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Köche und Köchinnen sind nun offiziell ein Mangelberuf. Wird nun alles gut?

Lange Zeit wurde darüber diskutiert. Insbesondere die Hotellerie und die Gastronomie  in den westlichen Bundesländern klagt und stöhnt schon seit längerer Zeit über den Mangel an qualifiziertem Personal – vor allem in der Küche, aber auch im Service und in anderen Bereichen. Mit der Reform der sogenannten “Mangelberufsliste” wurde nun von der FPÖVP-Regierung auch die Gastronomie und Hotellerie erhört. 2019 wird es leichter Köch*innen aus Nicht-EU-Staaten nach Österreich zu holen.

Aber wieso ist der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten notwendig, wenn in Österreich ca. 376.000 Menschen eine Arbeit suchen und Menschen aus den EU-Staaten (mit Ausnahme von Kroatien) sowieso jederzeit in Österreich arbeiten dürfen? Die Antwort ist einfach: Die Branche findet kein Personal…

Es gibt einen einfachen Schlüssel, der dies belegt und der auch darüber entscheidet, ob ein Beruf zum Mangelberuf wird oder nicht. Durch eine Vereinbarung der Sozialpartner (Gewerkschaft und Arbeitgebervertreter) gilt ein Beruf dann als Mangelberuf, wenn nach der so genannten “Stellenandrangziffer” auf eine offene ausgeschrieben Stelle weniger als 1,5 Arbeitslose kommen. Hüterin dieser Rechnung ist das Arbeitsmarktservice.

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Viele Köche verderben ja den Brei, wie ist es denn, wenn die Politik mitmischt?

Köch*innen bundesweit Mangelberuf

Bleiben wir bei den Gaststätten-Köch*innen, die es ja auf die bundesweite Mangelliste geschafft haben. Laut “Wiener Zeitung”, die sich auf Zahlen des AMS beruft, lag die Stellenrandziffer bei Köch*innen im November bei 1,4 in Österreich. Mit anderen Worten: Laut AMS kommen auf eine ausgeschriebene Stelle als Koch oder Köchin gerade einmal 1,4 arbeitslose Köch*innen/Bewerber*innen. Allerdings gäbe es laut Wiener Zeitung regionale Unterschiede. In Wien seien zum Beispiel  884 Köch*innen arbeitslos gemeldet. Man verzeichne in Wien jedoch 258 offene Stellen. Dies ergäbe eine – das Wort ist ach so schön – Stellenrandziffer von 3,4. Das liegt weit vom Schwellenwert für Mangelberufe entfernt.

In Wien dürften die Gaststättenköch*innen also kein Mangelberuf sein. Sind sie aber ab 2019, weil der Beruf auf die Bundesliste kommt. Wieso ist das wichtig? Die aktuelle Bundesregierung hat die Bundesliste um eine sogenannte regionale Liste erweitert.  Diese Liste umfasst etliche Jobs mit 300 Plätzen. Eine Zahl, die durchaus überschaubar ist und den Schluss nahe legt, dass der Fachkräftemangel zumindest unter quantitativen Gesichtspunkten nicht so hoch sein kann.

Abgesehen von der Tatsache, dass es in Wien und im Burgenland keinen einzigen zusätzlichen Mangelberuf gibt, soll diese regionale Liste zielgenauer sein. Bleiben wir einmal kurz bei den lebensmittelverarbeitenden Berufen. Da fällt auf, dass in Oberösterreich auch die Zuckerbäcker*innen, Fleischer*innen und Bäcker*innen als Mangelberuf gelten. In Vorarlberg sind die Bäcker*innen ebenfalls zum Mangelberuf geworden. Versteht man die Liste richtig, sollte es in allen anderen Bundesländern genug Fleischer*innen und Bäcker*innen geben. Wahrscheinlich glaubt man, dass es einfacher ist einen Bäcker in Moldawien zu finden als in Salzburg oder in Wien.

Abschiebung von Lehrlingen in der Gastronomie und in anderen Sparten

Dies bedeutet natürlich auch Änderungen im Bereich der Rot-Weiß-Rot-Karten. Änderungen, die die Bundesregierung im Falle von auszubildenden Flüchtlingen nicht machen wollte. Bekannt sind einige Fälle von Flüchtlingen, die in geregelten Lehrverhältnissen vor allem in der Gastronomie und in verwandten Berufen stehen. Stellvertretend sei das Beispiel von Qamar Abbas genannt, der in einem Lustenauer Betrieb als Lehrling arbeitete. Abbas wurde Anfang Oktober abgeschoben. Dies ist natürlich für ein Unternehmen, das ausbilden will und sich um Mitarbeiter*innen bemüht ein Thema.

Der Beitrag spricht eine deutliche Sprache. Ein Fazit könnte sein: Es führt wahrscheinlich kein Weg um die Ausbildung herum. Vor allem wenn man folgende Tatsache bedenkt: Ein Kriterium für den Zuzug aus dem Nicht-EU-Ausland ist jedoch die Tatsache, dass es sich tatsächlich um Facharbeiter*innen handelt. Dies sei jedoch laut dem Tiroler  AMS-Chef Anton Kern nicht immer gewährleistet. Die Tiroler Tageszeitung zitiert den lokalen AMS Chef wie folgt:

“Die Herausforderung werde aber nach wie vor sein, dass Fachkräfte aus Drittstaaten überhaupt die entsprechende Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse mitbringen, wie es das Ausländerbeschäftigungsgesetz vorsieht. Denn letztlich könne erst anhand dieser Kriterien eine Job-Bewilligung erteilt werden. ‘Oft erfüllen die Anwärter diese Kriterien nicht’, so Kern. Er gehe nicht davon aus, dass man diese Kriterien ändern wird. ‘Wichtig ist nämlich, dass es auch tatsächlich um Fachkräfte geht.'”

Es wird also wahrscheinlich nicht anders gehen, als entweder nach neuen Wegen im E.U.-weiten Recruiting zu suchen – oder eben junge Menschen auszubilden. Hier läge jedoch laut Arbeitgeberseite die Krux begraben. Man klagt über zu wenig geeignete Lehrlinge (siehe Interview Vol.at). Auch die Präsidentin der österreichischen Hoteliervereinigung, Michaela Reitterer, meint, dass der Fachkräftemangel nicht hausgemacht sei. Es läge eher an den Bewerber*innen.

“Genau dieses Herz und die Liebe für den Job – und dadurch letztlich für den Gast – fehle den meisten heutigen Bewerbern, bedauert Michaela Reitterer (…). Sie nimmt die Ausbildung in die Pflicht: ‘Wir  haben eine Unzahl an Tourismusschulen, wir stampfen einen Fachhochschullehrgang nach dem anderen aus dem Boden – aber heraus kommen junge Leute, die eigentlich gar nicht vor haben, langfristig im Tourismus zu bleiben.’ Kopfnicken im Publikum, als sie nachsetzt. ‘Da wird am Markt vorbei produziert. Leute, die ungeeignet für den Beruf sind, werden für Dinge ausgebildet, die niemand (mehr) braucht – und dann wundern wir uns, wenn sie der Branche nach kurzer Zeit den Rücken kehren!'” (Unabhängige Zeitschrift für Gastronomie, Hotellerie und Kaffeehäuser, Ausgabe 11/2018, Seite 33).

Mangelberufsliste keine Patentlösung

Auf der einen Seite wird also angeblich an den Bedürfnissen der Branche vorbei produziert, die Bewerber*innen seien zudem ungeeignet. Auf der anderen Seite will man Fachkräfte aus der ganzen Welt holen, wobei man nicht sicher stellen kann, dass es sich wirklich um Fachkräfte nach österreichischen Standards handelt. Zum Drüberstreuen schiebt man jene ab, die den Beruf bereits vor Ort lernen, nur weil sie den “falschen” Pass haben. Hier greifen wahrlich die Räder von Politik und Wirtschaft trefflich ineinander.

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