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Bessere Lebensläufe …

oder wie Sie verhindern, dass Ihr Lebenslauf Sie dequalifiziert.

Meine Mutter pfegte oft zu sagen:  “Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”. Dieser Spruch ist mir noch allzu gut im Gedächtnis. Für Lebensläufe gilt dieses Sprichwort mehr denn je. Allerdings mit einer kleinen Ergänzung. “FALSCHE Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr” sollte als eine Art inoffizielles Motto beim Abfassen des Lebenslaufs gelten.

Worauf kommt es beim Lebenslauf an?

Das Bewerbungsportal Karriere.at versuchte diese Frage zu beantworten und startete vor einiger Zeit eine Umfrage. Man befragte 123 Personalverantwortliche nach den K.O.-Kriterien in einem Lebenslauf.

Knapp 40 Prozent der befragten Personalverantwortlichen bemängelten, dass sich in den Lebensläufen sehr oft irrelevante – also für die ausgeschriebene Position unwichtige – Informationen befänden. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, dass viele Kandidat/innen sich mit einer schlechten Struktur und wenig übersichtlichen Unterlagen aus dem Rennen kicken würden. 22 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen führten die Lücken als K.O.-Kriterium an.

Fast schon süffisant kommentierte “Der Standard” diesen Punkt: “Die vielzitierten “bunten” Biografien der modernen Arbeitswelt, in denen auch Brüche und Lücken nicht schaden, sind offenbar in der Wirklichkeit noch nicht angekommen.” Veraltete Angaben spielen hingegen nur bei 6 Prozent der Befragten eine Rolle. Der Spagat ist also schwierig. Der Lebenslauf soll passgenau sein, Lücken sind jedoch trotzdem ein Thema – und das Ganze soll auch noch schnell lesbar sein, was nicht zwangsläufig bedeuten soll, dass ein Lebenslauf nicht länger als eine Seite sein darf. Grundsätzlich gilt: “Gut gegliederter Inhalt, kommt vor der hübschen Form”. Dies ist auch ein wichtiger Punkt  den Freunde von allzu kreativen Lebensläufen im Hinterkopf behalten sollen.

Genauigkeit bei den Jahreszahlen

Die Relevanz der gemachten Angaben und Lücken ist natürlich ein besonders heißes Eisen, wenn es um die genaue Angabe der Dienstverhältnisse geht. Die alleinige Angabe von Jahreszahlen ohne Monate bedeutet für viele Personalist*innen schlichtweg, dass eine Lücke kaschiert werden soll. Die tatsächliche Berufserfahrung wird meistens mit einer Angabe im Stil von “2014-2015” eher verschleiert. 2014 bis 2015 bedeutet, dass der oder die Bewerber*in  zwei Monate, aber vielleicht auch zwei volle Jahre gearbeitet hat. Die mögliche Spannweite ist in jedem Fall so groß, dass nur sehr schwer eine Bewertung vorgenommen werden kann.

Mehr als den Firmennamen hinschreiben

Auch wenn die fiktive Firma Müller & Sohne CoKG existieren würde und ein absoluter Kracher in ihrer Branche wäre, so würde der Firmenname als alleinige Referenz nicht reichen. Viele Bewerber*innen schreiben, dass sie bspw. zwischen 01/2017 und 03/2018 bei der Firma XYZ gearbeitet hätten und gehen davon aus, dass diese Ansage ausreicht um den richtigen Job zu finden. Man muss schon auf eine*n ausgesprochene*n Kenner*in der Branche treffen für den die alleinige Namen der Firma ausreichend genug ist. Es schadet absolut nicht den genauen Beruf und die entsprechenden Tätigkeiten aufzulisten. Sie vereinfachen vielen Personaler*innen somit ungemein das Leben.

Inhalte bei einem Praktikum angeben

Auch Praktika sind Berufserfahrung. Bei jungen Kandidat*innen sind sie oft die einzige Erfahrung, die vorhanden ist. Bei Lehrlingen ist es generell die einzige Erfahrung. Auch potenzielle Lehrlinge geben meist nur an, dass sie beim Unternehmen XY eine Schnupperlehre oder berufspraktische Tage absolviert haben. Was sie genau gemacht haben, wird meistens nicht erwähnt.

Daher sollten die Erfahrungen und Lernprozesse, die in Praktika gemacht wurden (sofern keine Praktikumsbestätigung vorliegt, was auf jeden Fall sinnvoll ist) noch einmal im Lebenslauf aufgeschlüsselt werden. Der Grund: etwas was als Praktikum deklariert wird, kann auch ein verstecktes Dienstverhältnis gewesen sein. Mit anderen Worten: Der oder die Praktikant*in wurde vielleicht genauso eingesetzt wie die übrigen Angestellten, mit dem alleinigen Unterschied, dass er oder sie nur auf Praktikumsbasis im Betrieb war. Auch Ferialpraxis (Ferienjobs) sollten bei jungen Kandidat*innen nicht so schnell unter den Tisch fallen  – vor allem sind Ferienjobs während einer Ausbildung auch ein schöner Indikator dafür, dass man “etwas tut”.

11 Tipps für den besseren Lebenslauf

Leih- und Personalfirmen

Ich sehe immer wieder in Lebensläufen, dass der Name der Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsfirma (vulgo: Leihfirma) angegeben ist. Dies ist grundsätzlich richtig, da es sich ja um jene Firma handelt, bei der die/der Kandidat*in angestellt war. Allerdings gilt  bei Personalfirmen ein anderer Maßstab. Sie sind eine “verwaltungstechnische Größe” und sagen nichts über meine tatsächliche berufliche Erfahrung aus. Daher kann man es leicht auf den Punkt bringen: Bitte nicht nur die Zeitarbeitsfirma hinschreiben. Es bringt wenig, wenn man als Dienstgeber Manpower, Trenkwalder, Adecco oder Jobbox (oder wie auch immer sie heißen mögen) hinschreibt und tatsächlich als KFZ-Techniker für das Autohaus Radkappe GmbH gearbeitet hat. Sollte man bei einem Personaldienstleister über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Unternehmen geschickt worden sein, gilt wieder das Relevanzprinzip. Führen Sie bitte nur jene Positionen an, die für die Bewerbung wichtig sind.

Auf den roten Faden achten

Und dies bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Einer meiner jungen Kandidaten schrieb alle Jobs in den Lebenslauf hinein, denen er nachgegangen war. Dies ist prinzipiell löblich: Eine angebrochene Lehre im technischen Bereich, eine Anstellung in einem Supermarkt, eine Anstellung als Botenfahrer und eine geringfügige Anstellung (“Minijob”) als Sicherheitsmitarbeiter bei Konzerten und Fußballveranstaltungen standen zu Buche.

Wo liegt hier der rote Faden? Der Eindruck ist natürlich klar: Der Kandidat nimmt gerade das, was er bekommt, hat keine klare Zielvorstellung und springt von einer Tätigkeit zur nächsten. In Fällen wie diesen, sollte man versuchen den Lebenslauf zu “bügeln”. Ein einmonatiges Engagement als Botenfahrer kann schon mal aus dem Lebenslauf gestrichen werden, wenn es für die angestrebte Position keine Rolle spielt. Wenn die Lücke dadurch nicht zu groß wird und einen gewissen Erklärungsbedarf hervorruft, ist dies durchaus ein probates Mittel.

Online-Profil und Lebenslauf müssen passen

Hält Ihr Online-Profil auf XING und LinkedIn oder auf Facebook Schritt mit Ihrem Lebenslauf? Oder verschieben sich die Angaben sehr deutlich und sie besuchten laut Facebook “Die Schule des Lebens”?  Dann sollten Sie ihre Profile auf Vordermann oder Vorderfrau bringen. Ja, Profile werden auch gegoogelt. Personalentscheider*innen versuchen natürlich Informationen über Sie im Netz zu finden und werden diese abgleichen. Vielleicht nicht beim ersten Vorstellungsgespräch, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit dann, wenn Sie in die engere Auswahl kommen.

Nicht jeder AMS-Kurs oder jede Weiterbildung muss in den Lebenslauf

Weiterbildungen in den Lebenslauf hinein zu schreiben, ist durchaus sinnvoll. Sie illustrieren vor allem, dass man nicht faul auf der Haut liegt. Kontraproduktiv sind vor allem jedoch Weiterbildungen, die vom AMS angeboten werden und auf dem Arbeitsmarkt nicht wirklich nachgefragt werden. Wenn zu viele Ausbildungen wie ECDL, Deutschkurs B1, ECO-C etc. in einem Lebenslauf auftauchen, dann verrät man dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin nur: Ich war in dieser Zeit arbeitslos. Vorsicht also: Gut gemeint ist nicht immer gut…

Bewerben auf Positionen, in denen Sie das meiste Know-How haben

Ma, schon wieder eine Binsenweisheit. Eigentlich logisch. Sollte man meinen. Die Chancen eine Arbeitsstelle zu finden, steigen natürlich, wenn ich mich auf Jobs spezialisiere, in denen ich die meiste Erfahrung mitbringe. Diese Binsenweisheit wird jedoch nicht immer umgesetzt. Das kann ungeahnte Folgen haben. Viele Jugendliche absolvieren eine Lehre und kommen dann darauf, dass sie den erlernten Beruf nicht mehr ausüben wollen. Anstatt sich zumindest eine verwandte Position zu suchen, nehmen Sie irgend eine Hilfstätigkeit an. Ein KFZ-Mechaniker wechselte so zum Beispiel in den Lebensmittelhandel. Natürlich wird die Rückkehr in den angestammten Beruf von Tag zu Tag schwieriger.

Grundsätzlich ist es natürlich kein Problem nicht nur die Arbeitsstelle und die Firma zu wechseln. Viele streben sogar einen kompletten Berufswechsel an. Allerdings ist ein häufiger Berufswechsel (Verkauf, Zustellung, Gastronomie, Bau) natürlich auch etwas, das in einem Zeitalter der zunehmenden Spezialisierung nicht unbedingt positiv gesehen wird. Daher empfehle ich Vorsicht. Sollten Sie unzufrieden mit ihrem Job sein, prüfen Sie bitte genau, ob es am Job an sich oder an ihrem Arbeitsumfeld liegt. Vielleicht reicht auch ein Abteilungs- oder Firmenwechsel. Sollte es zutreffen, dass Sie mit der Tätigkeit an sich nichts mehr anfangen können, prüfen Sie verwandte Berufe. Das erleichtert auch den Umstieg und in der Folge die Jobsuche.


Links:


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