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Alternative Formen des Feedbacks: oder wie arbeite ich ohne langweilige Papierbögen

In meinen Seminaren werden gerne klassische Feedbackbögen ausgegeben, mit denen der Vortrag oder der gesamte Kurs nach dem mitteleuropäischen Schulnotensystem bewertet werden soll. Es handelt sich meist um ein DIN-A4-Formular mit verschiedenen Fragen, die von den Teilnehmer/innen der jeweiligen Veranstaltung beantwortet werden sollen. Die Antworten sind – hin und wieder – mit Smileys kombiniert, die als Illustration für die Schulnoten (1 für sehr gut, 6 für sehr schlecht) dienen. Auch wenn die Smileys unterstützend wirken sollen, bergen derartige Formulare, die darüber hinaus auch noch sehr textlastig aufgebaut sind, eine erste Falle. In manchen Kulturkreisen ist “1” eine schlechte Note und “6” eine gute. In Mazedonien ist die “5” gleichzusetzen mit “ausgezeichnet.” In Luxemburg gelten “60 Punkte” als sehr gut, während “29 Punkte” bereits als ungenügend angesehen werden. Schon alleine aus Diversity-Gründen ist es also besser mit anderen abstrakteren oder allgemein gültigeren Standards zu arbeiten.

Thermometerprinzip als Feedback:

Das klassische  Thermometer könnte eine gute Ausgangslage für ein solches Feedback sein. Das Prinzip ist schnell verständlich, die Themperaturskala kann beliebig variiert werden. Der Vorteil besteht darin, dass man auch eine “neutrale” Position mit 0 Grad ermöglichen kann. Je höher die angezeigte Temperatur, desto besser ist das Feedback. Dies kurz zu erklären ist sowieso notwendig, da diese Form des Feedbacks vielleicht etwas ungewohnter ist. Das “Thermometer-Feedback” eignet sich sehr in mehrsprachigen Gruppen mit hoher mündlicher Kompetenz in der Vortragssprache, aber unklarer schriftlicher Kompetenz. Außerdem ist es sehr schnell bearbeitbar und wird gerne und schnell umgesetzt.

Arbeitsblatt: Stimmbungsbarometer WORD

Impulsfeedback

Diese Methode befindet sich z.B. in der “Feedback Methodenbar” des Zentrums für Hochschul- und Qualitätsentwicklung” der Universität Duisburg. Ich empfinde das “Impulsfeedback” als sehr interessant, das es das Feedback in eine gewisse Richtung führt. Eine Reihe an Formulierungen sollen von den Teilnehmer/innen des Workshops fertig beantwortet werden. Diese Form kommt weder als klassisches Frage- und Antwortspiel noch als Punkteliste daher. Das Impuls-Feedback ist sehr anpassungsfähig, es kann den Schwerpunkt auf den Prozess legen, die Lerninhalte bewerten aber auch auf die Stimmung in der Gruppe Rücksicht nehmen. Themen können leicht kombiniert werden und die Antworten sind qualitativ. Der Nachteil ist, dass auch für diese Form des Feedbacks ausreichend Zeit eingeplant werden muss. Es setzt auch voraus, dass sich die Teilnehmer/innen schriftlich artikulieren können und wollen. Die Feedbackgeber/innen müssen natürlich auch die Möglichkeit haben, gewisse Impulssätze auszulassen. Hier nun einige Beispiele.

Impuls-Feedback (bitte vollenden Sie folgende Sätze)
  • Heute fand ich besonders interessant, dass…
  • Heute fand ich weniger interessant, dass…
  • Heute hätte ich mir gewünscht dass,…
  • Wir kamen gut voran weil,…
  • Wir kamen ins Stocken weil,…

Ausformuliertes Feedback mit Leitfragen

Gruppen mit guter Schrift- und Lesekompetenz in der Vortragssprache (oder Feedbacksprache), sind natürlich für qualitative Feedbacks mit Leitfragen geeignet. Der Vorteil bei Feedbacks mit offenen Fragenstellungen, die auf die Qualität des Vortrags, der Inhalte und der Vortragenden zielen, besteht darin, dass die Teilnehmer/innen sich wirklich Gedanken machen müssen und nicht nur ein paar schnelle Noten vergeben. Dies ist natürlich im Wesentlichen ein Vorteil für den/die Veranstalter/in. Erst auf den zweiten Blick stellt es sich ebenfalls als Vorteil für die Teilnehmer/innen dar. Der durch das Feedback eingeleitete Nachdenkprozess gibt die Möglichkeit gelernte Inhalte noch einmal Revue passieren zu lassen. Der dritte Vorteil besteht darin, dass ein differenziertes Statement leichter möglich ist. Auch im Sinne der Selbstauskunft sagen derartige Feedbacks mehr aus. Die Teilnehmer/innen brauchen jedoch ausreichend Zeit und eine Grundakzeptanz für schriftliches Feedback. Es empfiehlt sich auch, dass der/die Trainer/in aus dem Raum geht. So können die Teilnehmer/innen “frei” sein beim Ausfüllen. Der für mich entscheidende Sachverhalt ist, dass ein handschriftlich gegebenes Feedback mit Leitfragen, die Feedbackgeber/innen bestenfalls dazu veranlasst, zu sich und den unmittelbaren Emotionen (ob gut oder schlecht spielt dabei keine Rolle) auf Distanz zu gehen – und somit ein Stück mehr “Objektivität” (sofern es eine solche gibt) einfließt.

Feedbackbögen als Indikator für das bevorstehende Seminarende – kontraproduktiv

Ein weiteres Erlebenis im Umgang mit Feedbacks möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Feedbackbögen, die kurz vor Ende des Seminars ausgegeben werden, werden meist nur sehr schnell und oberflächlich bearbeitet. Das ist genau wie bei der Hausaufgabenvergabe am Ende der Schulstunde, wenn die Aufmerksamkeit der Schüler/innen bereits auf die Pause gerichtet ist. (Nebenbei bemerkt: Auch in Seminaren und Workshops fallen die Teilnehmer/innen und Trainer/innen oft in die konditionierten Mechanismen aus der Schulzeit zurück. Migrant/innen benutzen auch gerne das Wort “Schule”, um eine Kurs- oder Seminarsituation zu beschreiben.) Will ich ein ordentliches, ehrliches und offenes Feedback, sollte ich den Teilnehmer/innen meines Seminars oder meines Workshops ausreichend Zeit zur Beurteilung und die Möglichkeit einer anonymen Abgabe geben. Ansonsten wird das Feedback mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig differenzierend sein und keine Aussagekraft haben – egal wie Sie es aufbauen. Der Umkehrschluss gilt natürlich auch. Besteht das Ziel darin ein gutes Feedback zu erzielen (sei es nur aus Evaluierungsgründen für die Weiterbeschäftigung als Trainer/in oder Vortragende), kann man das Feedback natürlich auch so gestalten.

Feedbacks in Meetings – mehr Spaß ist Trumpf

Auch in Meetings fehlt leider die Feedbackkultur. Gerade in der Erwachsenenbildung finde ich es schade, wenn Teambesprechungen nach dem Schema der einfachen, mehr oder weniger moderierten, Diskussionsrunde ablaufen. Hier gäbe es viele Möglichkeiten Feedback anders einzusetzen und Zusammenkünfte zu dynamisieren. Feedback ist schließlich das Echo, das ich auf mein “öffentliches Tun” bekomme. Die folgenden Methoden haben nur wenig mit  einem klassischen, wertschätzenden, beschreibenden, verbalisierten Feedback zu tun. Sie dienen eher der Möglichkeit Lehrlauf und Koreferate zu unterbinden und Meetings zu versachlichen und zu dynamisieren, funktionieren daher jedoch auch sehr unmittelbar.

Das Gong-Show-Meeting

Sie kennen vielleicht noch das Fernsehformat “Die Gong Show”, das Ende der 70er auf NBC erstausgestrahlt und dann in vielen Varianten in den unterschiedlichsten Ländern gesendet wurde. Im Prinzip handelte es sich um einen Wettbewerb zwischen Künstler/innen unterschiedlichen Talents. Sollte der Auftritt einem oder einer der drei Gastjuror/innen nicht gefallen, so konnte diese/r mit einem lauten großen Gongschlag die Performance beenden. Ertönte der Gong war der Aufritt beendet – unerbittlich. Ein ähnliches Prinzip kann in Meetings eingesetzt werden. Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin das Gefühl hat, dass ein bestimmtes Thema bereits vollständig abgehandelt wurde oder es besser wäre das Thema zurück zu stellen, könnte er oder sie dies mit einem Gongschlag “vorschlagen”. Dies setzt allerdings voraus, dass Meetings in einer vollkommen stress- und angstfreien Umgebung stattfinden und die Mitarbeiter/innen gerade dazu ermutigt werden ihre Meinung offen zum Ausdruck zu bringen. Zweifelsohne werden Teilnehmer/innen eines Meetings sehr wohl gut überlegen, ob Sie aufstehen sollen und den Gong erklingen lassen, da es sich doch um eine starke Intervention ist. Hin und wieder wäre so etwas jedoch notwendig, um das Bewusstsein für das eigentliche Thema wieder zu schärfen.

Buzzword-Bingo

Das “Buzzword Bingo” ist auch nicht gerade neu, dennoch ist eine sehr sinnvolle Methode um Meetings zu dynamisieren und die Aufmerksamkeit der Teilnehmer/innen zu stärken. Das “Buzzword-Bingo” ist auch noch als “Bullshitbingo” bekannt. Wie funktioniert es? Alle Teilnehmer/innen bekommen im Vorfeld des Meetings eine Bingokarte mit Begriffen ausgeteilt. Es kann sich um jene Begriffe handeln, die die angegebenen Tagesordnungspunkte zusammenfassen oder ganz sicher darin vorkommen. Es können aber auch Begriffe sein, die es tunlichst zu vermeiden gilt. Egal für welche Spielart man sich entscheidet; es sollten unterschiedliche Spielkarten ausgegeben werden. Sobald ein/e Meetingteilnehmer/in eine Reihe oder Spalte mit Begriffen voll hat, ruft er oder sie “Bingo”. Damit sollte dann das Meeting beendet sein.

Das Blabla-o-Meter

Es kommt ja immer wieder vor, dass  Meetings durch Zwigespräche oder Seitendiskussionen in die Länge gezogen werden. Solche “Plaudereien” werden von autoritären Meetingleiter/innen, Trainer/innen oder Lehrer/innen gerne als Störung des Unterrichts oder des Meetings gesehen. Eigentlich handelt es sich bei den Seitendiskussionen untereinander nicht um Störungen, sondern um wertvolle Hinweise. Entweder ist das Thema uninteressant und die Aufmerksamkeit ist weg oder aber das Thema ist so interessant, dass es  von der Ebene des Plenums auf jene des Zwigesprächs zwischen den Teilnehmer/innen heruntergebrochen wird. Es kann also sein, dass das besprochene Thema sogar sehr dazu anregt, sich direkt mit dem Sitznachbar oder der Sitznachbarin auszutauschen. Nun könnte man das Meeting unterbrechen und Raum für Diskussionen in kleinen Gruppen geben. Das ist allerdings schwierig, da somit Zeitpläne und Tagesordnungen oft durcheinander kommen. Wenn die Teilnehmer/innen an der Runde fröhlich “schnattern”, ist dies nicht unbedingt der Ausdruck von mangelndem Interesse. Reagieren sollte der/die Moderator/in in jedem Falle, da die Struktur des Meetings schnell verloren geht (oder gehen kann). Mein Deutschlehrer im Gymnasium pflegte solche “Schwetzereien” mit einem sonoren “Erzähl Deine sowieso nicht statt gefunden habenden Liebesabenteuer doch bitte in der Pause…” zu unterbinden und kehrte prompt zur Tagesordnung zurück.

Das Blabla-O-Meter macht sich diese Plauderein zunutze. Voraussetzung ist jedoch, dass ein Teammitglied die wichtige Aufgabe des/der Beobachter/in einnimmt. Will man einen visuellen Effekt für die gesamte Gruppe erzielen, wäre es sinnvoll ein Flip-Chart einzusetzen. Es reicht aber auch, wenn der/die beobachtende Kolleg/in eine Stricherlliste auf einem Zettel führt. Wichtig ist, dass die zu besprechenden Themen untereinander in einer Spalte aufgeführt sind. Oben wird die Anzahl der Teilnehmer/innen inklusive Trainer/in oder Diskussionsleiter/in notiert. Der Basiswert ist jedes Mal “1”, da ja sowohl im Meeting, als auch im Training oder in einer Diskussionsrunde immer nur ein/e Teilnehmer/in  sprechen soll und Redebeiträge nacheinander abgewickelt werden sollen. Der/die Beobachter/in notiert in jedem Themenblock die Anzahl der Seitenkommentare, Zwischenrufe oder Nebendiskussionen. Man kann die Strichelliste natürlich auch in weitere Bereiche gliedern. Sollte eine gewisse Zahl an Stricheln erreicht werden – kann der oder die Beobachter/in – die Diskussion an diesem Punkt unterbrechen. Der Vorteil der “Stricherliste” oder des Blabla-O-Meters: Man kann die Reaktionen der Teilnehmer/innen festhalten, sieht welche Themen kaum “Diskussionsstoff” boten und es kann zu einem Sport werden mit möglichst wenig Einträgen im Blabla-O-Meter ein Meeting zu beenden.

Dies sind nur einige Überlegungen zu Feedbackmethoden. Ich freue mich über Vorschläge per Mail oder als Kommentar.


Hier geht weiter zum Artikel: Kreative Feedbackmethoden

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