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Versicherungsdatenauszug als Bewerbungsunterlage

Aus aktuellem Anlass scheint es geboten mal wieder über das Thema “Versicherungsdatenauszug” zu informieren. In meinen Trainings kommt es immer wieder vor, dass Kund/innen berichten, sie hätten den so genannten “Versicherungsdatenauszug” beim potenziellen  Dienstgeber (m/w) abgeben müssen – oder sie müssten ihn zum Vorstellungsgespräch mitbringen. Speziell größere Unternehmen scheinen auf den Zug aufzuspringen.

Der Versicherungsdatenauszug ist in Österreich ein Dokument, das die zuständige Sozialversicherung gegen Vorlage eines Ausweises kostenlos an den/die Versicherungsnehmer/in ausstellt. Es ist eine Liste mit allen Anmeldungen, Dienstgeber/innen, Krankengeldbezügen und Arbeitslosenzeiten. Die Firma, die diese Liste verlangt, kann aus ihr nicht nur die genauen Vordienstzeiten errechnen, sondern bekommt auch Hinweise über Krankenstände und Arbeitslosenzeiten. Auch Rückschlüsse auf das bisher bezogene Gehalt sind möglich. Ein im Lebenslauf angegebenes Dienstverhältnis wird dann schon mal im Versicherungsdatenauszug als “geringfügig” entlarvt oder es ist ersichtlich, dass die Beschäftigung als Kassier (m/w) nur wenige Tage dauerte – und nicht wie im Lebenslauf suggeriert – ein Monat oder ein ganzes Jahr.

Tatsächlich muss niemand einen Versicherungsdatenauszug abgeben. Verweiger/innen müssen sich natürlich den impliziten Vorwurf gefallen lassen, sie hätten etwas zu verbergen. Auch das Argument von Dienstgeberseite, man brauche den “Versicherungsdatenauszug” wegen der Lohnabrechnung ist nicht zielführend. Dienstzeugnisse sind genauso gut, wenn nicht sogar besser und belegen auch die Dienstzeiten – sollten keine Dienstzeugnisse vorrätig sein, können diese gerne beim ehemaligen Dienstgeber eingefordert werden. Sie haben 30 Jahre lang ein Recht auf ein Dienstzeugnis.

Was kann ich also tun, wenn von meinem potenziellen Chef (m/w) ein Auszug verlangt wird, ich als Bewerber/in jedoch nicht alle Details preisgeben will…?

http://sr.photos3.fotosearch.com/bthumb/CSP/CSP391/k3911233.jpgMehrere Lösungsansätze:

(1) Im Vorfeld Dienstzeugnisse organisieren. Sie bestätigen Dienstzeiten genauso und geben auch noch eine Bewertung der Arbeit des/der Dienstnehmer/in ab. Es reicht jedoch ein einfaches Dienstzeugnis mit den Angaben zur Person, der Dauer der Beschäftigung und der Funktion im Unternehmen.

(2) Sollten Dienstzeugnisse nicht vorrätig sein, kann ja auch ein Dienstvertrag vorgelegt werden. Dieser deckt zumindest das Eintrittsdatum ab.

(2) Versicherungsdatenauszug nur teilweise abgeben.
Die Liste besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil ist eine genaue Aufschlüsselung aller Zeiten ersichtlich. Im zweiten Teil eine Liste der meldenden Dienstgeber/innen. Wenn es nur um eine Bestätigung der Angaben geht, kann man ja mal versuchen nur den zweiten Teil der Liste abzugeben.

(3) Akt schwärzen oder weißen
Wir kennen es aus Spionagefilmen à la R.E.D. oder Untersuchungsausschüssen im Parlament.Es tauchen Akten auf, die teilweise geschwärzt wurden. Wichtige Informationen wurden mit einem dicken schwarzen Stift durchgestrichen und dann kopiert. Das ist natürlich auch beim Versicherungsdatenauszug möglich. Ich mache alle Angaben unleserlich, die sich nicht direkt auf die Firmenanmeldungen beziehen (Arbeitslosigkeit, Krankenstände, eventuell Versicherungssummen) und kopiere den Auszug. Seien Sie Agent in eigener Sache.

Schlussendlich entscheiden Sie, welche Daten Sie weitergeben.


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