Die Wiener Stadtwerke stellen 100 neue Lehrlinge ein

Das Unternehmen wünscht sich mehr weibliche Lehrlinge in technischen Berufen

Die Wiener Stadtwerke suchen für das kommende Jahr “Jugendliche mit einem gutem Abschlusszeugnis und dem nötigen Biss” für insgesamt 100 Lehrstellen. Interessierte können sich noch bis Ende Februar 2017 bei den Wiener Stadtwerken vorstellen. Das Verfahren ist dabei klar strukturiert. Es funktioniert nach dem Trichter-Prinzip. Nach einer Sichtung der Bewerbungen werden die Kandidat/innen zu einem zweistufigen Auswahlverfahren eingeladen. Die erste Stufe ist ein Online-Aufnahmetest. Wird dieser bestanden, folgt ein Lehrlingscasting, bei dem die passenden Lehrlinge ausgewählt werden.

Die Wiener Stadtwerke – laut Eigendefinition “Wiens großer Infrastrukturkonzern” – werden auch 2017 in zwölf Berufen ausbilden (siehe Liste unten). Darüber hinaus hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, die Zahl weiblicher Lehrlinge in technischen Berufen zu erhöhen. Besonders wichtig sei dies dem verantwortlichen Personalvorstand Peter Weinelt und dem zentralen Lehrlingsmanagement.

„Wir haben leider traditionell zu wenige Mädchen, die sich für eine Ausbildung in Elektrotechnik oder Metalltechnik bewerben. Das muss sich ändern. Ich verstehe nicht, warum es interessanter sein soll, Friseurin oder Einzelhandelskauffrau zu werden. Elektrotechnikerin zu werden ist cooler, und man verdient später auch mehr Geld“, sagt Weinelt.

Gendergap zwischen “männlichen” und “weiblichen” Berufen

In der Tat gibt es noch immer (Lehr)berufe mit einem sehr hohen weiblichen und einem sehr hohen männlichen Anteil – und auch spezielle Anreize wie “Frauen in Technik”, “Girls Day” und andere Initiativen scheinen dies nicht zu ändern. Die Berufswahl erfolgt auch noch in den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts nach Berufen, in denen das eigene Geschlecht überproportional vertreten ist. 2015 war der beliebteste Beruf bei Mädchen “Bürokauffrau” mit 11,67 Prozent, gefolgt von Friseurin (9,81 Prozent) und Einzelhandelskauffrau im Lebensmittelhandel (7,99 Prozent). Legt man alle Sparten des Einzelhandels zusammen, kann man sagen, dass jede vierte (sic!!) junge Frau ihre Lehre im Handel absolviert. Bei den Burschen entfallen 14,86 Prozent auf den Bereich Metalltechnik, 11,48 Prozent auf Elektrotechnik und 9,45 Prozent auf KFZ-Technik. Diese Zahlen entstammen der Lehrlingsstatistik der WKO und zeigen einen österreichweiten Trend. Ein Lehrling bekommt im Handel im ersten Lehrjahr meist 526 Euro (2016, je nach Betrieb und Sparte ist natürlich eine höhere Lehrlingsentschädigung möglich). Hingegen bekommt ein Lehrling in der Sparte Metallbearbeitung bereits  568,52 Euro – ebenfalls im ersten Lehrjahr. Würde man die “typisch weiblichen” und die “typisch männlichen” Lehrberufe samt Gehältern abgleichen, wäre sofort ersichtlich, dass der Unterschied beim Einkommen zwischen Mann und Frau auch durch die Wahl des Lehrberufs definiert wird.

Diversität

Darüber hinaus interessiert natürlich auch ein weiteres Thema. Ist die Lehre bei einem großen Konzern ein Reservat für jugendliche Schulabgänger/innen oder dürfen auch junge Männer und Frauen, die bereits volljährig sind, eine Lehre beginnen? Die Wiener Stadtwerke sind, laut Konzernsprecher Thomas Geiblinger, sehr offen für Bewerber/innen, die etwas älter sind. Auch in diesem Punkt verschreibt man sich der Diversität. Lehrlinge, die bereits über einen Lehrabschluss verfügen oder eine Matura haben, seien ebenso willkommen. Vereinzelt beschäftige man  junge Erwachsene als Lehrlinge. Ältere Erwachsene (25+) sind – so Konzernpressesprecher Geiblinger weiter – derzeit noch nicht als Lehrlinge beschäftigt. “Vereinzelt” bedeutet, dass man auch hier eher einem allgemeinen Trend folgt. Immerhin waren 2015 60 Prozent aller Lehrlinge nicht älter als 15 oder 16. Nimmt man Handwerk, Gewerbe und Industrie als Maßstab sind es knapp über 70 Prozent. Bei den Stadtwerken stehe man dem Thema jedoch nicht abgeneigt gegenüber. Derzeit plane man jedoch nicht, die duale Ausbildung über die Lehre hinaus auf andere Ausbildungsbereiche auszuweiten, wie dies bereits in vereinzelten Unternehmen passiert. So sei ein duales Studium derzeit (noch) nicht geplant.

Um sehr gute Auszubildende für ein Unternehmen zu gewinnen, müssen mittlerweile auch Anreize geboten werden. Abgesehen vom bereits angesprochenen Gehalt haben junge Menschen, die eine Lehre bei den Wiener Stadtwerken beginnen, dem Einvernehmen nach, eine sehr hohe Chance übernommen zu werden. Die Übernahmequote liege bei über 80 Prozent. Außerdem würden fast alle Lehrlinge die begonnene Ausbildung auch abschließen, was für die Generation Y, die ja wieder sehr nach sicheren Arbeitplätzen giert, ein wichtiges Argument sein kann. Insgesamt bilden die Wiener Stadtwerke derzeit rund 450 Lehrlinge aus.

Die Lehrberufe im Detail und die Hot-Spots

Die von den Stadtwerken angebotenen Lehrstellen werden auf die Bereiche Energie, Mobilität und Bestattung aufgeteilt. Die Liste der einzelnen Berufe erfolgt in alphabetischer Reihenfolge:

Betriebslogistikkaufmann/-frau, Bürokaufmann/-frau, Elektronik, Elektrotechnik, Florist/Floristin, Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Gartenbau, Mechatronik, Metalltechnik.

Interessanterweise setzt sich auch bei einem großen Unternehmen wie den Stadtwerken ein weiterer Trend fort. Es scheint immer schwieriger Lehrlinge für die klassischen Handwerks- und Gewerbeberufe zu bekommen. Das Unternehmen erhielte nicht genügend Bewerbungen für die Lehrberufe Elektrotechnik, Metalltechnik, Gartenbau sowie Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik. Anders formuliert: Die Chancen in einem dieser Mängelberufe einen Lehrstelle zu bekommen wird höher sein, als in anderen Bereichen.


Weitere Infos unter www.wienerstadtwerke.at/karriere

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