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Lehrlinge immer unzufriedener mit Ausbildung/Job

ÖGB und ÖGJ präsentierten Lehrlingsmonitorergebnisse

Wer ein wenig in das Recruiting hineinschaut und auch mit Personaler/innen spricht, weiß, dass das duale Ausbildungssystem – kurz die Lehre genannt – eine wichtige und einzigartige Form der Ausbildung ist. Junge Menschen haben die Möglichkeit schnell in einen Beruf hineinzufinden, mit einer Ausbildung abzuschließen und in der Folge dann sogar die nächsten Schritte zu setzen. Allerdings steht die Lehre immer wieder zur Diskussion. Inhaltlich wie formal.

Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund beteiligt sich mit den Ergebnissen einer Studie an dieser Diskussion und sieht eine Kluft zwischen Anspruch der Ausbildung und der Tatsache, dass immer weniger junge Menschen die Lehre anstreben oder viele von ihnen die Ausbildung gar vorzeitig abbrechen. Die Gewerkschaften sehen schon seit Jahren eine Kluft zwischen Ausbildungsinhalten, die per Gesetz geregelt sind und der tatsächlichen praktischen Vermittlung im Lehrbetrieb. Durch die Ergebnisse des “Lehrlingsmonitors 2016/2016” soll diese These auch ganz deutlich belegt werden.

Schlechtes Arbeitsklima

Laut Presseaussendung durch Florian Kräftner vom ÖGB ist die Situation sehr angespannt.

“Dramatisch ist laut Arbeitsklima-Index die Einschätzung der eigenen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten durch die jungen Beschäftigten: Waren 2008 damit noch mehr als zwei Drittel aller unter 26-Jährigen zufrieden, so ist es 2015 nicht einmal mehr die Hälfte.„Bei der Arbeitszufriedenheit besteht dringender Handlungsbedarf. Das betrifft vor allem die Ausbildungsqualität, arbeits- und sozialrechtliche Fragen, die Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb und das Arbeitsklima“, sagt Ernszt. Zu den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen im Lehrlingsmonitor gehören: Einzelhandel, MalerIn und BeschichtungstechnikerIn, Hotel- und GastgewerbeassistentIn, FriseurIn und PerückenmacherIn, Gastronomiefachmann/-frau, Koch/Köchin, Restaurantfachmann/-frau und Karosseriebautechnik.”

Weitere Ergebnisse lesen sich in der Kurzzusammenfassung erschreckend: Überstunden, die nicht immer freiwillig geleistet werden würden, schlechte Arbeitszeitaufzeichnungen, wenig Unterstützung bei der Lehrabschlussprüfung etc.  Auch sehr interessant empfinde ich die Tatsache, dass viele Lehrlinge, die zeitlichen Rahmenbedingungen als belastend empfinden. 72 Prozent der Befragten monieren hohe Einschränkungen in der Freizeit, etwa durch die Anfahrtszeiten in die Berufsschule.

Interessant ist jedoch auch das Lehrstellenranking. Hier sind auch einige spannende Ergebnisse, die so nicht vorauszusehen waren: Ein Lehrberuf wie Karosseriebautechniker steht weit niedriger im Ranking als jener eines Maurers. Ich gebe zu, dass ich diese Einschätzung so nicht getroffen hätte. Einige dieser Ergebnisse sind verblüffend.

Aus der täglichen Praxis höre ich immer wieder eine gewisse Unzufriedenheit ehemaliger Lehrlinge mit den auszubildenden Betrieben. Sehr oft ist das Verhältnis zu den Vorgesetzten ein Thema.

Was der Index nicht zeigt…

Die Studie dürfe durchaus repräsentativ sein, da eine Stichprobe von 6495 Lehrlingen im letzten Berufsschuljahr herangezogen wurde. Leider geht das Lehrlingsmonitoring nicht auf die “überbetrieblichen Lehrausbildungen” ein, sprich auf Lehrlinge, die nicht mehr zur Berufsschule gehen müssen. Die Ergebnisse wären in diesem Bereich sehr interessant.

Ausbildung verbessern, Mitbestimmung erleichtern

Die Forderungen der Gewerkschaft sind klar: weniger fachfremde Tätigkeiten während der Lehrausbildung, also kein “Wurstsemmerlholen” und mehr aktives Einbinden der Lehrlinge. Auch die innerbetriebliche Mitbestimmung durch die Lehrlinge soll gestärkt werden. Eine Thematik, die nicht angesprochen wird, ist die Idee, die Lehre erst mit 17 oder 18 Jahren frühstmöglich zu beginnen und ein zweites Jahr der Vorbereitung einzubauen.  Diese Idee hat aus meiner Sicht sehr viel Charme, da aus meiner Sicht die Lehre für viele zu früh kommt und die Reparaturen einer abgebrochenen Lehre nachher von der Allgemeinheit getragen werden (müssen).


Link: Lehrlingsmonitor 2015/2016

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