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Manpowerstudie: Fachkräftemangel in Österreich überdurchschnittlich

manpower_studieDie Firma Manpower bietet interessantes Studienmaterial zum Thema Fachkräftemangel an. Die Studie ist vor allem deshalb interessant, weil sie einen internationalen Vergleich bietet und relativ genaues Datenmaterial anbietet. So gibt es jeweils eine Top-10 der Mängelberufe augeschlüsselt nach Regionen und Ländern. Ebenso wird erhoben, wieviel Prozent der Unternehmen entsprechende Stellen nicht besetzen können.

Das Unternehmen, das ich gerne als die Mutter aller Personaldienstleiter bezeichnet, befragte nach eigenen Aussagen 41.700 Personaler/innen in 42 Ländern.

Unter dem Wort “Fachkräftemangel” versteckt sich eine unangenehme Tatsache für viele Unternehmen. Sie schaffen es nicht, ausgeschriebene Stellen zu besetzen. In Österreich liegt der Fachkräftemangel laut Studie bei 39 Prozent. Das ist ein Prozent mehr als der Durchschnitt der 42 erhobenen Länder. In der Schweiz liege man sogar bei 41 Prozent und in Deutschland bei 46 Prozent. In Österreich blieb der Wert in den letzten vier Jahren eher konstant um die 40 Prozent.

Allerdings sind diese Zahlen sehr zu relativieren, da sie nicht nach Branchen differenzieren. Die Studie bringt auch die Top 10 der Berufe, die in jeweiligen Land unter einem vermeintlichen Fachkräftemangel leiden. Im verfügbaren PDF finden wir leider keine Aufstellung für die Schweiz.

2015 STUDIE FACHKRÄFTEMANGEL: ERGEBNISSE ÖSTERREICH

Die Befragung von 752 Personen ergab folgendes Ranking:*

  1. Facharbeiter/Handwerker
  2. Techniker
  3. Fahrer
  4. Assistenz/Bürokräfte
  5. Manager und Executives
  6. Vertriebsmitarbeiter
  7. Ingenieure
  8. IT-Fachkräfte
  9. Finanz- und Rechnungswesen
  10. Krankenschwestern/-pfleger

*Leider wurden die Bereiche Handwerk und Fahrer nicht weiter differenziert (Welche Sparten? C95 oder B-Fahrer etc.)

2015 STUDIE FACHKRÄFTEMANGEL: ERGEBNISSE DEUTSCHLAND

Anzahl der Befragten: 1000. Folgendes Ranking wurde erstellt.*

  1. Facharbeiter / Handwerker
  2. Manager / Executives
  3. Techniker
  4. IT-Fachkräfte
  5. Ingenieure
  6. Finanz- und Rechnungswesen
  7. Vertriebsmitarbeiter
  8. Vertriebsleiter
  9. Fahrer
  10. Ärzte/Medizinische Berufe (kein Pflegepersonal)

*Auch hier finden wir keine wirkliche Differenzierung im Handwerk. Es entsteht auch der Eindruck, dass in Deutschland unter “Fachkräfte” sehr stark leitende Positionen gemeint sind. Die Anzahl der Befragten ist mit 1000 im Vergleich mit Österreich gering – gemessen an der Bevölkerung.

Neben den direkten Auswirkungen auf die Unternehmen, werden auch die Gründe für den jeweiligen Fachkräftemangel definiert. Dieses Ergebnis war für mich doch etwas überraschend.


Die Top 5 Gründe für den Fachkräftemangel:

  1. Zu wenige oder keine Bewerber/innen: 35 Prozent
  2. Unzureichende Fachkenntnisse: 34 Prozent
  3. Fehlende Erfahrung: 22 Prozent
  4. Fehlende soziale Kompetenzen: 17 Prozent
  5. Bewerber/innen fordern zu viel Gehalt: 13 Prozent

Angesichts der Tatsache, dass eine der Vorzeigemaßnahmen in Österreich darin besteht, Lehrlinge und Facharbeiter/innen (gerade in Handwerksberufen) über sogenannte “überbetriebliche Ausbildungen” nachzuqualifizieren und dann in den Arbeitsmarkt zu intergrieren, stimmen diese Zahlen nachdenklich. Absolvent/innen aus sogenannten überbetrieblichen Ausbildungen lernen ja in einer Schulungsmaßnahme und nicht in einem Unternehmen. Aus meiner täglichen Praxis mit Bewerber/innen, die eine derartige Ausbildung absolviert haben, weiß ich, dass gerade Grund 2 und Grund 3 immer wieder angeführt werden.

Vergleiche ich die Liste von Manpower mit jenen Berufen, die 2015 noch über das Fachkräftestipendium des AMS subventionniert werden, so ergeben sich doch deutliche Unterschiede.

Das AMS listet nur mehr 5 Branchen auf (früher waren es mehr).

  • Bau, Holz (LAP)
  • Elektrotechnik (Elektro + Mechatronik)
  • Gesundheit / Pflege (Assistenz und Pflegeberufe)
  • Informationstechnologie (Netzwerk, Biomedizinische Technik, Softwarenentwicklung auf HTL und Kollegniveau)
  • Metall (Gebäudetechnik, Gießerei, Schlosserberufe etc.)

Legt man die beiden Listen zusammen (Manpowers Erhebung und die Fachkräftemängelliste), dann kommt man zum Schluss, dass das Fachkräftestipendium im Wesentlichen Punkt 1 und 2,  8 und 10 der Liste abdeckt. Allerdings muss gesagt werden, dass in der Vergangenheit auch immer wieder Fahrerausbildungen gezahlt wurden und Bürokurse veranstaltet wurden. Allerdings wird diese Möglichkeit der Nachqualifizierung auch wieder eingestellt.

Das Thema Fachkräftemangel wird uns sicherlich noch  eine Weile beschäftigen.


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