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Stellenanzeigen und Inserate – Auf was muss ich achten? (Teil 1)

Es kommt nicht nur auf den Text an

Stellenanzeigen gehören zur Unternehmenskommunikation. Die schlechte Nachricht für alle Bewerber/innen vorweg: Stellenanzeigen sind nicht nur da, um möglichen  Bewerber/innen einen Job anzubieten. Sie sind auch Visitenkarten oder Werbeeinschaltungen für das Unternehmen. Und selbst wenn eine Stelle ausgeschrieben wird, sollten Sie als Bewerber/in stets bedenken, dass es auch noch eine Ausschreibung hinter der Ausschreibung gibt. Die sogenannten K.O.-Kriterien finden Sie aus gesetzlichen Gründen meist nicht in den Stellenanzeigen (Alter, Geschlecht, Unternehmen der Konkurrenz, bestimmte Ausbildungsformen, die nicht akzeptiert werden etc.).

Doch wir wollen diese Herausforderung annehmen. Die Stellenanzeigen gründlich zu lesen und richtig zu interpretieren, lautet deshalb die Regel Nummer Eins für alle, die einen Job suchen. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:

  • “Worauf kommt es bei der angebotenen Stelle an?”
  • “Erfülle ich die Voraussetzungen?”
  • “Erfüllt die Firma meine Erwartungen an einen Arbeitsplatz?”

Diese Fragen sollten Sie ganz klar mit einem “JA” beantworten können, wenn Sie sich Kummer und Frust ersparen wollen. Ziel ist es zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Aber wo finde ich die richtigen Informationen zum Unternehmen? Keine Sorge: Es war noch nie so leicht, Informationen über ein Unternehmen einzuholen. Wenn Sie etwas über die Firma ihrer Wahl wissen wollen, können Sie sich jederzeit im Internet informieren. Portale wie https://www.kununu.com geben wertvolle Informationen – gerade in Bezug auf das Unternehmen und über die Bewerbungsvorgänge.

Der Basis-Check: Die Aufmachung der Anzeige

Wortwahl, Layout und Erscheinungsbild einer Stellenanzeige liefern wichtige Hinweise auf das Selbstverständnis des Unternehmens und die Art und Weise, wie eine Firma oder ein Unternehmen gesehen werden möchten. Es ist auch nicht ganz unwichtig, wo das Inserat veröffentlicht wird/wurde. Finden Sie das Inserat auf einer kostenlosen Kleinanzeigenplattform, können Sie bereits darauf schließen, dass die Firma nicht viel Geld investieren möchte, um die richtigen Mitarbeiter/innen zu finden. Veröffentlicht das Unternehmen in einer großen Zeitung, auf einer Viertelseite etwa, lässt dies auch Schlüsse auf Budget und Professionalität des Bewerbungsverfahrens zu. Die Größe der Anzeige zeigt auch, wie wichtig die Firma sich und die angebotene Stelle nimmt. Ein Weltkonzern wird eine/n Vorstandsvorsitzende/n kaum mit einem einspaltigen Stellenangebot im Kleinanzeigenteil der Kronenzeitung inserieren (wenn eine solche Position überhaupt per Inserat gesucht wird) und ein/e einfache/r Sachbearbeiter/in wird normalerweise nicht mit einer zweispaltigen, gerahmten, bunten und formatfüllenden Zeitungsanzeige umworben.

Die Art, wie der/die Bewerber/in angesprochen wird – sachlich reduziert oder betont locker – lassen auf den Umgangston in der Firma schließen. Die sprachliche und grafische Gestaltung ergeben zumeist ein schlüssiges Bild über das Unternehmen. Handelt es sich um eine/n Arbeitgeber/in, der/die sich betont cool und locker gibt oder herrschen doch noch konservative Umgangsformen? Auch dies gilt es zu berücksichtigen. Finden Sie das Inserat z.B. im AMS Jobroom, wo kaum grafische Mittel zugelassen werden, suchen Sie das Inserat auch noch in anderen Medien oder auf der Homepage des Unternehmens. Je öfter ein Inserat inseriert ist, desto breiter wird die Suche angelegt. Den sprachlichen und grafischen Eindruck des Inserats können Sie in Ihren Bewerbungsunterlagen spiegeln. Wir mögen das, was uns bekannt vorkommt und uns ähnelt. Spricht das Inserat Sie mit “Du” an und sind die Formulierungen auch sonst recht frech und witzig, dann dürfen Sie sich Gedanken darüber machen, ob Sie ebenfalls ein wenig frech daherkommen wollen. Aber im Zweifel würde ich es bei einer sehr “klassischen” Bewerbung belassen (wenig Farben, klare Strukture, angenehme Schrift, höfliche Formulierungen im Anschreiben). Weniger ist oft mehr!

Sind Sie unsicher: Greifen Sie zum Telefonhörer

Vorweg gilt: Ist ein Stellenangebot sehr allgemein formuliert, lohnt es sich den Telefonhörer in die Hand zu nehmen oder das Handy aus der Hosentasche zu fischen: Ein Anruf bringt Klarheit. Hier ein Beispiel.

Liebe Job-Suchende!
Was bei uns zählt bist du, du als Mensch und nicht deine Qualifikationen!
Wir, XYZ, arbeiten mit namhaften Firmen zusammen und verhelfen dir, mit deinem Willen zu arbeiten, aufgrund unserer guten Kontakte zu einem Job!
Wir haben laufend offene Stellen im Raum Wien und Umgebung!
Interesse geweckt, dann melde dich bei uns per E-Mail, bewerbung@xyz.at mit deinem Lebenslauf um dich zu einem persönlichen Gesprächstermin einladen zu können.
LG dein XYZ

Bei diesem Inserat – es handelt sich um ein Original-Inserat; nur das Unternehmen wurde anonymisiert – finden Sie keinen einzigen Hinweis auf das, was genau gesucht wird. Das Inserat kommt locker daher und richtet sich vorallem an junge Menschen. Es gibt offensichtlich keinen Bedarf an Qualifikationen; man weiß aber auch nicht, welche Anforderungen das Unternehmen hat, was der Aufgabenbereich ist und wie das Dienstverhältnis gestaltet wird. Die Stellenanzeige klingt ideal für alle, die keine oder kaum Berufserfahrung haben und die ersten Schritte im Job machen wollen. Doch hier würde ich mich im Internet zuerst schlau machen, Informationen einholen, dann das Unternehmen anrufen und direkt fragen, was eigentlich gesucht wird. Sie ersparen sich vielleicht Mühe bei der Bewerbung.

(to be continued: Im nächsten Teil wird der Aufbau von Stelleninseraten dargestellt.)

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