Das Kreuz mit den Antwortschreiben…oder Schweigen ist nicht immer Gold

Einer der häufigsten Beschwerden, die ich in Beratungen bekomme ist, dass die Firmen sich nicht einmal die Mühe machen, ein Absageschreiben zu verfassen. Vor Jahren beschwerten sich die Bewerber*innen über die Serienbriefe, die eine meiner Kund*innen als “Leider-Briefe” bezeichnete. “Leider können wir Ihnen…”

Heute wären die meisten schon sehr froh über einen solchen Brief, handelte es sich um ein Lebenszeichen seitens der Firma. Ich weiß schon. Heute geht das bei der Vielzahl von Bewerber*innen nicht mehr und der Kostendruck und die Flut an Bewerbungen und, und, und…

Dabei sollte Ihnen etwas klar sein, liebe Fimen. In den letzten Jahren stiegen die Anforderungen an die Bewerber*innen. Es reicht nicht nur mehr einen sauberen Lebenslauf und ein gutes Bewerbungsschreiben zu verfassen. Es werden jede Menge Fertigkeiten von den Bewerber*innen vorausgesetzt, um überhaupt am Bewerbungsprozess teilhaben zu können. Der Umgang mit E-Mail und Textverarbeitung ist z.B. eine Qualifikation, die ich in vielen Fällen nicht in meinem Berufsleben brauche und dennoch…

Ich finde es herrscht wenig Symetrie in der Kommunikation. Dadurch, dass Bewerber*innen keine Antwort erhalten, werden sie wieder zu Bittstellern, die womöglich noch selbst nachfragen müssen, wie es denn nun um den Bewerbungsstatus steht. Ok. Das kann ich noch unter Inititative verbuchen. Wenn dann Bewerber*innen auf Nachfrage jedoch recht unhöflich angepflaumt werden, dass die Firma sich schon melden würde, fehlt es mir ein wenig an Verständnis.

Liebe Personaler*innen! Nicht nur die im 4-Farbendruck erschienene Stellenanzeige auf der ersten Seite der samstäglichen Karriereausgabe in der Zeitung ihres Vertrauens ist Werbung. Auch das Absagen von Bewerbungen gehört dazu.

In einem Interview mit Helmuth Stöber, dem Studienleiter von “Career’s Best Recruiters” wird berichtet, dass noch immer 30 Prozent der Unternehmen nicht auf Initiativbewerbungen antworten. Auf die Frage: 

70 Prozent der Firmen reagieren laut Ihrer Studie auf Initiativbewerbungen. Ist das ein guter Wert?” antwortete Stöber:

Noch nicht, denn jeder Bewerber verdient eine Antwort. Eine Reaktion innerhalb von zwei Wochen muss einfach erfolgen. Der wertschätzende Umgang hat sich schon verbessert, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Hinter jeder geschriebenen Initiativbewerbung stecken Interessen am Arbeitgeber selbst und erheblicher Aufwand. Diesen Einsatz nicht zu honorieren, macht schlechte Stimmung gegen die Marke – und kann auch viele Anstrengungen, die Top-Recruiting ausmachen, zunichte machen.” (Interview mit DerStandard.at) Und die Rede ist hier von Initiativbewerbungen – sprich Bewerbungen, die nicht als Reaktion auf ein Stellenangebot getätigt werden.

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