren. Der Methusalem unter den Spielern beendete nach der Saison 2015/2016 seine aktive Laufbahn als Profi und heuerte dann als Co-Trainers bei den “Juniors” an. Das muss nicht immer funktionieren. Aber Loyalität und Vereinstreue sind – Achtung Floskel – im ach so schnelllebigen Fußballgeschäft eine Seltenheit. Gerade Vereine mit geringem Budget müssen in Schlüsselpositionen jedoch auf Eigengewächse in allen Bereichen vertrauen und können nicht unbedingt auf kostspielige Experimente setzen. René Schicker ist dabei nicht der einzige, der diesen Weg gegangen ist:

“Ich freue mich, dass wir als Ausbildungsverein auch ehemalige Spieler in unseren Reihen halten und in diverse Trainerteams integrieren können. Nach Ernst Baumeister, Michael Horvath, Rolf Landerl oder Oliver Lederer rückt nun auch Rene Schicker als ehemaliger Admira Kicker in den Trainerstab auf”, meint General Manager Alexander Friedl. “Rene ist ein Herzblut-Admiraner mit viel Erfahrung und aufopferndem Charakter, der bis vor kurzem selbst noch aktiv war und auch für die Juniors Einsätze absolvierte. Er kennt die Mannschaft und identifiziert sich mit unserer Philosophie zur Gänze”, so Friedl weiter. (Sportreport.biz)

Fazit:

Als eingefleischter Fußballfan habe ich schon länger das Gefühl, dass das Fußballgeschäft in vielerlei Hinsicht eine Verdichtung des Arbeitslebens darstellt. Die hohe Fluktuation, die in der Arbeitswelt herrscht, wurde und wird von “Branchen”, wie dem Fußball vorgelebt. One-Club-Player, wie Peter Schöttel (SK Rapid) es noch einer war, sind eine Seltenheit. Heute gehört ein Spieler, der 3 bis 4 Jahre dabei ist, ja fast schon zum Inventar einer Vereins und so sieht es auch in der Arbeitswelt aus. Kurze Dienstverhältnisse, Wechsel, Abwerben, wenn irgendwo ein Euro mehr zu verdienen ist. Das ist auch eine Seite des Fußballs und eine Seite, die wir ebenfalls in der Wirtschaft kennen. Wenn Spieler aufgrund der Möglichkeit eines besseren Gehalts eine Wechsel beim Management forcieren, wird dies argwöhnig kommentiert. In der realen Wirtschaft wird meist Stillschweigen gewahrt. Was im Fußball unter den Augen einer murrenden Öffentlichkeit passiert gehört heute zum Wirtschaftsleben. Das ist wahrscheinlich zu bedauern. Schön und gewinnbringend ist es dann aber auch, sich Beispiele heraus zu picken, die als positives Vorbild dienen. Ganz abgesehen davon, dass es Spaß macht, sich den Fußball auch einmal unter einem anderen Aspekt anzusehen.

Wichtige Artikel

Wenn ein Konzern keine Lust mehr auf herkömmliches Recruiting hat…

Rekrutierungsevents sind eine aufwändige, jedoch tolle Sache, wenn es um die Auswahl von zukünftigen Mitarbeiter*innen geht. whatelsen.work möchte nun einige Rekrutierungsevents vorstellen, die besonders interessant waren. Dabei sollen eigene und mittelbare Erfahrungen einfließen. Nach unserem ersten Beispiel, dem OTTO-Versand, brachten wir Erfahrungen aus der eigenen Praxis und zeigten wie ein Lehrlingscasting funktioniert (ENGIE Austria). Nun wenden wir uns einem Weltkonzern zu, der sehr ungewöhnliche Wege geht. Die Rede ist von Heineken. 2013 hatte Heineken keine Lust mehr auf die üblichen Fragen bei einem Bewerbungsgespräch. Vor allem war man überzeugt, dass die auszuwählenden Praktikant*innen sehr gut vorbereitet kamen und meist mit […]

Österreich ist Europameister

Österreich ist Europameister. Wie gern hätten Österreichs Fußballfans diesen Spruch gelesen! Das Nationalteam schied in Frankreich bekanntlich in der Vorrunde aus. Trotzdem wurde Österreich Europameister. Allerdings nicht in Frankreich, sondern im Norden Europas, in Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens. Hier fand die “EuroSkills” vom 30. November bis zum 04. Dezember statt. Insgesamt nahmen 493 Facharbeiter/innen aus 28 Ländern statt an der “Europameisterschaft der Fachkräfte” teil. Das Euroskills-Team-Austria bestand aus 35 Teilnehmer/innen – 9 Damen und 26 Herren – , die sich in  29 Einzel- bzw. Teamberufen mit Unterstützung von 29 Expert/innen (=Trainer/innen) den einzelnen fachlichen Herausforderungen stellten. Österreich wurde Europameister […]

Rezension: Bürohengste, Schreibtischtiger und andere Zampanos von Anton Wais

Eine Gastrezension von Gabriele Johanna Slaby Bürohengste, Schreibtischtiger und andere Zampanos Vor einigen Wochen besuchte ich das Wiener Literaturhaus und erspähte dort das zweite Buch von Anton Wais mit dem Titel “Bürohengste, Schreibtischtiger und andere Zampanos”. Der Titel sprach mich an und der Klappentext versprach skurrile und schräge Geschichten aus meinem Metier zu erzählen. Gleich am Heimweg vertiefte ich mich in das Buch. Ich las von einem gewitzten Buchhalter, der die Unternehmensbilanz akademisch, aber phantasievoll veränderte, von Liftwarten, die Trinkgeld für den Transport nahmen und sich davon ein Auto kaufen konnten, von Managern, die schon früh morgens die Sekretärin um […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.