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Bei Anruf Auftrag – aus dem Leben eines Personaldienstleisters

Kaltakquise ist nicht immer für die Fisch (c) whatelsen

… oder wir fischen alle im selben Teich.

Als Personaldienstleister hat man es nicht immer leicht. Aber wer hat das schon? In den meisten Firmen ist (Kalt)akquise sehr ungeliebt. Sowohl für jene, die sie betreiben, als auch für jene, die das “Opfer” der Akquise sind – wobei ich Akquise spannend finde, da ich sehr viel erfahre. Ich bearbeite die Lebensläufe meiner Bewerber/innen, sortiere sie nach Sparten und sollte ich nicht direkt eine passende Stelle in Form eines Auftrages parat haben, gehe ich in den großen Karriereteich fischen. Ich gehe aktiv auf Personalist/innen, Recruiter/innen und Geschäftsführer/innen zu. Der Sprung ins kalte Wasser ist belebend. Meine Angel ist in diesem Fall das Telefon. Meine Köder sind die Profile meiner Bewerber/innen. Der Teich. in den ich fischen gehe, ist groß. Allerdings tummeln sich in diesem Teich zahlreiche andere Fische – auch Mitbewerber/innen genannt; einige von Ihnen sind wahre Barrakudas, andere eher Tümmler, einige versuchen möglichst elegant durch die Gewässer zu gleiten, andere verstecken sich eher auf dem Grund und schlagen dann plötzlich zu  – so sind sie eben die Akquisiteure (m/w) – unterschiedlich in Temperament und Beuteverhalten.

Wehe, wenn Sie losgelassen werden

Der Vetrieb ist kein Zuckerschlecken und das proaktive Anbieten von Bewerber/innen nicht immer einfach. Vor allem verstehe ich die Damen und Herren in den HR-Abteilungen sehr gut. Sie brauchen im Normalfall keine Störenfriede, die Ihnen die Arbeit abnehmen wollen. Das hat schon etwas mit dem eigenen beruflichen Selbsterhaltungstrieb zu tun, aber auch mit Kosten, die eine Dienstleistung generiert. Das Hinzuziehen von Personaldienstleister/innen ist eben mit Kosten versehen – ebenso wie  das Schalten von Inseraten und die anschließende Bearbeitung von zahlreichen Bewerber/innen auch.

Auch in den HR-Abteilungen sitzen nicht nur freundliche Delfine, die nett ins Telefon schnattern; auch hier gibt es ganz besondere Exemplare der Spezies HR und Personal. Einige Erlebnisse will ich Zukunft in Form eines Tagebuchs schildern. Eines kann ich versprechen: Es geht spannend zu im großen Teich der Personalarbeit.

27. September 2016: Der Kälteanlagentechniker

Ich betreue derzeit einige interessante Kälteanlagentechniker/innen (Anfragen sind immer willkommen). Dabei handelt es sich um eine Spezies an Mitarbeiter/innen, die in Wien rar genug ist. Es sollte eigentlich kein Problem sein, einen Job als Kälteanlagentechniker zu finden. Besonders spannend sind Kandidat/innen, die in Beschäftigung stehen, aber wechselwillig sind. Und genau hier kommen wir Personaldienstleister/innen ins Spiel. Es geht nicht um Datenbanken, sondern um einzelne Personen, die ihr Ein- und Auskommen verbessern wollen. Eine schöne Aufgabe.

Da man meist selbst den ersten Schritt setzen muss, um ein Ziel zu erreichen und gerade in unserem Business fast niemand auf halbem Wege entgegen kommt, suche ich mir ein paar Stellenanzeigen heraus, die von den Anforderungen passen könnten. Eine ist besonders schön. Ich rufe das inserierende Unternehmen an. Dankenswerterweise stehen die Kontaktangaben der bearbeitenden HR-Dame bereits im Inserat. Niemand hebt ab. Ich lege auf und widme mich den nächsten Inseraten. Nach gut 20 Minuten werde ich zurückgerufen (was selten genug passiert und nicht hoch genug eingeschätzt werden kann). Ich trage höflich (so hoffe ich zumindest) mein Anliegen vor. Da es sich um die HR-Abteilung eines großen Unternehmens handelt, braucht es kaum Erläuterungen. Ich lasse ein paar Stichwörter zu meinem Kandidaten fallen. Die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung meint: “Ihr Bewerber ist also ein reiner Kälteranlagentechniker?” Ich bejahe: “Ja, laut Ihrer Ausschreibung sollte er eigentlich passen.” “Wir brauchen aber jemanden mit Elektrotechnikkenntnissen. Und sehr erfahren sollte er auch sein…” Ich staune. In der Ausschreibung sind zwei bis drei Jahre Praxis gefordert. Ich frage daher nach: “Wieviele Jahre Erfahrung sollte er denn haben…” “Naja, mindestens zehn”. Ich bringe meine Verwunderung zum Ausdruck. Die Recruiterin erklärt noch, dass der zukünftige Mitarbeiter sehr selbständig sein sollte und man wolle den Mitarbeiter sofort auf die Kund/innen loslassen. Ich bedanke mich für das Gespräch und hole mir das O.k. bei einem passenden Kandidaten noch einmal anrufen zu dürfen.

Nachdem ich den Hörer wieder auf die Gabel gelegt habe, bekunde ich mein Befremden und erzähle den Inhalt des Telefonats meinem Chef, der lapidar meint: “Ja, da haben sich die Qualitätsansprüche an Kandidaten, die von Personaldienstleistern kommen, offensichtlich schlagartig erhöht. Sehen wir es als Herausforderung.”

13. Oktober  2016: Kälteanlagentechniker, die Zweite

Es ist schon eine Weile her, aber dennoch bleibt mir noch ein wenig die Luft weg, wenn ich nur an das Ereignis denke. Proaktiv, wie meine Arbeit nun einmal ist, screene ich den Stellenmarkt. Ich weiß, dass einige Unternehmen und HR-Abteilungen überhaupt nicht mögen, wenn Personaldienstleister/innen sich auf ausgeschriebene Stellenangebote hin melden, aber es ist einfach nun einmal so, dass ein Stelleninserat eine Aufforderung sich zu melden ist. Ich rufe also bei einem Unternehmen im Wiener-Umland, das HKLS-Techniker/innen sucht, an. Ich will ja nichts Böses. Ganz im Gegenteil. Ich melde mich am Telefon, so höflich es mir möglich ist, versuche in zwei Sätzen mein Anliegen darzulegen und bekomme folgende Antwort: “Na… dafür habe ich keine Zeit.” Ich will den Einwand behandeln, doch erhalte die Gelegenheit nicht mehr. Es knackt in der Leitung und das Gespräch ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Ende. Aufgelegt. Einfach aufgelegt. Es passiert sehr selten, aber es passiert. Man soll es kaum glauben. Ein anderes Unternehmen antwortet hingegen per Mail, dass man meine Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen wolle. Die möglichen Termine sind bereits im Mail angegeben. So geht doch!

19. Oktober 2016: Beliebte Sätze am Telefon

Heute möchte ich einmal meine Top-3-Sätze, die ich in Recruitingabteilungen zu hören bekommen auflisten:

  1. Wir arbeiten nicht mit Personaldienstleistern zusammen und suchen selbst.
  2. Wir arbeiten bereits mit einem Personaldienstleister zusammen und da wollen wir nicht zu viele Angebote bekommen.
  3. Danke, wir suchen eigentlich keine Mitarbeiter/in mehr!

27. Oktober 2016: Zwickel- oder Brückentage

Der 26. Oktober (Staatsfeiertag) fiel in die Wochenmitte. Für viele eine feine Möglichkeit sich frei zu nehmen und einen Kurzurlaub zu planen. Nachdem in der Früh die U-Bahn verdächtig leer war, stellte ich mich auf wenig Kontaktmöglichkeiten mit der HR-Außenwelt ein. Dieser Erwartung wurde allerdings – zu meiner Freude – enttäuscht. Offenbar nutzten etliche HR-Menschen die Gunst der allgemeinen Fenstertage um den einen oder anderen Tag als Bürotag einzurichten. Ich erreichte erstaunlich viele Menschen. Allerdings bekam ich aber auch zwei bis dreimal die Auskunft, dass der zuständige krank sei. Klar bei dem Wetter. Feucht, kalt und neblig in der Früh und am Nachmittag zweistellige Temperaturen. Das bringt einen nicht nur ins Schwitzen, die Verkühlung ist vorprogrammiert. Wenn also der zuständige HR’ler krank ist, sollte es doch eine Vertretung geben, die sich auskennt. Ernüchterung machte sich breit auf meine Nachfrage nach einem vertretungs- und ansatzweise Zuständigen. “Nein, das macht Herr Mustermann und Frau Beispiel ganz alleine. Da gibt es niemanden, der Ihnen weiterhelfen kann”, war ein Satz, den ich in den letzten Tagen mehrmals zu hören bekam. Verwunderung machte sich breit. Da wird in den Stellenanzeigen immer Teamwork gefordert – wie sich heraus stellt sind Personalist/innen doch Einzelkämpfer/innen.

11. November 2016 – Wenn es zu gut läuft…

Hin und wieder hat man Glück. Oder wie es der Präsident meines Lieblingsvereins sagte: „Es gibt einen Spruch, ohne jemandem nahetreten zu wollen. Oft Glück ist Können, oft Pech ist das Gegenteil davon“. Also nehme ich einmal für mich in Anspruch, dass es doch ein bisschen Können ist, wenn in einer Woche gut ein halbes Dutzend Kandidaten bei diversen Vorstellungsgesprächen sind – oder von Kundenseite (also aus den diversen Personalabteilungen) Anfragen für unsere Kandidat/innen kommen. Mich freut sowas natürlich absolut – und unsere Kandidat/innen natürlich auch.

Allerdings kommt es vor, dass Kandidat/innen nicht mehr verfügbar sind. Die meisten fühlen sich nicht exklusiv gebunden und gehen zu mehreren Personaldienstleistern – oder bewerben sich teilweise selbst. Besonders ärgerlich ist es, wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin von sich aus Firmen absagt respektive quasi über Nacht mitteilt, dass seine oder ihre Lebensplanung sich nun doch geändert hat und er/sie  bei der alten Firma bleibt. Zugegebn: Es ist menschlich und kann passieren. Ich fühle mich zwar dann immer irgendwie mies, wenn ich den/die Kandidat/in von meiner Seite aus absagen muss, aber es gehört zum Business. Allerdings finde ich es schade, wenn Bewerber/innen sich von einem Tag auf den anderen Tag nicht mehr melden. Wenn wiederholte Anrufe, Mails oder gar Faxe zu genau keiner Antwort führen. Ich verstehe schon, dass sich tot stellen ein tief in uns kollektiven Psyche verankertes Notfallprogramm ist. Aber ein kleines: “Tut mir leid, ich bin nicht mehr verfügbar.” bringt Klarheit und kann ungemein sympathisch rüber kommen.

Übrigens kommt dies nicht nur bei Personaldienstleister/innen vor. Ich leite auch im AMS-Kontext Lebensläufe an Unternehmen weiter. Öfters bekomme ich dann eine lapidare Meldung, dass Bewerber/innen nicht erreichbar sind oder sich einfach nicht melden. Das ist ärgerlich. Für alle Beteiligten. Also bitte liebe Bewerber/innen und Kandidat/innen: Wir freuen uns bisweilen auch über ein rechtzeitig ausgesprochenes “Nein Danke”.

22. Dezember 2016 : Vor Weihnachten geht nichts

Allgemein besteht ja das Vorurteil, dass vor Weihnachten in Personalabteilungen nichts mehr läuft und der Weihnachtsfriede besonders in der letzten Woche überall Einzug hält. Dies ist nicht zwangsläufig so. In der Woche vor Weihnachten konnte ich noch einige Vorstellungstermine erzielen (am 21. und am 30. Dezember!!), andererseits konnte das eine oder andere Projekt noch unter Dach und Fach gebracht werden, was natürlich für einige Bewerber/innen ein wunderbares Weihnachtsgeschenk zur Folge hatte. Folgenden Eintrag auf einer Website will ich Ihnen nicht vorenthalten. Eine Reinigungsfirma aus dem 22. Wiener Gemeindebezirk gibt folgenden gut gemeinten Hinweis an Personaldienstleister/innen: Information an Personalberater usw. Aus Qualitätsgründen, werden keine Mitarbeiter von Personalbereitstellungs- firmen, AMS – Vermittler usw. angenommen. Auch nicht, wenn Sie eine Förderung oder ähnliches zubietenhaben.” Da stellte sich doch zwei Fragen für mich (1) Bringen Personalbereitsteller/innen und andere Personaldienstleister/innen keine Qualität? (2) Arbeiten vor allem Betriebskontakter/innen überall mit den gleichen Schmähs? Ich werde versuchen mir den Hinweis der Reinigungsfirma zu Herzen zu nehmen. Frohes unsubventioniertes Fest für alle!

12. Jänner 2017: Neues Jahr, neues Glück

Ein Vorstellungsgespräch einer Kandidatin am 30. Dezember ! Das muss man sich einmal vorstellen. Ein weiterer Beleg dafür, dass immer und zu jeder Jahreszeit etwas geht. Gestern durfte die Kandidatin anfangen. 35 Stunden mit Aussicht auf eine Filialleitung. So beginnt das Jahr gut! So soll es sein.

13. Februar 2017: Kurzes Gespräch

Auch das kommt vor. Anruf von mir: “Sie haben ja eine Position per AMS ausgeschrieben… ist diese noch offen?” Antwort des Gegenübers: “Nein”. Frage von mir: “Brauchen Sie sonst noch etwas. Haben Sie Bedarf auf einer anderen Position?” Antwort: “Nein”. Auflegen. Schade. Vielleicht sollte ich doch weniger Entscheidungsfragen stellen…

02. Mai 2017: Der Eisberg

Es ist natürlich sehr schön, wenn man seine Bewerber/innen ein Vorstellungsgespräch organisieren kann, besonders dann, wenn das betreffende Unternehmen nicht wirklich vor hatte, mit einem Personaldienstleister zu arbeiten. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Bewerber dann absagt – nicht weil er eine andere Position gefunden hat, sondern weil “Kleinigkeiten” nicht passen. Doch Vorsicht! Der oder die Bewerber/in hat ein wichtiges Indiz geliefert und mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die Spitze eines Eisbergs gezeigt. Was will ich damit sagen: Wenn es wirklich nur Kleinigkeiten sind, die den oder die Bewerber/in davon abhalten den Job anzunehmen, kann man diese “Kleinigkeiten” mit dem betreffenden Unternehmen ausverhandeln. Sollten die Kleinigkeiten jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein, lohnt es sich nachzufragen. In unserem Fall war es dann auch so: Die Kleinigkeiten waren die Spitze des Eisbergs, darunter war ein Riesenmassiv an schlechten Gefühlen, Einschätzungen und Unwohlsein. Das Nachfassen lohnte sich. Der Bewerber blieb erhalten – und wir unterstützten ihn weiter bei der Suche!

Wichtige Artikel

Immer nach Schema-F

Es ist schon interessant, wie im Bewerbungstrainingsbusiness auch persönliche Vorlieben eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen spielen. Das ist nur natürlich und geht auch leicht von der Hand. Zwei Beispiele finde ich da besonders interessant: (1) Der Grundsatz, dass mit der aktuellsten (letzten) Position angefangen werden muss… Wir kennen es auch als “britischen Lebenslauf” oder als “gestürzten Lebenslauf” oder als “Lebensauf mit rückläufiger Chronologie”. Es gibt sicher noch ganz andere Bezeichnungen dafür. Gemeint ist ein einfaches Prinzip. Wir beginnen mit der aktuellsten Position und arbeiten und langsam zurück in die Vergangenheit. Wird dies konsequent durchgeführt, kommt zuerst das […]

Er wird das sehr gut machen…

Woran Stellenbesetzungen eventuell scheitern können und was Sie als Bewerber machen können… Die deutsche Personalberatungsfirma „heiden associates“ http://www.heiden-associates.com führt unpassende Stellenbesetzung auf einen entscheidenden Faktor zurück. Es würde zu wenig Rücksicht auf die Fittung im Team gelegt. Mit anderen Worten: Erfahrungswerte, soziale Fähigkeiten und Ähnliches würden vorher abgeklopft, ob diejenige Person jedoch mit dem unmittelbaren Vorgesetzten respektive mit den Kolleg/innen klar kommen wird, kann beim Vorstellungsgespräch mit dem oder der Personalverantwortlichen oft nicht oder nur unzureichend fixiert werden. Dass dieser Faktor wichtig ist, kann ich aus meiner eigenen beruflichen Praxis empirisch dokumentieren: Im Normalfall sah ich denjenigen, mit dem ich […]

Augen auf bei der Coachingwahl

Es ist nicht immer leicht den richtigen Coach (m/w) zu finden. Ich persönlich bin auch immer ganz eingeschüchtert, wenn ich die Webauftritte meiner geschätzten Kolleginnen und Kollegen mir ansehe. Der “Wow”-Effekt lässt sich nicht ganz umgehen. Daher ist es sicherlich von Vorteil eine derartige Checkliste bereit zu halten. Einige der folgenden Kriterien lassen sich auch relativ leicht überprüfen. Die meisten selbständigen Coaches haben ihre Vita in Kurzform auf der Website präsent. Daher ist Punkt 10 der Liste vorab der wichtigste. Die Kriterien können Sie aber auch in der Anbahnung oder in einem Klärungsgespräch einfließen lassen. Eine Checkliste ist dabei sehr […]

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